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Dream Theater

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+ Periphery

Stuttgart: Liederhalle Hegelsaal

Der Stuttgart-Auftritt wurde um zwei Tage verschoben, da Dream Theater der Grammy-Verleihung in Los Angeles beiwohnen wollten, bei der sie mit ihrem Song ‘On The Backs Of Angels’ auf der Nominierungsliste in der Kategorie “Bester Hard Rock-/Metal-Song” standen. Klar, dass bei einer solchen Witzveranstaltung mit ‘White Limo’ von den Foo Fighters ein durch und durch mittelmäßiges, nichtssagendes Stück das Rennen machte.

Doch zurück in Baden-Württembergs Hauptstadt: Die Amis Periphery dürfen den Anheizer für die New Yorker spielen. Und sie tun das überraschend gut. Insbesondere das Gitarren-Triple wirkt perfekt aufeinander eingespielt. Ein Rad greift ins andere, und das bei extrem komplexen Läufen, Soli und Riffs. Insbesondere das eingängige ‘Icarus Lives!’ sowie der furiose Viertelstünder ‘Racecar’ entwickeln enormen Druck, was vom Publikum mit großem Beifall belohnt wird. Einen Vorgeschmack auf das für Mai angekündigte zweite Album JUGGERNAUT verkneifen sich Periphery jedoch. Wegen ihrer Optik sollte sich die Band mal Gedanken machen, denn es sieht merkwürdig bunt und uneinheitlich aus, wenn zur selben Zeit Musiker in gestreiften und karierten Polo-Shirts, schicken Hemden oder Muskel-Shirts auf der Bühne stehen.

Von einer wilden Lichtshow und Zeichentrick-Animationen begleitet, ertönt dann das Intro der Headliner: ein Auszug aus dem Soundtrack des Films ‘Inception’. Dream Theater sind sich der sehr hohen Qualität ihres aktuellen Albums A DRAMATIC TURN OF EVENTS bewusst, weshalb sich dem Eröffnungslied ‘Bridges In The Sky’ im Verlauf des Gigs fünf weitere Songs besagter CD anschließen: Das schweineharte, moderne ‘Build Me Up, Break Me Down’, das extrem mächtige, epische ‘Outcry’ sowie das alles überragende, eine Brücke zu glorreichem Siebziger-Prog schlagende ‘Breaking All Illusions’ zählen zu den absoluten Höhepunkten des knapp über zweistündigen Konzerts. Abgesehen von FALLING INTO INFINITY, TRAIN OF THOUGHT, SYSTEMATIC CHAOS und BLACK CLOUDS & SILVER LININGS werden sämtliche Alben berücksichtigt, sogar das Debüt WHEN DREAM AND DAY UNITE mit ‘A Fortune In Lies’.

Leider kommt von IMAGES AND WORDS, mit dem Dream Theater Anfang der Neunziger ihren Durchbruch schafften, neben der obligatorischen Zugabe ‘Pull Me Under’ mit ‘Surrounded’ das entbehrlichste Stück zum Zug. Da hätten ‘Learning To Live’ oder ‘Metropolis 1’ wesentlich besser gezündet. Dieser kleine Fauxpas tut der ausgelassenen, frenetischen Stimmung jedoch keinen Abbruch. Während der Songs erhalten Dream Theater permanent Zwischenapplaus und werden in den Pausen ohrenbetäubend laut abgefeiert. Die Band präsentiert sich sympathisch, motiviert und enorm spielfreudig und lässt damit die blutarmen letzten Shows mit dem im September 2010 ausgestiegenen Mike Portnoy vergessen. Dream Theater demonstrieren neu entfachte Harmonie und Geschlossenheit, von der speziell James LaBrie profitiert, dessen Stellung innerhalb des Bandgefüges gefestigter denn je erscheint und der sich frei und kommunikativ bewegt und immer wieder seinen Mitmusikern um die Schultern fällt. Ein überragender Live-Fronter wird Labrie wohl nie werden, denn dafür besitzt er zu wenig Charisma, aber er fällt nicht negativ ins Gewicht, was sich in der Vergangenheit ab und an anders gestaltete.

Tastenzauberer Jordan Rudess ist die Entspanntheit in Person: eine coole Sau. Basser John Myung verzieht wie immer keine Miene, und Gitarrist John Petrucci sorgt mit einer Mischung aus unglaublicher Fingerfertigkeit und hochemotionalen Gefühlssoli wie im Ehrfurcht gebietenden Schlussteil von ‘The Spirit Carries On’ für meterdicke Gänsehaut: einer der ganz Großen seiner Garde. Und wie ergeht es Mike Mangini, dem neuen Schlagzeuger, der während der Bewerbungsphase Könner wie Marco Minnemann, Virgil Donati oder Derek Roddy ausstach? Er erweist sich als die perfekte Wahl, gibt in seinem gewaltigen Schlagzeug-Käfig headbangend wuchtige Rhythmen vor, kann aber auch irrwitzig komplizierten Passagen seinen Stempel aufdrücken. Sein zehnminütiges Solo ist grandios und wird im Hintergrund über drei würfelförmige Leinwände durch Nahaufnahmen von Händen und Füßen dokumentiert. Über die etwas unausgegorene Setlist lässt sich wie so oft streiten, aber in solch brillanter Form waren Dream Theater seit einer halben Ewigkeit nicht mehr zu erleben.

Setlist

Dream Theater

Bridges In The Sky

6:00

Build Me Up, Break Me Down

Surrounded

The Root Of All Evil

Drum-Solo

A Fortune In Lies

Outcry

The Silent Man

Beneath The Surface

On The Backs Of Angels

War Inside My Head

The Test That Stumped Them All

The Spirit Carries On

Breaking All Illusions

Pull Me Under

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