- 01. Sep 2008
von Benjamin Foitzik
Konzerte
Serj Tankian Live Bericht
25.08.2008, Hamburg, Docks
Am 12. März 2002 spielten die Rockmusik-Visionäre System Of A Down eine ausverkaufte und euphorisch gefeierte Show im Hamburger Docks. Viele Lenze sind seither ins Land gezogen und einiges hat sich getan: System Of A Down sind bis auf weiteres Geschichte. Und die Gemeinde trauert.
Fast sechseinhalb Jahre nach besagter System Of A Down-Supernova-Show beehrt der "Große Serj" nun erneut die Hamburger Reeperbahn. Allerdings mit über viermonatiger Verspätung: Der eigentliche Termin Anfang April musste wegen Unpässlichkeit verschoben werden.
Umso größer die Erwartungen, wie er sich denn im Club-Ambiente schlägt, der Solo-Serj. Zum Warmmachen hat der sympathische Bärtige mit dem großen Geist die englischen Alternativ-Rocker InMe im Gepäck, die leider früher als angekündigt in die Saiten hauen. Ihr kantiger Gitarren-Rock passt nicht wirklich zu Tankians trotz allem an System Of A Down erinnernden Sound – aber was passt schon dazu?
Als passabler Anheizer funktionieren InMe allemal, und als schließlich gegen 22 Uhr ein wie immer schelmisch grinsender Serj Tankian auf der Bühne steht und ‘The Unthinking Majority’ anstimmt, ist den meisten Anwesenden ohnehin alles egal. Der Moshpit tobt fast wie in besten System Of A Down-Zeiten.
Absolut unterirdisch jedoch ist die Bühnenbeleuchtung (wie die Bildergalerie beweist), die während der ersten drei Songs quasi nicht vorhanden ist. Doch nur während dieser Songs dürfen Fotografen fotografieren. Da die Bühne allerdings schon beim vierten Song plötzlich optimal erleuchtet wird, stellt sich die Frage: Können oder wollen die nicht besser? Doch da heutzutage in den ersten zehn Reihen ohnehin jeder Zweite lieber eine Mini-Kamera in die Luft streckt, als den Moment zu feiern, wird es genug passable Fan-Aufnahmen geben. Verkehrte Welt.
Ungeachtet dessen ist Serj natürlich auch solo ein Hochgenuss: Wie ein kleines Kind freut er sich über den Publikumszuspruch und schmettert zum Dank seine besten Lieder. Also eigentlich alle – bei einem einzigen Album in der Diskografie sind die Möglichkeiten doch relativ limitiert. System Of A Down-Songs spielt er zur allgemeinen Enttäuschung nämlich nicht an. Stattdessen "vermurksen" er und seine Live-Musikanten den Beatles-Song ‘Girl’ und legen eine wirre Bastard-Rock-Nummer aus Serjs ‘Money’ und ‘Money, Money, Money’ von ABBA aufs Parkett. Höchst eigenwillig.
Als Zugabe folgt ‘Holiday In Cambodia’ von den Dead Kennedys, mit ‘Empty Walls’ endet der leider viel zu kurze Auftritt von Serj Tankian in Hamburg. Möge er noch viele Male wiederkommen.
Setlist Serj Tankian:
- The Unthinking Majority
- Feed Us
- Lie Lie Lie
- Saving Us
- Baby
- Sounds Of War
- Sky Is Over
- Praise The Lord
- Girl
- New Money
- Charades
- Jazz Jam
- Elect The Dead
- Honking Antelope
- Beethoven's Cunt
---------------
- Holiday
- In Cambodia Empty Walls
Ähnliche Artikel
Konzerte
Bolt Thrower, As I Lay Dying, Grand Magus u.v.m.
Das Summer Breeze 2011 ist vorbei und un...
Konzerte
With Full Force 2011: Action auf den Nebenbühnen
Die Nebenbühnen des With Full Force Fest...
Neueste Reviews
Neueste Features
Backstage-Prügel: Jiu-Jitsu-Seminar mit Biohazard
Tough guys
Biohazard kommen aus Brooklyn, New York. Da muss man sich wehren, wie uns die Tough Guys schon seit vielen Jahren erklären. Wir haben es getestet.
Horaz (Imperium Dekadenz) tippt den 20. Spieltag
Metal-Liga 2011
Imperium Dekadenz sind für ihren Black Metal mit explizitem Bezug auf das römische Reich bekannt. Nicht für Fußball-Kenntnisse. Sänger Horaz ändert das jetzt.
Bilder-Tagebuch zu "70.000 Tons of Metal Cruise" 2012
Leichtmatrose Leim
2011 stach die "70.000 Tons of Metal"-Kreuzfahrt zum 1. Mal in See - dieses Jahr geht es weiter. Wir waren dabei, bloggten live und zeigen jetzt das Bilder-Tagebuch von Leichtmatrose Leim.
Daniel „Dani“ Löble (Helloween) tippt den 19. Spieltag
Metal-Liga 2011
An Helloween führt in der deutschen Metal-Szene kein Weg vorbei. Ihren Beitrag zum Fußball leistet Drummer Daniel „Dani“ Löble.
Besser sterben und Spaß dabei: Beerdigungen mal anders
Der letzte Gang
Nein, Tod und sterben sind keine schönen Themen. Aber sie sind Teile des Lebens - auch im Metal. Wir haben uns die etwas andere Seite des Themas angesehen.

Kommentar schreiben