- 24. Aug 2010
von Ben Foitzik
Konzerte
Serj Tankian + Viza live
24.08.2010 Hamburg, Große Freiheit
Wenige Wochen vor Veröffentlichung seiner zweiten Soloscheibe namens IMPERFECT HARMONIES schaut der armenisch-amerikanische Wuschelkopp Serj Tankian für ein paar selektierte Auftritt in Deutschland vorbei und erfreut mit jeder Menge neuem Stoff. Die Große Freiheit in Hamburg ist (natürlich) ausverkauft – viele System Of A Down-Fans haben dem sympathischen Musikmagier Serj Tankian die Treue gehalten, und viele neue hat er mit seinem Debütalbum ELECT THE DEAD (2007) und der gleichnamigen Orchester-Sinfonie gewinnen können.
Bevor sich der Maestro gegen 21 Uhr die Ehre gibt, steht jedoch tatsächlich mal eine Vor-Band auf dem Parkett. Die neun schrillen Typen auf der Bühne heißen VIZA, spielen ebenfalls verrückte Rockmusik und haben genau deswegen Tankians persönlichen Segen: „VIZA sind eine der einzigartigsten und interessantesten Bands, die ich je getroffen habe. Sie mischen hervorragend östliche und westliche Musik und liefern eine energetische Live-Show ab“, erklärt Serj, warum er die Jungs mit dabei und auf ihrem aktuellen Album MADE IN CHERNOBYL auch produziert hat.
Nachdem VIZA den Saal angemessen auf Temperatur gebracht haben, legt endlich Serj Tankian los und haut mit „Left Of Center“ gleich mal den besten Track seines Zweitwerks in die Menge. Überhaupt reiht sich im ersten Drittel seines etwa 80-minütigen Gigs ein Hit an den anderen, bevor gewöhnungsbedürftige neue Tracks wie „Electron“, „Gate 21“ oder „Yes, It’s Genocide“ im Mittelteil einen kleinen Hänger auslösen. Hier wird klar: Beim ersten Hören wird IMPERFECT HARMONIES bestimmt nicht bei allen klicken. Soll es aber auch gar nicht – und die acht tschechischen Streicher, die Serj mit in seinen Nightliner gepackt hat, machen das etwas ruhigere Mitteldrittel dann doch noch zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.
Selbstverständlich lässt es sich Onkel Serj nicht nehmen, mit ein paar markigen Statements wie „Democracy does not exist!“, „Against tyranny!“ oder „Fuck the system!“ den Prediger zu geben und die Menge anzuheizen – den Bogen zur Penetranz allerdings überspannt er dabei nie. Ist doch auch schön, dass überhaupt noch jemand die Dinge beim Namen nennt – und dabei noch so eine von Grund auf sympathische Aura verströmt. „I really missed you guys“, gesteht er mit seiner angenehmen, freundlichen Stimme – und irgendwie glaubt man es ihm. Mit den Krachern „Beethoven’s C**t“, „Empty Walls“ und „Money“ beendet Serj Tankian sein fulminantes Gastspiel in der Großen Freiheit – und wird dafür zu Recht vom begeisterten Publikum gefeiert.
Solo-Serj ist immer wieder ein grandioses Erlebnis – auch wenn man sich des Gedankens nicht erwehren kann, dass man dann doch noch ein bisschen lieber System Of A Down gesehen hätte. Aber wer wird denn in der Vergangenheit schwelgen...?!
Setlist:
Intro (The Hand)
Left Of Center
Lie Lie Lie
Sky Is Over
Saving Us
Baby
Unthinking Majority
Praise The Lord
Blue
Elect The Dead
Gate 21
Yes It’s Genocide
Deserving
Honking Antelope
Electron
Borders Are
Feed Us
Beethoven’s C**t
Empty Walls
Money
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