Album des Monats

Motörhead 6 Stars
The Wörld Is Yours

Rock
10.12.2010 - EMI

Motörhead - The Wörld Is Yours Foto: EMI Motörhead - The Wörld Is Yours 65 Jahre Lemmy, 35 Jahre Motörhead, 20 Studioalben. Welche Band kann von sich behaupten, mit solch einer Konsequenz ihren Schlangenlederstiefel durchgezogen zu haben? Nur wenige. Natürlich gab es auch bei Chef-Rocker Lemmy Kilmister und seinen Mitstreitern Höhen und Tiefen, aber mit steigendem Alter scheint das Qualitätsniveau der britischen Rock-Legende immer weiter zu steigen. Mag man gar nicht denken, aber mit Motörhead verhält es sich wie mit einem gereiften Whisky: je älter, je besser, je voller im Geschmack.

Das gilt vor allem für das neue Studioalbum THE WÖRLD IS YOURS. Aufgenommen wurde das neue Werk im späten Frühjahr 2010 zwischen Los Angeles, Kalifornien und Wales unter der Federführung von dem Produzenten und langjährigen Weggefährten Cameron Webb. Das Ergebnis sind zehn Rock-Songs, die Motörhead als perfekt funktionierendes Team zeigen. Lemmy Kilmister (Gesang, Bass), Phil Campbell (Gitarre, Background Vocals) und Mikkey Dee (Schlagzeug) laufen wie eine gut geölte Maschine auf Hochtouren, das hat man bei den letzten Platten nicht immer so deutlich heraushören können. Wie kann es sein, dass die in die Jahre gekommenen Rocker wieder einmal so frisch, kraftvoll und unvergleichlich mitreißend klingen? Das liegt einzig und allein an ihrer professionellen Haltung und an ihrer Bescheidenheit: Den Haudegen ging es nie darum, die Größten, Lautesten oder Härtesten zu sein, sie wollen nur eins: RockʼnʼRoll. In Reinkultur, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Das ist es, worauf Lemmy Kilmister Wert legt, denn RockʼnʼRoll stellt für ihn ein Heiligtum dar, das gehegt und gepflegt werden muss.

Diese Haltung verströmt THE WÖRLD IS YOURS in jeder Sekunde. Songs wie ‘Get Back In Line’, bei dem Lemmy mit dem Glauben an Jesus abrechnet, fahren sofort ins Bein. ‘Waiting For The Snake’ rockt ohne Atempause, ‘I Know What You Need’ ist ein fetziger Up-Tempo-Kracher, zu dem du dir den Frust aus der Birne schütteln kannst. Hier wird nicht nach hinten geschaut, sondern nach vorne gerockt, und ganz nebenbei zaubert Phil Campbell ein paar feiste Soli auf seiner Sechssaitigen. Das macht Durst auf mehr, und der wird mit weiteren Knallern gestillt. Zum einen gibt es mit ‘Outlaw’ einen Song, der glatt von ACE OF SPADES (1980) stammen könnte, und zum anderen haut das Trio mit ‘Bye Bye Bitch Bye Bye’ einen weiteren fetzigen Up-Tempo-Kracher raus, der mit reinstem Groove-Serum gestreckt wurde. Da weiß man gar nicht, welchen Song man zuerst auf Dauerrotation schalten soll.

Doch der Höhepunkt kommt noch: ‘RockʼnʼRoll Music’! Er erweist sich als das Bekenntnis schlechthin und sollte als knarzig-bluesige Hymne für jeden Rocker und alle, die es werden wollen, gelten. Motörhead ziehen bei THE WÖRLD IS YOURS alle RockʼnʼRoll-Register, ohne sich selbst zu wiederholen, trockener Text-Humor inklusive. Das nennt man zweifelsohne zeitlose RockʼnʼRoll-Kunst. METAL HAMMER erhebt den Whisky-Cola und sendet seine Glückwünsche zum 65. Geburtstag und zum neuen Album THE WÖRLD IS YOURS. Da kann man fast ein bisschen Angst bekommen, zu welchen Meisterleistungen Lemmy & Co. in der Zukunft noch imstande sein könnten...



Kommentare der Redaktion

Natürlich klingen Motörhead auf der neuen Platte wie Motörhead eben klingen. Und das ist auch gut so. Die Unterschiede liegen im Detail: THE WÖRLD IS YOURS kommt rock‘n‘rolliger daher als die letzten Werke, zudem ein bisschen griffiger und hat alles, was eine Scheibe der drei Kollegen haben muss. Die Rockwelt wird damit nicht in den Grundfesten erschüttert, aber: Feine Sache.

Christof Leim (5 Punkte)

Mir gefallen Motärhead eigentlich immer dann am Besten, wenn sie den verwarzten Fuß vom Gas nehmen und stattdessen lässig-rotzig vor sich hin rocken. In dieser Hinsicht gibt es auf THE WÖRLD IS YOURS viel zu entdecken – wenngleich sich irgendwann auch ein gewisser Sättigungsgrad einstellt. Aber die knorrige Motörhead-Attitüde ist eben immer noch unvergleichlich und dementsprechend (be)lohnenswert.

Matthias Weckmann (5 Punkte)

Lemmy ist Lemmy ist Lemmy! Motörhead sind Mötörhead sind Motörhead! Damit ist auch eigentlich alles gesagt. In bester Tradition zitiert sich die Troika um die Rock ‘n’ Roll-Ikone Kilmister wieder mal selber, aber wenn so amtlich gemachter Hard Rock noch mit Lemmys unvergleichlichem Organ beseelt wird, dann bliebt keine Zeit für Gemecker. Berauschend klingt zwar anders, aber Lemmy ist eben unantastbar. Fast zumindest… Ach was: Er ist unantastbar!

Anzo Sadoni (5 Punkte)

Hätten Motörhead die mit INFERNO begonnene Marschrichtung noch auf ein weiteres Album ausgedehnt, wären sechs Punkte wohl nicht mehr zu halten gewesen. Doch THE WÖRLD IS YOURS schraubt den metallischen Anteil für einen überschwänglich flockigen Schuss Boogie und Rock’n’Roll zurück und glänzt nicht nur mit nahezu null Füllmaterial, sondern auch mit den wohl coolsten und spritzigsten Phil Campbell-Soli seit langem. Rock’n’Roll-Album des Jahres.

Frank Thiessies (6 Punkte)

THE WÖRLD IS YOURS ist ein durch und durch gutes Rock-Album. Eine Hand voll Hits (‘Rock’n’Roll Music’, ‘Outlaw’, ‘I Know How To Die’, ‘Brotherhood Of Man’), ein paar durchschnittliche Songs, Lemmys wohlig-knarzige Stimme – da kann nicht viel schief gehen. Die perfekte Scheibe für einen gemütlichen Whiskey- und Bier-Abend – so wie jede andere Motörhead-Scheibe auch. Tatsächlich ist THE WÖRLD IS YOURS sogar eines der stärkeren und abwechslungsreicheren Motörhead-Alben.

Sebastian Kessler (5 Punkte)

Motörhead-Alben haben für mich die selbe Bedeutung wie das päpstliche ‘Urbi Et Orbi’ für Katholiken: Wenn der Chef den Segen erteilt, haben die Schäfchen in demütiger Dankbarkeit das Haupt zu senken. Die neue Scheibe swingt, rockt und hat mit ‘I Know How To Die’, ‘Brotherhood Of Man’ und ‘Bye Bye Bitch’ coole Anwärter für die Live-Setliste an Bord. Kritik muss trotzdem gestattet seinEinige Nummern werden schnell stumpf, und das olle Cover würde ich nicht als T-Shirt tragen. Trotzdem: Es gibt keine schlechten Motörhead-Platten. Amen.

Jakob Kranz (5 Punkte)

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