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von Wolfgang Kuhn
Foto:
Roadburn Festial 2010 (c) M. Born
Nachtmystium
Vom Cover glotzt eine morphiumgeschädigte Mumie, aus den Boxen wummert ein pechschwarzer Drogenrausch und das Album selbst nennt sich ADDICTS: BLACK MEDDLE PT: II. Nein, man kann nicht davon ausgehen, dass sich die Amerikaner Nachtmystium während der Arbeit an ihrem aktuellen Longplayer nur von Biomüsli und Obst ernährt haben. Überraschenderweise verweist Chefdenker und –lenker Blake Judd die vermutete Studioorgie ins Reich der Phantasie: „Ehrlich gesagt waren diesmal – abgesehen von Alkohol – überhaupt keine Drogen im Spiel. Wir wollten uns wirklich auf die Musik konzentrieren und haben deshalb auf diverse Abstürze verzichtet.“ Aha. Dann sind die Herren wohl Naturrauschkugeln, denn das Album selbst klingt alles andere als clean – als hätten sich Killing Joke und Ministry bei einer Überdosis Darkthrone die Kante gegeben. „Damit triffst du den Nagel auf den Kopf. Killing Joke und Ministry sind sowieso meine Lieblings-Bands, und die ersten vier Darkrhrone-Alben sind zeitlose Klassiker, die Nachtmystium vom ersten Tag an beeinflusst haben. Dieser Einfluss wird als Basis auch immer Teil unserer Arbeit sein, auch wenn ADDICTS für sich genommen ein pures Rock Album ist.“
Doch einfach machen es Nachtmystium ihren Hörern nicht: Das Album prescht mit ‘High on Hate’, einem eher traditionellen Black Metal-Brecher los, nur um die Old School-Fans mit den beiden experimentellsten Tracks ‘Nightfall’ und vor allem ‘No Funeral’ vor den Kopf zu stoßen: „Wir wollten das Album so unberechenbar wie möglich gestalten. Als Fan hätte ich nach unserem letzten Album ASSASSINS keinen Opener wie ‘High On Hate’ erwartet. Aber wir wollten deutlich machen, wo unsere Roots liegen und dass wir immer noch ein ordentliches Black Metal-Feuer entfachen können – wenn wir wollen.“ Und oftmals wollen sie heutzutage eben nicht. ‘No Funeral’ mit seinem stumpfen Discobeat und dem abgefuckten Synthie-Sound fällt hier am deutlichsten aus dem Rahmen: „Ich bin mir zwar nicht sicher, ob das die zukünftige Marschrichtung von Nachtmystium ist, aber es wird definitiv weitere elektronische Experimente von uns geben.“
Deutliche Fortschritte hat es auch bei den Vocals gegeben, die zwar harsch und räudig klingen, gleichzeitig aber auch klar verständlich: „Ja, es war uns wichtig, dass man jedes Wort verstehen kann, denn die Texte erzählen in Kombination mit dem Artwork eine Geschichte. Außerdem höre ich mir persönlich lieber Musik an, bei der man die Texte auch verstehen kann.“ Und weil wir schon dabei sind: Was hat es eigentlich mit dem Albumzusatz BLACK MEDDLE auf sich? „Das ist eine Referenz an Pink Floyd’s MEDDLE Album. Das Wort bezieht sich auf die Vermischung essenzieller Dinge, und das ist genau das, was wir machen: Wir vermischen die Basis des Black Metal mit frischen Elementen und erschaffen etwas Neues aus etwas Altem. Es wird allerdings nur zwei MEDDLE Alben geben, die nächste Scheibe wird etwas komplett anderes und eigenständiges werden.“ Es bleibt also spannend – sofern die Herren nicht enden wie die eingangs erwähnte Coverfigur – die morphiumgeschädigte Mumie.
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