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Album des Monats: Smashing Pumpkins – Siamese Dream

7/ 7
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Galt es bisher als völlig normal, bei dem Stichwort ‚Pumpkin‘ ganz fundamentalistisch an Helloween zu denken, so könnte sich das spätestens mit Erscheinen dieses Albums schlagartig ändern. Mit ihrem Debüt GISH, weltweit anerkannt und hochgelobt, brachten die Smashing Pumpkins das Kunststück fertig, daß nicht nur die Indie-Presse und Feuilleton-Seiten der Tageszeitungen auf sie aufmerksam wurden, sondern in bemerkenswertem Maße auch diverse ‚Metal‘-Magazine. Bei uns reichte es, soweit ich mich da richtig erinnere, wenigstens für ein Live-Review aus dem Kölner Luxor. Der Gig war wirklich sagenhaft, das weiß ich noch ziemlich genau. Nun also, nach der letztjährigen EP LULL, der zweite Longplayer, und gleich noch einmal ist den Smashing Pumpkins eine echte Pfundsplatte gelungen, die mal wieder so manchen Rahmen richtig sprengen dürfte. Ohnehin: Für mich sind sie so ziemlich die ungewöhnlichste Band der Welt. Warum das so ist? Einerseits sorgen sie, wie umseitig zu sehen, für kontroverse Reaktionen was grundsätzlich gesund und richtig für den METAL HAMMER und sein Publikum ist, weil wir sonst im Einheitsbrei versacken oder uns mit Purple’schen Retrospektiven langweilen dürfen. Das Potential dieses Quartetts besteht möglicherweise dann, daß es mit seinen eigenen Widersprüchlichkeiten kokettiert und sie eben nicht kaschiert, wie bei anderen ‚Rockbands‘ sonst so üblich. Bei Deep Purple (Remember: Lord contra Blackmore contra Gillan) war das übrigens auch mal so, nur ist das leider gut zwanzig Jahre her. Mag sein, daß nicht jeder dem zuweilen dünnhäutigen Wisperstimmchen von Gitarrist und Sänger Billy Corgan etwas abgewinnen kann. Was auf SIAMESE DREAM passiert, davor müssen jegliche Formeln und Floskeln aus dem Kritikerlehrbuch schlicht versagen. Diese Platte durchzieht ein unheilschwangeres Schlingern zwischen laut und leise, punkiger Klamotte und rockigem Pathos. Diese ‚Gruppe mit Dame‘ ist wie keine zweite dazu in der Lage, eine Legierung aus zitterndem, fröhlichem Krach und bedrohlichem, klaustrophobischem Schweigen zu gießen, ohne sich dabei die Finger an lyrischem Kitsch zu verbrennen. Ob die Pumpkins nach Jane’s Addiction, Lenny Kravitz, Nirvana und Pearl Jam zu Amerikas neuen ‚Underground/Alternative-Stars‘ avancieren werden? Auch wenn mir diese Art von Schubladisierung und Eingrenzung höchst zuwider ist: Sie hätten es wahrlich verdient.

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