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Volbeat

Smoke Blow

Smoke Blow
THE RECORD
Hardcore Metal 7 / 7
Pias/Rough Trade
(12 Songs / 30:05 Min.)

Komisch, dass noch niemand vorher auf die Idee gekommen ist, Hardcore und Metal zu kreuzen. Nein, wir reden hier nicht von Metalcore, auch wenn dieses Genre vielleicht eben jenen Stilmix suggerieren mag. Letztlich tut es das vornehmlich – aber eben nur auf dem Papier, denn nur Smoke Blows THE RECORD verdient tatsächlich vor dem ihnen gegebenen Untergrund-Hintergrund die Hardcore Metal-Bezeichnung, und zwar mit Auszeichnung.

Frei nach dem Motto „Besser spät als nie“, haben die sympathischen Kieler Krawallbrüder sich für ihr siebtes Album aber so was von richtig ins Zeug gelegt und die Platte gemacht, die sie ihrer eigenen musikalischen Vergangenheit einfach schon immer schuldig waren. Denn noch bevor Smoke Blow mit 777 BLOODROCK (2000) Noise Punk Metal lancierten, mit GERMAN ANGST (2003) den Party Rock’n’Roll Hardcore-Tanker vom Stapel ließen, mit DARK ANGEL (2005) gleichsam poppig der Düsternis und den Misfits huldigten und zuletzt mit COLOSSUS den alten Onkel Punk Rock in all seiner Vielfalt von hinten, äh, aufzäumten, waren es Hardcore und Thrash, die den Proberaumalltag unserer Protagonisten bestimmten.

Und genau diese Wurzeln gibt es hier im zeitgemäßen Crossover-Gewand aus Neunziger-Hardcore, früher Thrash-Me(n)talität, alten Entombed und gar einer Prise Black Metal (‘Final Hands’, der wohl härteste Song der Scheibe sagt mal kurz Satyricon Hallo) zu bestaunen. Dabei ist „bestaunen“ vielleicht doch nicht ganz die richtige Wortwahl, denn das schnellste, lauteste und härteste Smoke Blow-Album aller Zeiten ballert durch die Gehörgangwindungen wie eine Abrissbirne auf Amphetamin-Urlaub beim fröhlichen Synapsen-Klatschen.

Von Jingo De Lunchs Tom Schwoll in Berlin auf Band gebannt, von Alex Newport (At The Drive-In) im Future Shock Studio in New York gemischt und von Jacob Hansen (Volbeat, Heaven Shall Burn) in den Hansen Studios, Dänemark, im meisterlichen Mastering finalisiert, sind allein schon Sound und Produktion von THE RECORD mehr als herausragend: So pumpend und präzise tight hat man die Band bis jetzt noch nicht gehört. Doch es sind vor allem die Songs, oder vielmehr die Song-Bretter, die hier die Welt bedeuten: ‘Broken Bonds Of Friendship’ verdient die Bezeichnung Opener auf ganzer Linie, denn nach diesem harten Hauer mit immer noch extrem feinem Melodien-Riff-Motiv stehen Kinnlade und Ohren zu Recht türangelweit offen. ‘Evil Leaf’ zügelt im direkten Abschuss-Anschluss das Tempo ein wenig zugunsten dynamischer Härte, bevor es mit dem ‘Summer Of Betrayal’ wieder richtig in die Vollen geht.

Und so setzt es sich fort – zwölf knackig-kurze Songs lang, keine Verschnaufpause, keine Gnade. Sänger Jack Letten und sein Mikro-Counterpart MC Straßenköter spielen sich die Shout-Bälle zu, die Gitarristen Gerrard the J.R. und Kentucky riffen um ihr Leben, und die Rhythmusfraktion aus Bassist Greif Hellhammer und Schlagzeuger Fabrizio lässt keinen Beat und kein Break anbrennen. Auch wenn THE RECORD verdammt hart ist, werden Smoke Blow darüber hinaus immer auch dem melodischen Anspruch gerecht, denn diese zwölf Stücke haben allesamt die Hooks, Eingängigkeit und Rampensau-Refrains, die so viele andere – krampfhaft nur auf Schnelligkeit und musikalische Kraftmeierei gebürstet – vermissen lassen. Eine harte wie reife Leistung – THE RECORD verdient allen erdenklichen Respekt.

Frank Thiessies

Kommentare der Redaktion

Bislang waren mir Smoke Blow immer etwas zu spleenig, etwas zu punkig, um meinen Nacken in Bewegung bringen zu können – das ändert sich mit THE RECORD nun radikal. Denn neben meinem Hals wird auch das Knie zu sportlichen Höchstleistungen animiert – ganz klar: So gerockt haben die Norddeutschen noch nie. Dazu gesellen sich die eingängigsten Höhepunkt in der Bandgeschichte. Für mich ist THE RECORD die mit Abstand beste Smoke Blow-Platte bislang – und daher verdienter Soundcheck-Sieger.
Matthias Weckmann (5 Punkte)

Die größte musikalische Überraschung kommt in diesem Monat eindeutig aus Kiel: Smoke Blow liefern mit THE RECORD nicht nur das härteste Album ihrer bisherigen Karriere ab, sondern schaffen es auch, die ansonsten immer chronisch verfeindete Rock-vs.-Metal-Fraktion in der Redaktion zu einen. Auf dem Album gibt es nämlich genügend Melodien, um die Punk-Rotzbrocken eingängig zu halten und zudem jede Menge Riffs, die selbst auf einer Death Metal-Scheibe nicht fehl am Platz gewesen wären. Willkommen beim gelungensten Rock-Spagat des Monats!
Petra Schurer (6 Punkte)

Ich sehe es exakt so wie Imperator Weckmann. Punk ist tot – lange leben Smoke Blow, die sich auf THE RECORD um Zenturien stärker auf ihre Hardcore-Seite konzentriert haben und ein Album aus dem Boden gestampft haben, dass in seiner Schmissigkeit, seinem Biss und seiner Eingängigkeit Szene-Größe wie Sick Of It All in kaum etwas nach steht. Ich hätte das den Kieler Asis so nicht zugetraut: Überraschung und Album des Monats! Verdientermaßen noch dazu.
Anzo Sadoni (5 Punkte)

Mal wieder bewahrheitet sich: Alben, an die man ohne Erwartungshaltung rangeht, schlagen oft am gewaltigsten ein. Smoke Blow hatte ich gar nicht auf dem Plan, schwebte aber schon nach dem ersten Song im Hardcore-/Punk-Himmel. Passiert selten genug, und spricht damit eindeutig für Smoke Blow und ihre Mixtur aus Pit-Krawall und Melodie! Allein die Textzeile „I crash your house, I wreck your car“ aus ‘Evil Leaf’ könnte ich stundenlang feiern – vielleicht auch, weil sie so schön nach Kreuzberger Nächten klingt.
Sebastian Kessler (5 Punkte)

Nichts wirklich Neues im Staate Kurz-vor-Dänemark: Smoke Blow bieten weiter klassische (und oft genug gehörte) Hardcore-Punk-Riffs mit gelegentlich metalcoriger Break-Kultur. Und doch was Neues ebenda: THE RECORD ist nicht nur fetter produziert als der Vorgänger COLOSSUS, sondern drückt auch deutlich mehr auf die Tube - was zwar gut in Eingeweide und Nickmuskel geht, aber doch die früher so stilprägenden Ausflüge über den Tellerrand hinaus ziemlich an den Rand drängt.
Robert Müller (4 Punkte)

Bitte wer ist Soundcheck-Sieger? Smoke Blow? Die Straßenköter, die bisher mal mehr, mal weniger genial aus der zweiten Reihe gerotzt haben? Sehr cool! Verdient haben sie es allemal, denn THE RECORD ist fast wieder so gut wie ihr Klassiker GERMAN ANGST und mit dem Soundcheck-Gewinn wird endlich mal wieder die ehrliche Arbeit einer kleinen Band belohnt, die seit langen Jahren schon zum Besten zwischen Hardcore, Punk und Straße gehört, was Deutschland zu bieten hat.
Tobias Gerber (5 Punkte)

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