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Im Pit bei: Slash + Ginger

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Slash „solo“ stimmt nicht ganz, denn mittlerweile fungiert die Band unter „Slash feat. Myles Kennedy & The Conspirators“. Ganz unbegründet ist das nicht, denn Kennedy, der sonst bei Alter Bridge singt, hat sich mittlerweile einen nicht unbeträchtlichen Teil der Aufmerksamkeit verdient.

Aber eins nach dem anderen: Zunächst spielt nämlich der unkaputtbare Wildhearts-Frontmann Ginger Punk Rock mit Pop-Sensibilität, Rock‘n‘Roll mit Herz, Singer/Songwriter-Weisheiten mit Wumms. Ganz zu packen ist der Mann damit nie, aber die Leute drängeln sich bereits. Es wird werden warm heute.

Slash und seine Mannen können danach aus dem Vollen schöpfen: frühes und frisches Solomaterial, Guns N‘Roses-Klassiker und sogar Velvet Revolver-Nummern stehen zur Debatte. Und die Truppe zieht alle Register. Mit ‘Halo’ geht‘s fulminant los, bevor ‘Nightrain’ zeigt, dass sich der Lockengott nicht schämen muss, die Trümpfe zu spielen.

Die Truppe rockt den Gassenhauer und alle weiteren Nummern wie selbstverständlich und wie aus einem Guss. Dass die Band bereits seit März unterwegs ist und im nächsten Jahr nochmal kommen soll, schadet dabei sicher nicht. Zudem meistert Myles Kennedy sämtliche Songs, die ursprünglich mit anderen Stimmen aufgenommen wurden, etwa das folgende ‘Ghost’, auf dem ursprünglich Ian Astbury von The Cult zu hören war.

Kennedy mag ab und zu ein bisschen quäken, aber Passagen wie das Ende von ‘Rocket Queen’ drückt man sich nicht mal eben aus dem Hals. Überhaupt, die Guns N‘Roses-Nummern: Jeder, aber wirklich jeder kennt sie, und jeder singt mit. Und dazu gehören beileibe nicht nur Enddreißiger in verblichenen APPETITE-Shirts. Die neuen Songs kommen gut an, aber erwartungsgemäß verströmen die mittlerweile teilweise 25 Jahre alten Klassiker ein besonderes Gefühl von „Hier wohne ich“.

‘Civil War’ in der richtigen Situation hören fühlt sich an wie Heimgekommen. Hammer. Und das Auftauchen von Snakepit-Nummern wie ‘ Been There Lately’ ist ein Grund zur Freude. Davon hätte es ruhig mehr sein dürfen, gerne auch vom Snakepit-Debüt. Natürlich erweist sich nicht jeder Schuss als Treffer, denn die letzten beiden Studioalben hatten doch unbestreitbar ihre Hänger, aber – und das ist hier nicht als Klischee, sondern wirklich wörtlich gemeint – die Show rockt. Und die Setlist funktioniert wesentlich besser als eine reine Cover-Veranstaltung.

Dabei hilft auch die Tatsache, dass die Slash-Band ohne Keyboards, ohne Bläserstand, ohne Las Vegas-Unfug auskommt. Schlagwerk, Bass, Gitarren. Der Mann, der hier Slash an der zweiten Sechssaitigen zu Hand geht, heißt eigentlich Frank, wird aber hinter der Bühne nur „Baby Jesus“ genannt, weil er mit seinen langen Locken und dem jugendlichen Gesicht aussieht wie Zwölf. Hier sind wohl ein paar Träume in Erfüllung gegangen.

Vielleicht auch für Bassist Todd Kerns, der ‘Doctor Alibi’ und eine wahnwitzige Version von ‘You‘re Crazy’ singt. Im Original ist die elektrische Version dieses Guns-Klassikers 239 bpm schnell (zum Vergleich: ‘Master Of Puppets’ hat 220), aber heute abend wir diese Marke überboten. Das scheppert. Der Chef selbst, der natürlich irgendwann seinen Zylinder, aber kein Shirt mehr trägt, gönnt sich einen Blues-Jam und ausführliche Soli – und zeigt dabei, dass er nicht nur geschmackvoll rockt, sondern auch technisch ziemlich beschlagen ist. Was der Mann an der Gitarre veranstaltet ist allererste Sahne, aber nie reiner Sport. Fünf Minuten weniger davon hätten allerdings auch nicht geschadet. Dafür gibt‘s beim unschlagbaren ‘Sweet Child O‘Mine’ das beste Gitarrensolo der Welt, zumindest für die Ohren des Autors.

Die Stimmung im E-Werk lässt sich mittlerweile am besten mit „ fröhlich“ beschreiben: Die Leute haben schlicht Spaß. Das hier ist kein Exorzismus böser Geister, keine Katharsis der musikalischen Brutalität, sondern eine Party. Cool. Und der Rausschmeißer heißt ‘ Paradise City’. Noch Fragen?

Setlist Slash

Halo
Nightrain (Guns N’Roses)
Ghost
Standing in the Sun
Back From Cali
Been There Lately (Slash’s Snakepit)
Civil War (Guns N‘ Roses)
Rocket Queen (Guns N‘ Roses)
No More Heroes
Shots Fired
Doctor Alibi (Gesang: Todd Kerns)
You’re Crazy (Guns N’Roses) (Gesang: Todd Kerns)
Not for Me
Starlight
Blues Jam
Anastasia
You’re a Lie
Sweet Child O‘ Mine (Guns N’Roses)
Slither (Velvet Revolver)
Zugabe:
By the Sword
Paradise City (Guns N’Roses)

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