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Knorkator Live Bericht

Knorkator 29.11.2008, Hamburg, Docks



Hamburg weint an diesem Abend. Knorkator, „Deutschlands meiste Band der Welt“, steht zum finalen Gastspiel auf der Reeperbahn bereit und das ist der drittletzte Knorkator-Gig aller Zeiten (die beiden Abschlusskonzerte finden im heimischen Berlin statt). Er zeigt eindrucksvoll, warum wir die fünf Bekloppten aus der Hauptstadt bitterlich vermissen werden, haben sie doch das bierernste, selbstverliebte und spießige Musikgeschäft ad absurdum und an der Nase herum geführt und die deutsche Kulturlandschaft mit organisiertem Irrsinn um eine Attraktion reicher gemacht. Ein letztes Mal hebt sich in Hamburg der Vorhang – und Knorkator, die den Rest ihres kümmerlichen Lebens lieber in Saus und Braus anstatt auf schäbigen Bühnen verbringen wollen, treten mit einem quietschbuntbekloppten Knall ab.



Wie zwei bedröppelte Küken torkeln Stumpen und Alf Ator in aufgedunsenen Ballerinakleidern auf die Bühne und trällern Hand in Hand ein morbides Duett. Doch keine Zeit für Sentimentalitäten: Mit „Hopse-Hopse-Musik“ geben die Berliner Fun-Metal-Enfant-terribles sogleich Vollgas und entfesseln neben Bandhymnen wie „Geschlechtsverkehr“, „Ich bin ein ganz besond'rer Mann“ oder „Böse“ auch eine interaktive Toastbrot-Schlacht und einen gemeingefährlichen Moshpit-Huckepack-Pogo. „Kämpft, was die Scheiße hält!“, so Stumpens Weisung, der am Ende seiner Karriere unter Beweis stellt, dass tatsächlich noch Haare aus seinem holden Haupt sprießen. Den Gig, der live im Internet übertragen wird, widmet er sogar seiner Mama, und die anwesende Gemeinde hat brav mit „Hallo Mama!“ zu salutieren.



Ob mit rotierender halber Diskokugel auf dem Kopf, beim feurigen Sprungseil-Hüpfen oder bei einem todesmutigen, ästhetisch vollendeten Hechtsprung in die Menge – Falsett-Kobold Stumpen zeigt sich in bester Verfassung und gibt auf den letzten Metern noch einmal alles. Da staunen selbst Keyboard-Samurai Alf Ator und Gitarrero Buzz Dee, wie viel Energie das wandelnde Ganzkörpertattoo noch an den Tag legt. Von wegen „Alter Mann“ – Stumpen wird seinem (schlechten) Ruf vollends gerecht und animiert die tosende Menge mit einer grandiosen „Senfgurke-Quetschkartoffel-Kitz-Ler“-Choreografie und einem gregorianischen „Fooo-tse“-Chor zur regen Teilnahme. Zwischenzeitlich erklingen Highlights wie „Ma Baker“, „Ich hasse Musik“, „Es kotzt mich an“ oder Alf Ators Solo „Konflikt“ und verwandeln die Halle in einen Hexenkessel – ein BH nach dem anderen segelt auf die Bühne.



Crowdsurfing-Meisterleistung des Abends: Stumpen macht den gewichtigsten Körper im Saal ausfindig und ordnet an, diesen selbstgetauften „Fred“ mit seinen 130 Kilo Lebendgewicht von einer Seite zur anderen surfen zu lassen. Mission erfüllt, Fred und Menge haben überlebt!



Nach dem üblichen Synonym-Wettbewerb für weibliche Geschlechtsteile folgt der emotionale Tiefpunkt des Abends: Mit „Weg nach unten“ werden Alf, Stumpen und Buzz Dee melancholisch und erinnern an den traurigen Hintergrund des Ganzen: Knorkator ziehen in die ewigen Jagdgründe ein und hinterlassen unausfüllbare Fußstapfen. Vielleicht waren sie nicht immer jedermanns Sache, vielleicht waren sie manchmal ästhetisch daneben, vielleicht haben sie bisweilen auch die Grenze zur Geistesarmut zu weit ausgedehnt – doch originell, lyrisch wertvoll und erfrischend ehrlich waren sie immer. Danke, Knorkator, für 14 Jahre Spaß und Andersartigkeit!





Bilder von Knorkator findet ihr oben in der Galerie!



Eine Aufzeichnung des Gigs ist ebenfalls online.






Benjamin Foitzik





Weitere Konzert-Berichte:

+ Bullet For My Valentine + Lacuna Coil + Bleeding Through + Black Tide in Wien

+ Slipknot + Machine Head + Children Of Bodom in München

+ Schandmaul + La Brass Banda in Kiel

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