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Guns N‘ Roses: Mütter, sperrt die Töchter ein!

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Am 14. April werden Guns N‘ Roses in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Ob die originalen Bandmitglieder diese Ehrung gemeinsam annehmen werden, ist noch immer nicht bekannt. Erst gestern sagte Slash dem ROLLING STONE: „Jeder hat mich gefragt, was passieren wird, aber sie wissen genauso wenig wie ich. Meinem Empfinden nach, ist es eine Pflicht dort anwesend zu sein, und ja, verdammt, ich würde auch spielen wollen. Aber das wird nicht passieren – aus welchem Grund auch immer.“

Wir haben in „DAS ARCHIV – Rewind“ gestöbert, das ja bekanntlich auch die komplette Historie des Metal Hammer, des Musikexpress und sogar des im selben Haus erschienenen „Crash“-Magazins enthält, und haben dort einen Text aus der Zeit kurz vor dem Durchbruch von Guns N‘ Roses gefunden. Passenderweise stammt der herrliche reißerische Text von Sylvie Simmons, die später auch als ROLLING STONE-Autorin in Erscheinung trat. Sie traf die Band kurz nach dem Release von „Appetite For Destruction“, als Guns N‘ Roses noch friedlich vereint waren in diesem von Slash formulierten Wunsch: „Wir wollen jeden Tag spielen, uns verwöhnen und möglichst viel ficken!“

Alle Infos zu „DAS ARCHIV – Rewind“ finden Sie hier.

Sie trafen verspätet in London ein, weil Axl in L.A. von der Polizei gejagt worden war und schließlich im Krankenhaus landete; außerdem haben sie London blitzschnell wieder verlassen müssen, nachdem die Band von dem Besitzer des Apartments, in dem sie zwei Wochen nächtigten, ebenfalls verfolgt wurde. Es hatte irgend etwas mit einem „merkwürdigen Fleck“ auf dem Teppich zu tun – etwas ungeheuer Anrüchiges – und genau das beschreibt sehr treffend, wie Guns n‘ Roses drauf sind …

In LA. hat sich etwas getan – und zwar was Grundsätzliches: All diese Schwuchteln mit doppeltem X in ihrem Namen sind von einer Handvoll geiler, schmieriger Bands an die Wand gedrückt worden, die gewöhnlich in einer Spelunke namens „Cat Club“ rumhängen und in dunklen Ecken heimlich zur Musik der guten alten Sweet und Aerosmith ficken, aber sich ansonsten lieber die Stones und Sex Pistols anhören als Ratt und Bon Jovi. Sie tragen Namen wie Faster Pussycat, LA. Guns und, an der Spitze des Dreckhaufens – Guns N‘ Roses: Izzy Stradlin und Slash: Gitarre, Axl Rose: Gesang. Duff McKagan: Baß, Steven Adler: Schlagzeug.

Sie kamen aus allen Himmelsrichtungen und landeten, wie die meisten, in LA., als eine von vielen Straßenbands in einer Stadt, wo es eigentlich gar keine Straßen gibt, nur Boulevards und Freeways. Und wenn man da zu lange in der Gosse sitzt, kommt irgendwann eines dieser mobilen Stadtreinigungs-Kommandos und befördert einen in die Wüste. „„Hier wurde jeder schon mal durch die Mangel gedreht“, schildert Duff die Vergangenheit. „Im Alter von 15 spielt man erst mal in vielen Bands mit. Anfangs weiß man ja auch noch nicht so genau, was man eigentlich will; man will in erster Linie einfach nur spielen. Wenn man Glück hat, begegnet man den Leuten, mit denen es auf Anhieb klappt. So war’s bei Guns n’Roses.“

Sie angelten sich zwei Hollywood-Groupies, die für den Lebensunterhalt der Band aufkommen sollten. Als Gegenleistung versprachen die Guns ihnen Sex, hielten ihren Teil der Abmachung jedoch nicht ganz ein …

Axl: „Es wurde richtiggehend unanständig. Diese zwei Mädchen waren mannstoll und verrückt nach der Band. Das hätte sich doch niemand entgehen lassen, besonders keiner von uns. Also hat Slash sie ausgenommen, z. B. für Drinks, Essen, ach, alles mögliche, ohne irgend etwas dafür zu tun. Allerdings hat das dann doch einige Probleme gegeben …“

Danach zogen sie in ein kleines Apartment um, wo sie den alten Hollywood-Band-Trick anwendeten: Eine Monatsmiete im voraus und dafür sechs weitere Monate umsonst wohnen – genau die Zeit, die der Eigentümer braucht, bis er den Auszug erzwingen kann.

Slash: „Keine Dusche, kein Essen, gar nichts! Eine unbequeme Knastzelle. Aber – weiß Gott – wir hatten einen verdammt guten Sound da drin! Wir sind eine sehr laute Band, und wir machen keine Kompromisse, wenn’s um die Lautstärke geht. Wir hämmerten also drauflos, und unsere Marshalls dröhnten. Und das alles in dem winzigen Raum! Das war super, weil der Lärm die ganzen Loser und Bands vom Sunset Boulevard anzog, die dann dauernd bei uns rumhingen. Wir probten und schliefen in dem einen Zimmer. Das war manchmal ganz schön hektisch, aber dafür wurden wir auch nicht fett und faul.“

Aus solchem Stoff werden in der Image-Stadt Hollywood Ruf und Ansehen gemacht. Satinbejackte Plattenfirmen-Leute flanierten den Boulevard runter, vorbei an den Pennern, den Besoffenen und kotzenden Groupies, hörten die Band und luden sie zum Essen ein. Guns n‘ Roses stehen total auf kostenloses Essen. „So haben wir angefangen zu fressen, und jetzt passen unsere Klamotten nicht mehr!“ Dafür sind sie jetzt stolze Besitzer eines Plattenvertrages.

Früher sahen Guns N‘ Roses wie jede andere püppchenmäßig gestylte Band in L.A. aus. Slash: „Als wir die ersten Male auftraten, stylte Axl seine Haare noch und benützte Make-up, aber mittlerweile sind wir total weg von solchen Sachen. Die wollen zwar immer noch eine Glam-Band aus uns machen, aber da scheiß ich drauf, weil wir keine sind!“

Und so haben Guns N‘ Roses ein spezielles Verhältnis zu Poser-Bands wie Poison. Axl: „Ich habe diesen Typen persönlich erklärt, daß sie mich mit ihnen zusammen in ein Zimmer sperren könnten, und ich wäre der einzige, der wieder heil rauskäme, das schwöre ich dir.“

Sie sehen sich zwar nicht als Apostel für die Wiederkehr des Drecks im Rock n‘ Roll, aber sie finden sich als Nebenprodukt dieser neuen Welle ganz gut gelungen. Slash: „„Metal kommt von sexueller Frustration!“ Nach Einschätzung der Mädchen, die sie in ihr Apartment in London mitgenommen haben, waren sie aber gar nicht so sehr „sexuell frustriert“. Das würde auch den „merkwürdigen Fleck“ auf dem Teppich erklären…

Aber zurück zur Musik. Izzy: „Unser Bestreben ist es, auf Tour zu gehen, zu reisen und das große Guns n‘ Roses-Abenteuer fortzusetzen.“ Slash: „Wir wollen jeden Tag spielen, uns verwöhnen und möglichst viel ficken! Weißt du, was ich wirklich gerne machen möchte? Nach Japan gehen und die Leute da versauen! Am besten ein paar ganz miese Pornos mit rübernehmen und sie vom höchsten Gebäude runterwerfen.“ Axl: „Entweder man liebt uns oder man haßt uns, aber auf keinen Fall wird man uns übersehen!“

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