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Youtube-Special – das bedeutet die Video-Plattform für Bands

Die GEMA und Youtube liegen im Clinch – das haben wir euch bereits berichtet. Was die GEMA für deutsche Bands bedeutet, erläuterte unser Special . Was nun die oft kontrovers diskutierte Video-Plattform Youtube für Musiker an Freud und Leid bringt, erklären euch Edguy, Heaven Shall Burn und Co.

Youtube ist die weltweit bekanntest Plattform für alles, was mit Videos zu tun hat. Hier stellen z.B. unzählige Bands ihre Video-Clips ein, um sie einer breiten Masse zugänglich zu machen, hier bringen Platten- und Promofirmen die visuellen Arbeiten ihrer Schützlinge unter, hier findet der Fan so gut wie jeden Song und jedes Video.



Doch dieser Promotion-Traum hat auch Schattenseiten. Die Bands bekommen kein Geld dafür, dass ihre Songs verfügbar sind. Sie haben außerdem wenig Kontrolle über das, was in ihrem Namen dort noch so passiert. Doch welcher Aspekt wiegt stärker in Zeiten, in denen Werbung mehr denn je Erfolg und Macht mit sich bringt?



Matthew Greywolf von Powerwolf hat ein lockeres Verhältnis zu Youtube. Seine Band postet selber Video-Clips, zeigt regelmäßig Ausschnitte aus Live-Shows und nutzt das Portal eben für Werbezwecke. Wenn plötzlich Fans mit Handy-Kameras Songs von Powerwolf-Konzerten online stellen, macht ihm das wenig aus:



„Handy-Mitschnitte sind Souvenirs von Konzerten, wir sehen das ähnlich wie Erinnerungsfotos. Meistens sind diese Mitschnitte allerdings qualitativ sehr schlecht. Ich persönlich sehe lieber gut gefilmte und geschnittene Clips, weil das einfach mehr Spaß macht, als ein verwackeltes, unscharfes Bild mit völlig übersteuertem Ton.“



Ähnlich sieht es sein Kollege Tobias Sammet von EdguyYoutube sei eine gute Werbesache, wenn auch mit schlechter Qualität. Was ihm allerdings kaum gefällt, ist der Kontrollverlust über z.B. etwaige Überraschungseffekte bei Shows:



„Es ist bescheuert, wenn die Fans am anderen Ende der Welt schon drei Monate vor einem Konzert wissen, wie die Bühne aussieht, wie die Setlist ist etc. Die Spannung ist dahin, alles ist gläsern und durchsichtig geworden. Wir leben in einer Welt der totalen Überwachung und Kontrolle, und Videohandys, bzw. das Internet mit Youtube tragen einen erheblichen Teil dazu bei. Wenn du heute in Argentinien eine Bühne zertrümmerst, kannst du sicher gehen, dass es morgen die halbe Szene gesehen hat. Big Brother is watching you!“



Das sei gar nicht mal das große Problem, heißt es hingegen aus dem Lager von Subway To Sally. Das eigentliche Übel, so Sänger Michael Bodenski, sind illegal im Netz gesaugte Alben, die jetzt mit einem Hintergrundbild versehen im Youtube-Stream jedem Nutzer zur Verfügung stehen. Er muss dazu nichtmal herausfinden, auf welchen versteckten Servern das Album vorher illegal zu finden war! Ansonsten sei Youtube toll – das demokratische Fernsehen der Zukunft:



Youtube ist das neue Fernsehen. Absolut demokratisch. Der Fan bestimmt das Programm. Wir hatten das Thema Video für uns komplett abgeschrieben. Jetzt müssen wir neu darüber nachdenken. Die fehlende Kontrolle ist der Preis, den wir zu zahlen haben.“



Nicht mehr wegzudenken ist Youtube aus dem Promo-Verständnis von Heaven Shall Burn, wie Maik Weichert ausführt. Es sei eines der wichtigsten Promo-Werkzeuge geworden, mit dem sich Heaven Shall Burn neue Fans erschließen. Außerdem können die Live-Videos der Fans zur eigenen Qualitätskontrolle eingesetzt werden:



„Ich finde das immer sehr interessant, nach einem Gig auf Youtube zu schauen und mir noch mal ein paar Eindrücke von der Show zu holen. Und sollte man wirklich mal ein Video sehen, dass einem nicht passt, reicht eine Mail an Youtube und sie löschen es. Wir haben schon viele Videos entfernen lassen, die z.B. rechtsradikale Inhalte zusammen mit unserer Musik transportieren wollten. Andererseits ist es nicht immer einfach, ethisch integer zu bleiben. Einmal wurde ein Video von einem Amokläufer hochgeladen, das mit unserer Musik unterlegt war. Da hast du an einem Tag hunderttausende Aufrufe – das hat natürlich einen enormen Werbeeffekt, aber so was ist nicht unsere Schiene, also haben wir das auch entfernen lassen.“



Mittlerweile, so Maik Weichert weiter, sind es die Youtube-Clicks und Myspace-Zahlen, die aussagen wie angesagt eine Band tatsächlich ist – nicht mehr die reinen Verkaufszahlen. Das war gestern. Für eine Band kann Youtube also kaum überbewertet werden, wie auch der Einschub von Michael Bodenski (Subway To Sally) zeigte: eigentlich war das Thema „Video“ durch für sie, wurde aber aufgrund der immensen Promo-Möglichkeiten erneut überdacht.



Was also, wenn tatsächlich auf Grund des Streites z.B. mit der GEMA Youtube sein Video-Angebot um die Clips von Bands bereinigen würde? An dieser Frage scheiden sich die Geister nach Art der Band extrem. Die Spannbreite reicht von relaxten Gefühlen bis zu echtem Verlust:



„Wir sind da nicht so stark betroffen, aber es bedeutet ganz klar den Verlust von Promotion.“

(Subway To Sally)



„So eine Entwicklung wäre für uns katastrophal. Unsere letzten beiden Videos wurden extra so produziert und gedreht, dass sie auf Youtube funktionieren und dort den maximalen Effekt haben – wenn wir heute ein Video drehen denken wir gar nicht mehr ans Musikfernsehen.“

(Heaven Shall Burn)



„Das wäre schade aber okay. Denn hier geht es nur darum, dass sich ein Online-Portal mit Werbeeinnahmen fett macht, weil sie Musik zur Verfügung stellen, in welche die Urheber viel Zeit und Geld investiert haben. So ein Verhalten kann man mit dem Werbe-Argument nicht rechtfertigen.“


(Edguy)



„Wir sind Verfechter von echten Live-Shows, nicht Streams. Die Leute sollen in die Hallen gehen, Spaß haben, sich austoben und eine gute Zeit haben. Wenn es in der Metal-Szene irgendwas gibt, was man noch nicht downloaden kann, das noch Wert hat und einmalig ist, dann sich das ehrliche Shows. Das ist Magie, die niemand nehmen kann.“

(Powerwolf)






Tobias Gerber





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Wir halten euch natürlich auch weiterhin auf dem Laufenden, wohin sich die Metal-Szene in Sachen Internet entwickelt, was es Neues gibt und was sich nicht durchsetzt!

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