Stephan Weidner veröffentlichte jetzt ein ausführliches
Statement und richtet seine Worte gezielt an Jennifer Rostock. Diese hatte
zuvor verlauten lassen, keine Fans dieser “fragwürdigen“ Bands mehr auf ihren
Konzerten sehen zu wollen und sorgte in diesem Zusammenhang mit ihren “Nazis
Raus”-Appellen für Furore. Die Kollegen vom Musikexpress berichteten darüber.
Frei.Wild äußerten sich bisher nicht zu der
Verbalattacke.
Die komplette Stellungnahme des ehemaligen Böhse
Onkelz-Chefs lest ihr hier:
“Jennifer Rostock,
was
ist denn da in euch gefahren? Ihr schmeißt Leute in Onkelz-Shirts aus euren
Konzerten und brüllt ihnen ein virtuelles “NAZIS RAUS!” hinterher? Und sprecht
an anderer Stelle noch vom “Bodensatz des Internets”? Normalerweise halten wir
es mit der Eiche, die es nicht stört, wenn sich die Sau an ihr reibt. Wir waren
und sind zu groß, als dass uns das betroffen machen könnte, auch wenn es auch
im achten Jahr nach Bandende immer noch keinen Spaß macht, als Nazi
abgestempelt zu werden. Ihr aber schickt mit euren Statements gleich viele
Hunderttausende auf den Marsch nach Rechts und in die Asozialität – da hört die
Gelassenheit auf. Unsere Fans haben sowieso keine Lobby und das liegt vor allen
Dingen daran, was wir vor inzwischen 30 Jahren mal gesagt und gedacht haben
sollen. Ich bin mir natürlich klar darüber, dass der Fascho-Onkelzfan keine
Erfindung der AntiFa ist. Aber den meint ihr nicht, der kommt nicht zu euch.
Wir haben mehr als 20 Jahre darauf verwendet, diesen Leuten in unseren Liedern,
An- und Aussagen und durch diverse Aktionen klar zu machen, dass sie falsch
denken. Das ist uns in tausenden von Fällen gelungen, auch wenn es “da draußen”
niemand hören möchte.
Ich
würde behaupten – aus voller Überzeugung – , dass ich, dass alle meine
Onkelz-Kollegen und unsere Fans mehr effektiv gegen Rechts getan haben, als ihr
es jemals schaffen werdet. Das hört man nicht gern, ich weiß. Es ist eure und
unsere Aufgabe als Musiker und Texter, die von tausenden jungen Menschen
buchstäblich angehört werden, wichtige Werte zu vermitteln. Werte wie Toleranz,
das Selbstvertrauen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und vieles mehr.
Das lernen junge Menschen seltener von Eltern und Lehrern, als von den Bands,
die sie lieben. Ich weiß es, so war es bei mir auch. Ihr werft nun junge
Menschen in Onkelz-Shirts aus der Halle. Was habt ihr denn für eine
Vorstellung, was das für Leute sind? Kein unrettbar verlorener
Überzeugungsfascho geht doch zu einem Konzert von euch. Im besten Falle seid
ihr einen Fan los, im schlechtesten Falle beschert ihr einem Jungen das
Schlüsselerlebnis der Ablehnung, das ihn den Braunen in die Arme treibt. Wenn
du als ideologisch nicht gefestigter Fünfzehnjähriger nur oft genug hörst, dass
du bei den “Guten” nicht erwünscht bist, dann gehst du irgendwann dahin, wo du
es doch bist. Und bleibst auch da, obwohl du kein Überzeugungstäter bist, sondern
willkommener Gelegenheitsmitläufer, der sich von ein bisschen Kickern im
Braunen Jugendzentrum schon zu einer politischen Überzeugung verleiten lässt.
So schafft man eine braune Schwungmasse. Glaubt mir, ich weiß wovon ich
spreche, denn wir hatten und haben Kontakt mit solchen Jugendlichen. In den
meisten Fällen reicht hier das offene Wort und das persönliche Vorbild, um sie
ganz schnell den Fängen der Rechten zu entreißen.
Ihr
könnt euch hundertmal medienwirksam gegen Nazis engagieren – das kostet kein Geld,
tut nicht weh und bringt gute Presse, ich weiß – aber eure persönliche
Anti-Fascho-Bilanz wird am Ende des Tages negativ ausfallen. Denn was bringt
es, in einem nazifreien Raum “Nazis raus” zu brüllen? Außer dem guten Gefühl,
das Richtige zu tun, und den sicheren, leicht verdienten Beifall der eigenen
Claqueure? Nichts, genau. Eure Verantwortung hört nicht am Ende der
Autogrammstunde am “Laut gegen Nazis”-Stand auf – noch ein letztes Bild für die
Lokalpresse, klick – sondern fängt da erst an. Ihr könnt euch doch nicht
massenwirksam gegen Rechts und für alles andere positionieren und dann, wenn
die Kameras weg sind und es mal tatsächlich wichtig und konfrontativ wird,
sagen “Ach ne, doch nicht”. Ein “gedrehter” 15-Jähriger ist mehr wert als 2000
Wohlwissende, die sich am “Kein Bock auf Nazis”-Stand Handtäschchen,
Handyschalen und ihren guten Geschmack unterschreiben lassen wollen. Sich gegen
Rechts zu positionieren ist nie verschwendete Energie, aber man muss es auch
ernst meinen, wenn niemand mehr zuschaut. Habt ihr so wenig Vertrauen in euer
Publikum, eure Texte, eure Strahlkraft? Seid ihr nicht irgendwie auch Punks?
Oder ist das alles doch nur Image? Verdammt, fangt an, eure Verantwortung wahr
zu nehmen.
Stephan
Weidner
P.S.:
Wenn ihr wüsstet, wie viele gemeinsame Bekannte wir haben und wer alles Onkelz
hörte oder hört – dann würdet ihr kotzen vor Scham. Es wäre spannend, ob ihr
denen das “NAZIS RAUS!” auch so engagiert ins Gesicht brüllen würdet.“
Was haltet ihr von Weidners Stellungnahme? Sagt es
uns in den Kommentaren, auf Facebook,
Google+ oder Twitter!
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Kommentare (7)
Autsch
Da ich weder beim Gesichtsbuch, Zwitscher oder Gockel mitmache, schreibe ich hier mal auf, was ich so über die Aktion denke:
1.) Fast jeder Ostdeutsche kennt Nazis oder hat sie in seinem / ihrem Bekanntenkreis. Persönliche Beobachtung über all die Jahre bei Bekannten und Kollegen. Entweder sind sie selber mit rechtem Gedankengut infiziert oder geben sich mit Leuten ab, die so drauf sind.
2.) Jennifer Rostock werden nie in die Liga vorstoßen, in der die Böhsen Onkelz waren. Nie, egal was sie auch veranstalten. Das Mädel ist viel zu ungeil mit ihren Tattoos, die Mucke ist zu mädchenhaft und eigentlich nur möchtegern-pseudointellektueller Kindergarten-Punk.
3.) die haben wie viele Ossis die ich kenne ein Ost-Problem, denn die wirklich wichtigen Band kamen und kommen aus dem Westen. OK, da gibt es Rammstein, In Extremo, Subway To Sally, Tokyo Hotel usw., aber die meisten Fans haben diese Bands unter Ossis, was wiederum dazu führt, daß sie nicht soviel verkaufen wie westdeutsche Bands.
4.) ich bin nicht Rechts, sondern eher links eingestellt, naja, eher Mitte-Links. Ich lebe nach dem Motto, leben und leben lassen, aber was ich so gar nicht abkann, dann sind es Leute, die sich über andere profilieren wollen. Mein Liebslings-Ost-Kollege ist auch so einer.Eine absolute Petze, rennt wegen jedem Scheiss zur Geschäftsführung, hat aber nicht die Eier, zu seinen eigenen Fehlern zu stehen. Da zieht er den Schwanz ein und bekommt kein Wort raus. Noch so ein Ost-Phänomen. Naja, gelernt ist gelernt, die Ossis wurden ja zu Denunzianten erzogen, das zieht sich durch bis heute, und genauso verhält sich diese Band. Mit dem Finger auf vermeintliche Nazis zeigen, aber höchstwahrscheinlich selber Leute im Bekanntenkreis haben, die genau das sind.
5.) Mir ist die Band an sich egal, hatte mal das eine und andere Lied als Video gesehen, aber im Gegensatz zu den alten und mittleren Phasen der Hosen, Onkelz, Ärzten, Freiwild und Broilers fehlt mir da der Rock´N´Roll. Das ist mir zu angepasst, zu lasch, das ist wie ein Ferrari mit einem Motor vom Fiat 500: optisch hart und krawallig, aber was an Sound und Geschwindigkeit rauskommt ist das genaue Gegenteil.
Ja, ich höre alle diese genannten Bands, zu was macht mich das?
6.) Stefan Weidner hat Recht, denn auch wenn ich nie Gefahr gelaufen bin, den rechten Spinnern in die Arme zu laufen, so haben seine Bands mehr Überzeugsarbeit geleistet als die Band mit der Frau am Mikro. Das ist noch so etwas, was mir sauer aufstößt. Laut gegen Nazis sind solche Gestalten nur da, wo eh keine Nazis anzutreffen sind, also auf Konzerten von Silbermond, Juli, Tokyo Hotel, Subway To Sally und auf ihren Konzerten. Aber da, wo sie mal das Maul aufmachen müssten, halten sie lieber den Rand. Warum? Weil das da keiner mitbekommt, daß sie ja so engagiert gegen die rechten Spackos sind. Ich sage laut im Büro, was ich über Nazis und deren Verhalten heute und früher halte, auuch wen der eine und andere Kollege das nicht gern hört.
von Kuddelnator am 04. Februar 2013 19:14 Uhr Melden
Richtig so!
Weidner hat mich jedem einzelnen Wort mehr als recht! Dass die Onkelz- und Frei.Wild Fans (zu denen ich mich auch zähle) empört über Jennifer Rostock waren ist auch verständlich. Was allerdings gar nicht geht, waren teilweise die Kommentare dieser sogenannten Fans. Von billigen Songtext-Zeilen, die zu tausenden geschrieben worden sind mal abgesehen. Aber den Fans und der Band mit Schläge, Kinnladen zerstören und Vergasung zu drohen, ist falsch, dumm
von Steffen am 04. Februar 2013 19:14 Uhr Melden
y
bosshaftes statement
von rudi am 04. Februar 2013 19:14 Uhr Melden
gut gebrüllt...
er hat verdammt recht, musik hab ich von jennifer rostock schon lang nicht mehr gehört, nur noch erwähnte propaganda...
allerdings zu behaupten dass das was 30 jahren passiert ist verleumdende gerüchte sind ist irgendwie surreal...
von trompfgrorm am 04. Februar 2013 19:14 Uhr Melden
Fans
Der Weidner und seine ehmalige Band find ich persönlich nicht schlimm. Wenn ich jedoch die Kommentare ihrer und der Frei.Wild Fans auf der JR und der WFF -Seite lese, kann ich meist nur den Kopf schütteln und muss drüber lachen. Es gibt dort nämlich mehrere Leute, die nach Wochen immer noch den ganzen tag irgendwelche heißen Luft schreibe
von am 04. März 2013 10:08 Uhr Melden
So
wie man es von Weidner gewohnt ist. Auch mit Anstand und Respekt zu schreiben. Mit den Vorschlaegen die er Jennifer ROstock hinueberbringen will, ist er doch wieder eher eine Eiche die er vorerst erwaehnt hat. Mir gefallen Weidners Stellungnahmen, die mehr Substanz beinhalten als manch einem Kommentatoren hier, der wohl ein wenig das Thema verfehlt hat, mit der eigentlichen Stellungnahme zu Stephans Kommentar. Es ist ehrlich gesagt beschaemend zu lesen wie hier uber (Ost)Deutsche geschrieben wird. Der Kommentator, der mehr ueber Halbwissen verfuegt und Feindseeligkeiten gegenueber eigentlich gleichgesinnten Mitbuergern, hat warscheinlich immernoch nicht gelernt das die MAuer gefallen ist. Dazu muss ich sagen, dass Ich glecklicherweise mit Jahrgang 1989 so vernunftbegabt und weltoffen erzogen worden bin dass ich vom besagten Denunziantentum nichts begebracht bekommen habe, sondern Deutschland eher als eine Nation sehe. Gefaehrlich und traurig empfinde ich somit die Verpauschalisierung von Ost.... und alles was in dem gelesenen Kommentar mit dran haengt. Leider kann man nicht von jedem ein an seinem moralischen selbstwertgefuehl gemessenen Kommentar erwarten.Denn im Grunde genommen wurde bei ihrem Kommentar das gleiche vollzogen wie Jennifer Rostock mit dem Onkelz-T-Shirt tragendem Fan. SIe verallgemeinern die Charakteristik von MEnschen aus den ehemals sozialistisch gepraegten Bundeslaendern, was Heutzutage zu nennen, einfach mal ueberholt erscheint. Auch wenn ich wenig Hoffnung habe, bitte ich diese Sichtweise noch einmal zu ueberdenken.
von am 07. März 2013 10:03 Uhr Melden
Ja die liebe Verallgemeinerung
Stephan at its best.
Er bringt es wieder auf den Punkt. Einmal Braun (Skin), immer Braun(Skin).
Dass Musiker erlebtes in Lieder umsetzten ist gang und gebe. Sei es Erfahrungen mit Heroin
wie im Falle von Kevin, als auch Erlebnisse mit Walen, siehe "Baja" Instrumentalstück auf dem
Schwarzen Album. Ich glaub den Jungs wenn sie Sagen sie waren niemals Nazis, einfach weil Sie es in Ihren Songs rübergebracht haben. Von den Raufereien in "Kneipenterroristen" bis zum "Mexikanertum" in "Viva Los Tios". Meine Libe fing mit dem Album "Wir ham noch lange nicht genug" in der Lehre an, Auf Kassette kopiert erhielt ich besagtes Album und "Es ist Soweit" . Meine ersten Onkelz CDs hab ich dann mit "weiß" und "schwarz" in der Krabbelkiste erhalten und geliebt. Darunter sind Stücke wie "Deutschland im Herbst" über die Geschehnisse in Rostock-lichtenhagen, und "Schöne neue Welt" über den Neid und den Bürgerkrieg in Jugoslawien. Auch später noch auf so manchen onkelz Konzert konnte ich nur über das Polizeiaufgebot lachen. Selten wurden "rechte Stimmen" laut und ! NIE ! wurden sie erhört. Das haben sich nur alle erwünscht. Für mich waren sie Onkelz nie rechts, sondern nu5r ein Mittel um meinen Alltäglichen Frust in ruhigere gewässer zu bahnen.
Wer hatte nicht Streit in der Schule, dem Beruf oder der Partnerschaft. Hier haben einem die Onkelz und auch andere gezeigt, dass man/frau nicht mit seinen Problemen alleine ist.
Deshalb nochmal Danke an die Onkelz, Dass ihr mich in dieser Welt ohne Hass weitergebracht habt.
Piet Bringer
von Piet Bringer am 03. Mai 2013 09:39 Uhr Melden