Tour des Monats

Tour des Monats

Album des Monats

Album des Monats

Volbeat

Heaven Shall Burn

Heaven Shall Burn
INVICTUS
Death Metal 6 / 7
Century Media/EMI
(12 Songs / 45:16 Min.)

Dass sich Heaven Shall Burn mal zu einer Band mausern würden, die Death Metal derart gekonnt mit Hardcore und schwedischen Melodien verknüpft, hätte man 2000, als das Debüt ASUNDER erschien, nicht erwartet. Zwar haben die Thüringer schon damals ein außerordentliches Gespür für gute Songs an den Tag gelegt, jedoch nicht in diesem Ausmaß. Als das dritte Album ANTIGONE (2004) mit ‘The Weapon They Fear’ auf dem Mark kam, standen die Segel auf Sturm – und tun es bis heute.

Denn jetzt setzt das Quintett mit seiner ICONOCLAST-Saga noch höhere Standards und kündigt mit dem dritten Teil INVICTUS (ICONOCLAST III) den bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere an. Räumte bereits der erste Teil ICONOCLAST (2008) überall gute Kritiken ab und sorgte der zweite Teil in Form der DVD BILDERSTURM (THE FINAL RESISTANCE) für gute Laune und offene Münder, setzt das Finale noch einen drauf. So haben Heaven Shall Burn wieder ihr Ticket für den Song des Jahres gelöst: Nach dem grandiosen ‘Endzeit’ kommt nun ‘The Omen’, das mit seinem erhabenen Beginn und brechend groovigem Ohrwurm-Riff punktet. Und so verhält es sich mit dem ganzen Album, das nur so vor enormer Hitdichte strotzt.

Hier gibt es einfach keinen Durchhänger, das beginnt schon beim instrumentalen Intro beziehungsweise Outro, die beide erneut vom isländischen Komponisten Ólafur Arnalds geschrieben wurden. ‘Buried In Forgotten Grounds’ besticht mit ruhigen Momenten, während ‘Combat’ einfach pure Kraft erzeugt. Das Niveau ist extrem hoch. Außerdem wissen Heaven Shall Burn nach all den Jahren immer wieder zu überraschen, und so wird bei ‘The Lie You Bleed For’ nicht nur mit Keyboards gearbeitet, sondern auch mal deutsch gesungen. Insgesamt halten sich die musikalischen Experimente aber in Grenzen, und Heaven Shall Burn verlassen sich weiter auf ihr Erfolgsrezept.

Sicherlich ist der Anteil an elektronischen Einspielern ein wenig höher, die Grundessenz bleibt aber gleich. Ein absolutes Novum ist hingegen die Kooperation mit Sabine Weniger, der Sängerin von Deadlock. Diese veredelt mit ihrer Stimme ‘Given In Death’ und rundet damit das Gesamtpaket ab. Das Gitarrenduo Andreas Dietz und Maik Weichert zaubert Riffs für die Ewigkeit hervor: Ohne zu viele Zitate aus vorangegangenen Werken zu verwenden, bleiben die beiden ihrem Sound treu und entwickeln sich in ihrem Genre trotzdem weiter. Von musikalischem Stillstand keine Spur.

Man merkt, dass nicht nur die Saitenfraktion ein eingespieltes Team, sondern die ganze Band über die Jahre zusammengewachsen ist. Auch das von einigen bisher als Kritikpunkt gehandelte Schlagzeug zeigt dieses Mal die nötige Abwechslung und spielerische Variation, so dass die neuen Parts prägnanter und wuchtiger rüberkommen. Hinzu kommt ein textliches Konzept, das zwar kritisch auf Missstände hinweist, den Hörer aber nicht zum Pranger führt.

Die Hardcore-Attitüde kommt nicht nur hier zum Tragen, sondern bleibt die Band auch ihrer Do-It-Yourself-Einstellung treu: So haben Andreas Dietz und Maik Weichert ein weiteres Mal die komplette Produktion übernommen. Für das Mixing und Mastering konnte erneut Tue Madsen gewonnen werden, der INVICTUS zwar einen modern druckvollen Sound verpasst, welcher dabei aber nicht steril oder überproduziert klingt. Langsam, aber sicher entwickelt sich ein prägnanter Heaven Shall Burn-Sound. Wie es der lateinische Album-Titel bereits verkündet: Diese Scheibe ist unbesiegbar.

Florian Krapp

Kommentare der Redaktion

„Was ein Brett!“ entfuhr es mir vor sechs Jahren bei ANTIGONE. Das gilt für die Neue ebenso; Danke schön für den Schlag in die Fresse. Allerdings wirkt INVICTUS auf lange Distanz zu stumpf, zu eindimensional. Vor allem der Gesang könnte selbst für das extreme Genre viel mehr Variation vertragen. Deshalb Daumen hoch für den Wumms, Daumen runter für die Präsentation. Macht vier Punkte.
Christof Leim (4 Punkte)

Heaven Shall Burn sind in der Abrissbirnen-Liga immer noch absolute Spitze – viel mehr kann man dem Hörer nicht auf’s Maul hauen. Auf Albumlänge verliert das aber ein bisschen an Wirkung – für meine Begriffe könnten die Songs durchaus mehr Luft vertragen. Mit ANTIGONE haben Heaven Shall Burn bereits beweisen, dass sie dynamischer klingen können. In der Beziehung hinkt INVICTUS etwas hinterher.
Matthias Weckmann (5 Punkte)

Heaven Shall Burn haben einfach den Dreh raus: INVICTUS klingt modern, wurzelt aber dennoch im Traditionellen. Die Härte, die die Thüringer aus dem Death Metal entliehen haben, spiegelt sich stets in den Songs wider. Gleichzeitig haben sie aber auch den Mut, ihren Sound für Neues zu öffnen: Das Duett zwischen Sabine Weniger und Marcus Bischoff ist dafür das beste (und eindeutigste) Beispiel. Applaus dafür - und zwar sowohl für den Ansatz als auch die gelungene Umsetzung
Petra Schurer (6 Punkte)

Den Thüringern gelingt das Kunststück, ihrem bewährten Sound neue Nuancen hinzuzufügen ohne dabei den Fokus zu verlieren. INVICTUS ist brutal im Mosh und filigran im Detail. Experimente wie programmierte Beats oder die zweisprachigen Texte sind anfangs gewöhnungsbedürftig, fügen sich jedoch perfekt in die (leider ziemlich glatt gebügelte) Soundwand ein. Heaven Shall Burn definieren das gesamtes Genre, halten die Konkurrenz locker auf Distanz und sind einfach der perfekte Soundtrack zur Staubwolke.
Jakob Kranz (6 Punkte)

Heaven Shall Burn sind auf INVICTUS vornehmlich damit beschäftigt, dem Hörer mit aller Gewalt eine massive Soundwand ins Gesicht zu drücken – nein: damit auf ihn einzuprügeln. Trotzdem laufen sie (fast) nie Gefahr, sich darin zu erschöpfen. Dazu sind die Melodien zu zwingend (‘Sevastopol’), das Dancefloor-Gebolze zu aufputschend (‘Combat’) und die Doublebass zu einladend (jeder Song). Langweilig wird es also nicht – kraftraubend schon eher.
Sebastian Kessler (6 Punkte)

Es ist immer eine kritische Phase, wenn eine Band wie Heaven Shall Burn die Sturm-und-Drang-Phase hinter sich lässt und, um mal die allgemeine Erwartungshaltung auszudrücken, "jetzt das ganz große Ding wird". An letzterem habe ich nach INVICTUS keinen Zweifel: Die Melodien sitzen, das Tempo ist fulminant, die Hymnen traben im Minutentakt an. Aber dieser nächste Schritt ist auch ganz klar einer ins Rampenlicht, nicht in die musikalische Zukunft. Das kommt dann hoffentlich als nächstes.
Robert Müller (5 Punkte)

Du kannst diesen Artikel kommentieren:


































































































































































Volbeat

Album des Monats im METAL HAMMER 09/10 mehr >>

Blind Guardian

Album des Monats im METAL HAMMER 08/10 mehr >>

Grand Magus

Album des Monats im METAL HAMMER 07/10 mehr >>

Heaven Shall Burn

Album des Monats im METAL HAMMER 06/10 mehr >>

The Ocean

Album des Monats im METAL HAMMER 05/10 mehr >>

Armored Saint

Album des Monats im METAL HAMMER 04/10 mehr >>

Dark Tranquillity

Album des Monats im METAL HAMMER 03/10 mehr >>