- 16. Dez 2009
von
Meldungen
Persistence Tour 2009: Ignite + Biohazard live
Ignite + Biohazard + Agnostic Front + Walls Of Jericho + Death By Stereo + Evergreen Terrace + No Turning Back 06.12.09 Hamburg, Docks
Beharrlichkeit zahlt sich aus: Seit einigen Jahren ist die berühmt-berüchtigte Persistence-Tour fest im Kalender der deutschen Hartkern-Gemeinde etabliert und erfreute auch 2009 mit den üblichen Verdächtigen die Gemüter. Perfekt getarnt, mit Käppie und (sicher ist sicher) einem Bandana drunter, geht’s zum ausverkauften Tour-Finale im Hamburger Docks, bei dem die sieben Combos und ihr auf der Bühne versammelter Homie-Tross noch einmal alles geben.
Als No Turning Back den langen Abend eröffnen, ist der Club noch recht übersichtlich gefüllt. In einem 7er-Billing den Opener zu geben, ist mit Sicherheit kein Geschenk, doch die Niederländer erledigen ihren Job mit Würde und hauen mit dem auch live großartigen „Stronger“ ein erstes wütendes Highlight in die stetig anwachsende Menge.
Dass Evergreen Terrace den zweiten Slot belegen, ist angesichts ihrer starken Songs und wuchtigen Live-Performance etwas schade, doch der Vierer um Spargeltarzan Andrew Carey stört sich nicht an der frühen Stunde und legt los, als gäbe es kein Morgen – was angesichts des Tourabschlusses ja auch zutrifft. Carey zeigt keine Berührungsängste mit dem Publikum und scheint lieber am Geländer im Graben mit den ersten Reihen zu screamen, als auf der hohen, unpersönlichen Bühne umherzuhopsen. Höhepunkte des 30-minütigen Wirbelsturms sind das Brett „Wolfbiker“ und, klar, die Mitgrölhymne „Chaney Can't Quite Riff Like Helmet's Page Hamilton“.
Während Carey athletisch zwischen Bühne und Graben hin und her wechselt, macht anschließend der etwas beleibtere Kollege Efrem Schulz, Shouter von Death By Stereo, unsanfte Bekanntschaft mit der Schwerkraft: Als er kurios daran scheitert, wieder vom Graben auf die Bühne zu kommen, muss er sich (etwas uncool) hochziehen lassen – doch auch dazu sind Roadies ja da. Zum Leidwesen der Security hüpft der schmerzbefreite Sänger zudem samt Kabelmikro über die Absperrung und gibt im Moshpit zusammen mit seinen Fans Vollgas. Bei so viel Einsatz lässt sich über seine kryptischen Ansagen und die Tatsache, dass Death By Stereo technisch sicher nicht die beste Band des Abends sind, hinwegsehen. Der Unterhaltungsfaktor jedenfalls.
Als nächstes geben sich Walls Of Jericho die Ehre und setzen in der machohaften Hardcore-Kultur ein angenehmes weibliches Ausrufezeichen. Zwar nerven nach der zehnten Wiederholung die Animationen von Shouterin Candace Kucsulain, die die Menge unentwegt auffordert, doch bitte ein wenig mehr Spaß zu haben, doch musikalisch überzeugen die Detroiter auf ganzer Linie. Ob mit „Trigger Full Of Promises“, „The American Dream“ oder dem obligatorischen „Revival Never Goes Out Of Style“ – Walls Of Jericho machen Spaß, haben die Weiblichkeit auf ihrer Seite und bilden auch stilistisch einen interessanten Gegenpol zum NY-Hardcore, der nun folgen soll.
„This is Sparta!“ keift es beim Intro zur nächsten Band aus den Boxen – voll gelogen, in Wahrheit stampfen die Veteranen Agnostic Front auf die Bühne und starten ihre Motto-Show „Hüpfen gegen den Bierbauch“. Auch nach knapp 30 Jahren im Geschäft merkt man den New Yorker Urgesteinen kaum Verschleißerscheinungen an: „From the East Coast to the West Coast... gotta gotta gotta go!“ – „Gotta Go“ ist noch immer ein fulminanter Moshpit-Killer, dem man sich einfach nicht entziehen kann, und weitere Evergreens wie „Peace“ oder „Crucified“ sorgen ebenfalls für beste Stimmung unter den zahlreichen Agnostic Front-Fans. Immer wieder lustig: die Posen und Gesichtsentgleisungen von Gnom-Gitarrist Vinnie Stigma – allein dafür lohnt sich der Eintritt!
Agnostic Front in allen Ehren – doch Biohazard bewegen sich musikalisch einfach in einer anderen Liga. Mit „Shades Of Grey“ startet die New Yorker HC-Legende ein fulminantes Set, das die Ausnahmestellung der Mannen um Evan „Porno“ Seinfeld (abgenommen oder abgesaugt?) eindrucksvoll unter Beweis stellt. „Viele versuchen, das zu machen, was Biohazard gemacht haben, aber keiner von denen macht es so gut wie wir!“, prollt Seinfeld ins zum Hexenkessel anschwellende Docks und erntet Applaus für diese irgendwie arrogante aber absolut zutreffende Ansage. Neben Krachern wie „Love Denied“,„Urban Discipline“ oder dem neuen Song „Vengeance Is Mine“ begeistern die reanimierten Recken mit zwei Cover-Versionen: Panteras „Mouth For War“ und „We're Only Gonna Die“ von Bad Religion – was für ein Pfund! Als Seinfeld dann bei „Punishment“ mit Schmackes in die Menge springt, ist die Message an die Kollegen klar: SO macht man das richtig, Jungs! Da darf man auf das für 2010 angekündigte neue Album mehr als gespannt sein.
Wie zu erwarten, dünnt sich der Saal beim finalen Gig von Ignite (mittlerweile ist es 23:30 Uhr) ein wenig aus: Orange County ist dann eben doch nicht New York. Aber Ignite sind bei der Persistence Tour gesetzt und bieten stets eine überragende, perfekt ausgeleuchtete Live-Show – so auch dieses Mal. Natürlich kommt ein Großteil der Setlist vom 2006er Hammer OUR DARKEST DAYS: Unter anderem dreschen die bestens aufgelegten Kalifornier "Fear Is Our Tradition", "Let It Burn", "Live For Better Days" und das U2-Cover "Sunday Bloody Sunday" von besagtem Meisterwerk ins Volk. Doch auch Freunde älterer Glanzlichter kommen mit "Veteran", "Run" oder "You" nicht zu kurz. Wer die Band jedoch schon ein paar Mal gesehen hat, wünscht sich so langsam eine natürliche Erweiterung der Playlist. Man kann nur hoffen, dass Zoli Téglás und Co. bald mal wieder ein neues Album zusammenzimmern, anstatt in einer Tour mit alten Glanztaten zu touren. Mit dem unschlagbaren "Bleeding" entlassen Ignite den ausgepowerten Mob schließlich nach einem fulminanten Hardcore-Schützenfest in die nasskalte Sonntagnacht. "Respect!" an alle!
Bilder der Bands findet ihr oben in der Galerie.
Benjamin Foitzik
Weitere aktuelle Konzert-Artikel:
+ Valient Thorr + Superbee + Shitkicker live in Augsburg
+ Motörhead + Der W live in Hamburg
+ Porcupine Tree + Tony Levin's Stickmen live in München
Eine Seite zurück
Meldungen
Meldungen
Meldungen
Meldungen
Neueste Reviews
Neueste Features
Galerie: Udo Dirkschneider auf Geburtstags-Panzerfahrt
Zur Feier des CELEBRATORs
Metal-Urgestein Udo Dirkschneider wird 60. Um das und sein Raritäten-Album zu feiern, durfte er Panzer fahren.
METAL HAMMER twittert live vom Rock’n’Ink-Festival
Hautnah dabei
Unsere Festival-Abgesandten halten euch via Twitter auf dem Laufenden, was gerade beim Rock’n’Ink abgeht.
Backstage beim Videodreh zu ‘Porn From Spain 2’ mit Callejon
Skateboards, Fans und Blitzkreuze
‘Porn From Spain 2’ wird die zweite Single aus dem neuen Callejon-Album BLITZKREUZ. Wir waren beim wüsten Videodreh dabei.
Chaos und Randale im Metal
Nach Stadion-Ausschreitungen
Was beim Spiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC abging, ist nicht nur ein Fußball-Phänomen, wie unsere Sammlung zeigt.
Editorial zur Juni-Ausgabe 2012: Worte vom Chef
Slash, Kreator, Tenacious D Grand Magus uvm.
Nicht nur Guns N’ Roses-Fans kommen mit unserer Juni-Ausgabe voll auf ihre Kosten. Was es neben Sonderheft und Slash-CD zu lesen gibt, erklärt Chefredakteur Thorsten Zahn.

Kommentar schreiben