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Machine Head The Blackening

Thrash Metal, Roadrunner Records / Warner 8 Songs / 61:12 Min. / 23.3.2007

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Machine Head - The Blackening
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Foto: Roadrunner Records / Warner

Es gibt nur wenige Bands, die ein Abonnement auf den Soundcheck-Sieg im METAL HAMMER besitzen: Machine Head gehören zu dieser erlesenen Sorte. Der Grund: Dem Quartett gelingt es immer wieder, verschiedene Metal-Szenen zu einen (die ja auch in unserer Jury recht repräsentativ vertreten sind). Den modernen Metallern liefern Sänger Robert Flynn, Gitarrist Phil Demmel, Bassist Adam Duce und Schlagzeuger Dave McClain genügend Kraftfutter zum Hüpfen und Moshen, die Old School-Fraktion respektiert die wuchtigen Thrash Metal-Wurzeln, auf denen ihre Kompositionen fußen. Das sechste Studioalbum THE BLACKENING bildet da keine Ausnahme – wenngleich Machine Head bei diesem Werk doch vieles anders machen. Die interne Vorgabe war: „Wir müssen und wollen uns als Musiker selber herausfordern!“ Die acht neuen Songs bestätigen die Umsetzung der Theorie in der Praxis. Anstatt nach dem fulminanten Comeback THROUGH THE ASHES OF EMPIRES (2003) auf Nummer sicher zu gehen, präsentieren die Kalifornier anno 2007 ihr ambitioniertestes Projekt: Acht Songs, vier davon zwischen neun und zehneinhalb Minuten mit massig Sportgitarren – da muss man als Machine Head-Fan, dem kurze, knackige Strukturen liegen, erst mal kräftig durchatmen. Das Erstaunliche an THE BLACKENING ist: Die Prägnanz geht nicht verloren, wenngleich sich kein Über-Hit wie ‚Davidian‘ oder ‚Imperium‘ ausmachen lässt. Hier ist das Album der Star, nicht ein einzelner Song. Schon der Opener ‚Clenching The Fists Of Dissent‘ zeigt sich als vielschichtiges, charakterstarkes Monster, das den Nacken über 10 Minuten und 34 Sekunden auf Trab hält, mörderische Gitarrenduelle zwischen Flynn und Demmel und ein von ‚Creeping Death‘ entliehener Mitgrölpart inklusive. Wer dieses Thrash Metal-Biest überlebt hat, wird mit dem satt groovenden ‚Beautiful Morning‘ belohnt, das zudem gegen Ende wieder einmal das überragende Melodiegefühl von Robert Flynn unterstreicht. ‚Aesthetics Of Hate‘ ist Benzin in den Lungen des Frontmanns, der im Text seinen auf tragische Weise verstorbenen Kumpel Dimebag Darrell gegen Anfeindungen eines amerikanischen Journalisten verteidigt. Wem der Endteil von ‚Imperium‘ gefiel, wird mit diesem Galopp über sechs Minuten glücklich. Der Soloteil ist eine tiefe Verbeugung vor Kollegen wie Downing/Tipton oder Murray/Smith. Es folgt eines der spektakulärsten Lieder des Albums: ‚Now I Lay Thee Down‘ erzählt eine Romeo-und-Julia-Geschichte, in deren Verlauf ein schleppender, ‚Ten Ton Hammer‘-artiger Rhythmus an prachtvollen Melodielinien zerbricht. Großartig! Danach werfen Machine Head einen ihrer gefürchteten Godzilla-Grooves an: ‚Slanderous‘ hätte in dieser Form auch auf THROUGH THE ASHES OF EMPIRES für Furore gesorgt – wenngleich der Chorus vergleichsweise einfallslos wirkt. Sprach ich gerade von „prachtvollen Melodien“? ‚Halo‘ ist in dieser Hinsicht eines der absoluten Highlights ihrer Karriere. Einen derartigen Höhepunkt hätte man weder Flynn noch Machine Head zu Debüt-Zeiten zugetraut. Musikalisch deckt THE BLACKENING vielleicht erstmals das gesamte Spektrum dieser Band ab. Aber – das bleibt bei einer Spielzeit von durchschnittlich 7:30 Min pro Song nicht aus – auf dieser Spielwiese gibt es auch mal Längen. So hätten den abschließenden Liedern ‚Wolves‘ (9:04 Min.) und ‚A Farewell To Arms‘ (10:11 Min.) ein beschränkender Cut gutgetan. ‚Wolves‘ beinhaltet zwar den straightesten Groove der Band-Geschichte, wird hinten raus aber unübersichtlich, ‚A Farewell To Arms‘ zieht sich trotz intelligentem Aufbau und intensiver Atmosphäre auf Dauer ein wenig. Klanglich macht man dem Duo Flynn (Produzent) und Colin Richardson (Mix) allerdings nichts vor. Etwas Fetteres wird man vor allem hinsichtlich der Gitarren in diesem Jahr nicht hören. THE BLACKENING ist ein überragendes Album, das in zahllosen Bestenlisten 2007 auftauchen dürfte und Machine Heads Spitzenposition in der Szene eindrucksvoll untermauert. Der im Vorfeld von vielen herbeigesehnte/-geredete Klassiker ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt (noch) nicht.

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