- 15. Dez 2011
von Tobias Gerber
Meinung
Redaktionsmeinung zur Rammstein-Show in der o2-Arena
Augenzwinkernd böse
Rammstein spielten am 14.12.2011 erneut in der ausverkauften o2-Arena ihrer Berliner Heimat. Die METAL HAMMER-Redaktion war vor Ort und sagt seine Meinung.
Die „Liebe ist für alle da“-Tour zeigte Rammstein noch wie gewohnt: groß, hart, ernst und finster. Die aktuelle Tour zum Best-Of-Album MADE IN GERMANY zeichnet ein anderes Bild: Rammstein genießen ihre Show ganz offensichtlich, parodieren sich zuweilen selber, inszenieren ihre eigene Geschichte nicht nur, sondern zwinkern ihr ganz offensiv zu.
Der METAL HAMMER war in Mannschaftsstärke vor Ort und genoss den Abend – fast komplett:
Thorsten Zahn:
Rammstein zeigten sich beim dritten Konzert vor heimischer Kulisse in Berlin in Bestform. Ein Hit reihte sich an den nächsten, so dass man Schwierigkeiten hatte, in vorher gut überlegten Pausen Bier zu holen. Auch Westbam gefiel es, zumindest zeigte er eine Reihe hinter mir Skills beim Headbangen!
Christof Leim:
Natürlich war das fett. Fettest. Dicke Show, alleine der Einmarsch. Ganz großes Kino, selbst wenn die Band selber doch rumpelig klang anfangs. Als die Herren dann aber auf der Minibühne in der Mitte der Halle standen, kam Leben ins Spiel. Für die gesamte Distanz begeistert mich persönlich das Songmaterial zu wenig, aber das fällt wohl unter Geschmackssache. Alles in allem also: Dicke Show, keine Frage. Die Deathstars allerdings gehen gar nicht.
Jakob Kranz:
Die Show ist gigantisch, die Setliste besteht aus dem Best Of-Konsens, hier war für alle was dabei. Trotzdem: so richtig übergekocht ist der Laden nicht. Das liegt zum einen an der sterilen Atmosphäre in der Mehrzweck-Unterhaltungshalle, in der etliche "Fans" während der Show im Sitzen (!) lieber Videos mitschneiden anstatt auszurasten, während auch noch der überteuerte Plastikbecher wie eine Trophäe verteidigt werden will. Zum anderen konnte auch die größte Explosion nicht über Löcher und Verspieler seitens der Musiker hinwegtrösten. Nach zwanzig Minuten taute die Band zwar auf, und die aus der Mitte des Publikums gespielten ‘Bück Dich’, ‘Mann gegen Mann’ sowie ‘Ohne Dich’ zählten wegen der minimalistischen Performance auf einer knapp fünf mal fünf Meter kleinen Bühne zu den Höhepunkten. Doch als Rammstein-Fan der allerersten Stunde hätten zumindest mir weniger Firlefanz, dafür mehr energische Eruption besser gefallen.
Tobias Gerber:
Ich mag Comedy und ich mag Rammstein. Ich mag keine Comedy über Rammstein – außer sie machen diese selber. Und das haben sie! Die Setlist war natürlich Best-Of, damit aber ziemlich anders, als während der letzten Tour. Angenehm. Und ich habe selten so herzlich gelacht, wie an diesem Abend – und das ist als Kompliment zu verstehen. Denn ich glaube, mit der Band gelacht zu haben, die eine herzlich gute Zeit hatte. Verspieler waren drin, die böse Perfektion älterer Shows nur in Maßen dominant, aber der ganze Abend ein riesiger Spaß aus Hits, Riffs und mal wieder einer Neu-Erfindung des Rammstein-Selbst, obwohl vornehmlich die eigene Vergangenheit besucht wurde. Groß!
Sebastian Kessler:
Rammstein, Rammstein über alles! Die Pyromanen haben mal wieder bewiesen, dass sie die größte, spektakulärste, mutigste und beste deutsche Band sind. Trotz alle Oppulenz und Show waren Rammstein Fan-nah und selbstironisch wie nie. Ein großer Spaß für die ganze Familie, wie man am Publikum sehen konnte.
Vincent Grundke (seine erste Rammstein-Show überhaupt):
HAMMER!!! Grandiose Unterhaltung! Leider waren die Deathstars, die Halle und das Publikum ein reiner Energiesauger. Höhepunkt war für mich ‘Mein Herz brennt', weil ich das als 13-jähriger Stüppi im ersten Ferienlager rauf und runter gehört hab' - gooood times!
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Kommentare (5)
Wessen Meinung?
Tagchen!
'Die Redaktion sagt seine Meinung' …
Wessen Meinung sagt die Redaktion? ;-)
von Irritus am 15. Dezember 2011 12:24 Uhr Melden
Gemischte Gefühle
ich war in Luxemburg am Start. Die Begeisterung kann ich leider nicht teilen, ok ich bin auch nicht der riesen Rammstein fan, war es früher aber mal und zur Best of Tour nach 9 Jahren bin ich mal wieder auf das Konzert gefahren. Die Show war natürlich wie gewohnt sehr gut gemacht, vorallem die kleine Bühne war ein Highlight. Jedoch muss ich als Konzertbesucher immer das Gesamtpaket beurteilen. Dies hängt natürlich auch vom Publikum ab, das natürlich extrem Mainstreamlastig ist. Als purer Metalfan bin ich natürlich umgänglicheres und emotionaleres Publikum gewöhnt. Ich war zwar nicht in Berlin, aber ich behaupte mal die Sterile Stimmung lag nicht an der Halle sondern am Publikum ;-)
Da geht echt garnix, das war aber schon vor 9 jahren so. Schlägerei neben mir, zumindest wütendes gerange weil manche einen Pit starten wollten. das mag halt der Radiohöhrer nicht *g* Keinerlei gebange. und extrem schlimm, Leute BITTE packt eure handys / smartphone mit riesen bildschirmen ein. gegen ein Erinnerungsfoto hat ja keiner was, aber wenn hier 500 leute die dinger pausenlos (!) hoch halten, das nervt wie sau und raubt auch den Blick auf die Bühne, Mutter z.b. konnte ich nur über ein Display sehen (!!) Es wurde genörgelt wenn sich welche vorgedrängelt haben (ok verständlich) aber auch wenn welche aus der Halle raus wollten! Sowas hab ich in den letzten Jahren noch nicht erlebt.
Zurück zur Band, Fannah hab ich Rammstein noch nie gesehen und auch diesmal nicht erlebt, keine Worte zwischendurch, ob die Lachen oder nicht erkenne ich nicht auf die Distanz. es war halt wie immer alles 100% geplant, jeder Schritt, jede Aktion. Das sind keine Emotionen, dann lieber weniger Feuerwerk.
Ich bin dann im Endeffekt beim vorletzten Lied raus das ich mir wenigstens den Stau erspare.
Für mich war es das letzte Rammstein Konzert, ich gehe lieber weiterhin zu Metalbands die auch eher die Metalanhänger nur anlockt *g* - siehe z.B. Machine Head. Viellicht bin ich auch nur alt und verbohrt geworden, aber so ist das nun mal *g* ich stand aber nicht alleine mit der Meinung. so mein Konzerterlebnis.
von Wotan am 15. Dezember 2011 13:49 Uhr Melden
GENAU!!
Ich kann Kadda da nur zustimmen!!! Ich war in Düsseldorf und mir sind die "Sicherheitsleute" auch mächtig auf die Nerven gegangen!!!
An jedem Aufgang stand so ein Fuzzi und beobachtete die Zuschauer während des gesamten Konzertes.
Sich in der Pause, auf einer Stehtribüne, zu setzen wird mit Rauswurf bedroht.
Über eine gelbe Markierung zu treten wird mit Rauswurf bedroht und das Rauchen einer Zigarette natürlich auch. (Obwohl Rammstein die ganze Halle einnebeln).
OK wahrscheinlich lebe ich zu sehr in der Vergangenheit da ich schon seit 25 Jahren zu Konzerten gehe aber hier kam ich mir vor wie in einem totalitären System das mit Rock ’n’ Roll nichts zu tun hat.
Fazit: Die Darbietung von Rammstein war unglaublich gut, aber die Randbedingungen sind für mich unerträglich geworden und nehmen mir jeglichen Spaß an solch einer Veranstaltung.
PS: Ein Bier für 5 € ist auch einfach nicht mehr zu akzeptieren
von Angus am 16. Dezember 2011 12:37 Uhr Melden
Mainstream
Hey Leute,
ich war in Frankfurt bei Rammstein, die Show war aller erste Sahne. Aber ich muss anderen Kommentaren bezüglich der Rammstein Fans Recht geben. Nur einzelne haben richtig gefeiert, der Rest war mit Videodreh beschäftigt, was mal verdammt nervig war, wenn man etwas weiter hinten stand. Können die nicht einfach die geile Show genießen? Die Qualität der Videos ist zumal so schlecht, dass man sie später auch nicht gerne anschauen mag, wer mir nicht glaubt, einfach mal auf youtube vorbei schauen, da sieht man die schlechten Aufnahmen, wo gewisse Leute um die 80€ für zahlen. Hätten sie das Konzert genossen, und sich später die DVD gekauft, hätten alle mehr von gehabt.
In diesem Sinne
Waidmanns Heil
von MasterKey am 16. Dezember 2011 12:38 Uhr Melden
XXS
Den vorangegangenen Kommentaren kann auch ich nur zustimmen. Die Show war toll, das Publikum (überwiegend) nervig. Hinter uns saßen Leute, die bestanden tatsächlich darauf, dass alle vor Ihnen ebenfalls sitzen bleiben. Das hat natürlich keiner getan. Also, wer bei einem Rammsteinkonzert nichts besseres weiß, als zu filmen, pausenlos hinaus zu rennen für neues Bier, der hat hier nichts verloren. Das war ja nun unser erstes Rammsteinkonzert, einfach weil wir es immer verdaddelt hatten rechtzeitig nach Tickets zu fahnden. Die Musik kennen wir aber recht gut und waren fest überzeugt, dass der ganze Saal kocht und hier keiner sitzen bleibt.
Na ja, vielleicht wird beim nächsten mal alles wieder gut!
von tonicum am 20. Dezember 2011 09:40 Uhr Melden