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Baroness-Interview: Schmetterlinge im Bauch

Aus METAL HAMMER-Ausgabe 08/2012

Müssen atmosphärische Dichte und eklektische Eruptionen unter emotional eindringlicheren, klaren Kompositionen leiden? Keineswegs. Das beweisen die Slugde- bzw. Prog-Metaller von BARONESS mit YELLOW & GREEN – einem ­ambitionierten Doppelalbum, das meilenweit davon entfernt ist, in die Füllerfalle zu tappen. Bereit zur Metamorphose?

Strukturell entschlackter und von grollendem Geröll zugunsten erhöhter Zugänglichkeit weitgehend gelöst, so präsentieren sich die einstig progressiven Sludger auf ihrem dritten Langspieler. Mit weit ausgestreckten Stilfühlern, die neben immer schon vorhandenen klassischen Rock-Wurzeln nun auch in den Alternative-Bereich und ur­amerikanische Folklorismen vorstoßen und gar Indie-Insignien streifen, haben Baroness ihr Evolutionsverständnis ein ganzes Stück weiter vorangetrieben.

Auch personell ist bei der Band nicht mehr alles beim Alten: Gründungsbassist Summer Welch entschied sich für den Rückzug vom ausufernden Tour- ins Privatleben, weshalb Sänger, Gitarrist, Bandkopf und Cover-Künstler John Dyer Baizley im Studio nun also auch noch am Viersaiter seine Vielseitigkeit unter Beweis stellte. „Ich habe die instrumentalen Grundlagen der Basslinien sowieso schon immer geschrieben. Summer hat sie dann adaptiert und sein Ding daraus gemacht. Insofern hatte ich für die Demos ohnehin schon ein paar Bassspuren eingespielt und musste sie dann im Studio nur noch perfektionieren”, verrät der Frontmann und widerlegt zugleich die Vermutung, dass die Soundveränderung besetzungstechnisch mitbegründet werden kann.

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Das Album ist also ein einheitliches Gesamtbild, das dennoch ironischerweise gar kein konzeptuelles Korsett braucht. „Zunächst hatten wir tatsächlich vor, ein Kontrastkonzept zu verfolgen: Eine harte, schwere Scheibe und eine leichtere zu machen. Aber als wir das dann im Kopf durchgespielt haben, gefiel es mir nicht mehr, weil es zu eindeutig und vorhersehbar gewesen wäre. Es wäre wie ein Gimmick rübergekommen. Wenn man ein Doppelalbum macht, muss man vorsichtig sein, nicht in diese effekthascherischen Sphären abzudriften. Metaphorisch gesprochen: Anstatt eine weiße und eine schwarze Scheibe zu machen, haben wir uns lieber dafür entschieden, eine graue Einheit mit fließenden Übergängen zu erschaffen. Das war eine dramaturgische und dynamische Entscheidung.“

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Vorhersehbaren Einheitsbrei gibt es dieser Tage mehr als genug, und der vordergründige Heißhunger allein nach Härte ohne Nähr- und Mehrwert kann schnell an jeder Ecke gestillt werden. „Wir denken, dass die Leute eine intelligente Band wollen, die spannende und künstlerisch herausfordernde Ideen präsentiert. Wir haben keine Intention, irgendeiner Clique, Szene oder einem Trend zugehören zu müssen. Wir wollen nur gute Musik machen. Oder zumindest Musik, die wir für gut halten“, fasst John zusammen. „Die Schlüsselfrage bleibt für mich immer: Würde ich mir das selber gerne anhören? Wenn ich das mit ’Ja!’ beantworten kann, dann bin ich vollends zufrieden.“ Und genau das kann man mit diesem unprätentiösen, universellen Doppelschlag auch sein.

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Mehr von Baroness und dem aktuellen Album YELLOW & GREEN könnt ihr in unserer August-Ausgabe lesen.

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Editorial zur August-Ausgabe: Worte vom Chef

Goldene Götter

Die METAL HAMMER Awards 2012 werfen schon jetzt ihren mächtigen Schatten auf den Metal-Sommer. In England ging bereits die Post ab, und wir wollen mitziehen!

Tags: August 2012 / Editorial / Golden Gods / METAL HAMMER Awards

Album des Monats: Baroness YELLOW & GREEN

Soundcheck-Countdown im August 2012

Wer wird Album des Monats in unserer August-Ausgabe 2012? Unser Countdown verrät es euch. Rush und Testament unterliegen Baroness.

Baroness - Blue Record 6 Stars

6 Sonswritina6 Sounds HörspaB6c 5.66 (12 Songs 1 44:25 Min.) VÖ: BEREITS ERSCHIENEN
Seit ihrem Debüt, dem RED ALBUM, gelten Baroness aus Georgia als die größte Hoffnung des ewig mutierenden amerikanischen Sludge-Untergrunds. Auf ihrem selbstbewusst BLUE RECORD (nach den legendären Beatles-Best-Of-Teilen, dem roten und dem blauen Album) getauften Zweitling machen sie das, was angemessen ist: wenig Experimente, bessere, weil noch sorgfältiger inszenierte Songs. Die US-Kollegen rufen allmählich schon die nächsten Mastodon aus, ein Vergleich, den man vor allem als leicht boshafte Spitze gegen CRACK THE SKYE werten darf. Denn ungefähr da - im Spannungsfeld zwischen Prag, Sludge und reiner Riff-Herrlichkeit- liegen Baroness. Hit-Singles werdet ihr auf diesem Teil nicht finden, dafür intelligent gesponnene, großzügig mäandernde Gitarren und vetrackte Grooves, die eine vibrierende Spannung aufrecht erhalten, wenn sie nicht für einen der seltenen Nackenbrechermomente eingespannt werden. Ganz...

Tags: Baroness / Sludge

Baroness - The Red Album 3 Stars

Ohm, Relapse Records? Das Label, das man normalerweise mit Krach in Verbindung bringt? Tatsächlich: Relapse veröffentlichen eine Band, die man sich auch als "normaler" Hörer antun kann. Okay, der Sänger klingt teilweise ein bisschen nach Death Metal, aber die Musik ist dicker, fetter Rock mit Metal-Einschlag. Klingt im ersten Moment gut, ja, ist es aber leider nicht, denn die Herrschaften aus Savannah, Georgia, vergessen vor lauter Posing, speckigen Jeans und langen Haaren das Wichtigste: Songs zu schreiben! Vor allem das unnötige Gitarrengefrickel erstickt oft jeden guten Ansatz im Keim, und so gurken die meisten Nummern an Ohr und Herz vorbei. Klar, das soll innovativ und progressiv sein, aber wenn man noch starres, viel zu eindimensionales Geröhre wie das von John Baizley drüberlegt, gewinnt die Eintönigkeit endgültig die Oberhand. Zugegeben: Einige Instrumental-Parts erzeugen durchaus Atmosphäre, aber das große Ganze stimmt einfach nicht, weil es wie ein wahllos zusammengewürfelte...

Tags: Baroness / Death Metal

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