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Tod eines Pioniers: Nachruf auf Chuck Schuldiner

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Aus METAL HAMMER-Ausgabe 02/2002

Viele mögen es jetzt als Ironie betrachten, dass ausgerechnet der Mann so früh sterben musste, der durch seine Band Death nicht nur zum Vorbild für unzählige Musiker wurde, sondern auch als Stammhalter eines ganzen Genre gilt. Werfen wir einen Blick zurück ins Jahr 1987: SCREAM BLOODY GORE erblickt das Licht der Welt – und revolutioniert die Szene.

Kein Album konnte bis dato mit dieser geballten Ladung an Härte und gleichzeitigen Darbietung an technischer Finesse aufwarten. Bereits ein Jahr später bewiesen Death mit ihrem Zweitwerk LEPROSY ebenso eindrucksvoll wie nachhaltig, dass es sich bei ihnen nicht um eine Eintagsfliege handelte. Auf SPIRITUAL HEALING (1990) perfektionierte Schuldiner sein Talent, brachiales Riffing mit eingängigen, aber dennoch messerscharfen Melodien zu verbinden. Diese Linie führte er auf HUMAN (1991), INDIVIDUAL THOUGHT PATTERNS (1993), SYMBOLIC (1995) und der letzten Veröffentlichung SOUND OF PERSVERANCE (1998) konsequent fort.

Mit Gründung einer neuen Band namens Control Denied erfüllte sich 1999 Chucks Wunsch nach noch progressiveren Klängen: THE FRAGILE ART OF EXISTENCE nannte er das Debüt, für welches er sich mit Tim Aymar einen Ausnahmesänger ins Boot holte. Wahrend der Aufnahmen zeigten sich bereits erste Krankheitssymptome. Perfektionist Chuck begab sich jedoch erst in ärztliche Behandlung, als das Album eingespielt war – nichtsahnend, was zu diesem Zeitpunkt bereits in ihm wütete. An seinem 31. Geburtstag eröffneten ihm die Ärzte ihre schreckliche Diagnose: Gehirntumor. Nun begann ein Kampf gegen einen Feind, der hinterlistiger nicht sein konnte. Monate zwischen Hoffen und Bangen vergingen, jeder guten Nachricht folgte eine schlechte auf dem Fuße.

Chucks Kämpfernatur kam in dieser Zeit zur Geltung, er wollte sich seinem Schicksal nicht ergeben, sondern kämpfen. Kämpfen für seine Familie und seine Freunde, die ihm während seiner Krankheit stets zur Seite standen. Kämpfen aber auch, um wieder auf der Bühne stehen zu können und zusammen mit seinen Fans zu feiern. Das sollte ihm nicht mehr vergönnt sein. Zu all den Leiden, die eine Krebserkrankung mitbringt, kamen finanzielle Probleme, die durch Spenden und zahllose Benefiz-Konzerte seiner Anhänger und Kollegen minimiert werden konnten.

Schuldiner machte sich durch seine eigenwillige Art in der Vergangenheit nicht immer Freunde. Man denke nur an die bösen Worte, die er sich anhören musste, als er Anfang der 90er-Jahre nicht nach Europa kam, um SPIRITUAL HEALING live vorzustellen und der Drum-Roadie seinen Part am Mikrofon übernahm. Ich persönlich habe ihn nur als warmherzigen, liebenswerten Menschen kennengelernt, dem seine Musik und Fans viel bedeuteten. Auch als er durch den Tumor halbseitig gelähmt war, die einfachsten Handgriffe kaum mehr selbstständig erledigen konnte und vom Gitarrespielen meilenweit entfernt war, hat er dennoch nie aufgehört daran zu glauben, dass er wieder vollständig gesundet und baldmöglichst neue Lieder einspielen kann.

Dafür unterzog sich Chuck in den letzten Monaten verschiedenen Therapien und Operationen, in die er und seine Familie immer wieder aufs Neue Hoffnung setzten. Leider vergeblich, denn den letzten Kampf in seinem viel zu kurzen Leben verlor er im Alter von nur 33 Jahren. Mit Chuck Schuldiner ist nicht nur ein begnadeter Musiker von uns gegangen, sondern vor allem ein wunderbarer Mensch, der sich durch seine Musik ein Denkmal setzte und durch sie für immer in unserer Erinnerung weiterleben wird. Mit „Let the Metal flow“ hat Chuck immer seine E-Mails beendet – so soll es sein…

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