- 15. Mai 2009
von Tobias Gerber
Features
Arkaea: Interview mit Christian Olde Wolbers (ex. Fear Factory)
Warum stillstehen, wenn man auch rennen kann, fragte sich Christian Olde Wolbers, als mit Fear Factory plötzlich nichts mehr ging. Mit Arkaea erlebt er jetzt einen zweiten Frühling – während gleichzeitig in Sachen Fear Factory ein juristischer Streit entbrannt ist.
Im Hause Fear Factory ging nach dem letzten Album TRANSGRESSION (2005) plötzlich nichts mehr, obwohl von Bassist Christian Olde Wolbers und Schlagzeuger Raymond Herrera schon neue Songs geschrieben wurden. Wie immer hatten die beiden aber Hummeln im Arsch und entschieden sich irgendwann, nicht länger zu warten, sondern eine neue Tür für die Songs zu öffnen: Arkaea. „Raymond und ich haben so viele Projekte am laufen, wir können einfach nicht stillsitzen und warten,“ erzählt ein frisch klingender Christian Olde Wolbers. Er scheint tatsächlich ein ganzes Hummelhochhaus in seinem Allerwertesten durch die Gegend zu tragen, denn er ist immer unterwegs. „Ich habe Arkaea, produziere Alben, bin Teilhaber einer in den USA ziemlich erfolgreichen T-Shirt-Firma und spiele professionell Fußball. Allein dafür trainiere ich bis zu fünf Mal pro Woche – wie soll ich da rumsitzen und warten, dass die Beiden mit ihren Projekten fertig werden, damit endlich was mit meinen Songs passieren kann?“
‚Die Beiden’ sind Sänger Burton C. Bell, der lieber an seinem Projekt Ascension Of The Watchers schrauben wollte, und Gitarrist Dino Cazares, der Divine Heresy gründete. Beide meldeten sich einfach nicht mehr bei ihren Kollegen Olde Wolbers und Herrera, die sich daraufhin die beiden Threat Signal Musiker Jon Howard (Gesang) und Pat Kavanaugh (Bass) schnappten, um am Debüt von Arkaea zu arbeiten. Das hört auf den Namen YEARS IN THE DARKNESS und klingt erwartungsgemäß wie eine Mischung aus Fear Factory und Threat Signal, die ihrerseits schon in Richtung Fear Factory gingen. Alles kein Problem, findet der Arkaea-Gitarrist, denn einerseits erwarten ja einige Fans auch diesen Sound, zum anderen singe Jon Howard ja anders, als bei Threat Signal.
Jon Howard, der Jungspund aus Kanada, ist es dann auch, der für die finsteren Inhalte von YEARS IN THE DARKNESS zuständig ist, während sich Christian Olde Wolbers mehr um die Musik kümmert. Titel wie ‘Black Ocean’ oder ‘Away From The Sun’ hätten aber auch gar nicht zur stets lachenden Frohnatur Olde Wolbers gepasst. „Ich hab keine Ahnung, wovon die Songs handeln. Manchmal frage ich Pat und er kommt mit Kram wie ‚na ja, weißt schon, Zeug halt’ um die Ecke. Nur ein Mal erklärte er mir wirklich, worum ein Song ging. Das war wirklich beängstigend. Danach war ich ganz froh, nicht zu genau bescheid zu wissen,“ lacht der Gitarrist gleich wieder.
Aber merkt man da schon den Generationen-Unterschied zwischen den beiden Arkaea-Parteien? Immerhin sind die ehemaligen Fear Factory Musiker gut Mitte 30, während die Threat Signals Anfang 20 sind. „Eigentlich sind wir ziemlich nah beieinander. In meinem Leben geht alles nur um meine Projekte und um Musik – ich benehme mich eigentlich immer noch wie Mitte 20. Wir passen also gut zusammen und sind mittlerweile auch zu einer Band-Einheit zusammengewachsen.“
Während Fans in Deutschland noch bis zum 17. Juli 2009 warten müssen, bevor YEARS IN THE DARKNESS erscheint, haben Arkaea schon jetzt viele neue Songs im Kopf, die das Debüt natürlich weit in den Schatten stellen sollen. „Der Album-Opener ‘Locust’ war der letzte Song, den wir schrieben und er zeigt, in welche Richtung das nächste Album gehen wird. Wir hätten natürlich noch mehr neue Songs schreiben können, anstatt meine Fear Factory Ideen mit zu benutzen, aber nach zwei Jahren sollte YEARS IN THE DARKNESS auch irgendwann mal erscheinen.“
Warten wir also ab, was von Arkaea noch zu hören sein wird. Dass Christian Olde Wolbers und Raymond Herrera nämlich doch noch Teil der aktuellen Fear Factory Reunion werden, darf als unwahrscheinlich gelten. Sie wurden gar nicht erst gefragt und haben jetzt einen Rechtsstreit angestrengt, der final regeln soll, ob Burton C. Bell und Dino Cazares überhaupt als Fear Factory agieren dürfen.
Da ist es doch viel wahrscheinlicher, dass Arkaea ihre (noch immer) jugendliche Energie für ein zweites Album nutzen. Auch wenn es vorher erstmal auf Tour geht – Gespräche gibt es u.a. für den Support-Slot einer Europa-Tour mit Anthrax. Aber das ist leider noch nicht sicher…
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