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ECHTE ALTERNATIVE

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Von melodisch bis hart, von jung bis alt, von der Biker-Kutte bis zum albernen Kostüm – die Fans auf dem Campingplatz und in den Pensionen der umliegenden Örtchen könnten unterschiedlicher nicht auftreten. So entsteht eine sympathische Stimmung, die sich sowohl auf der neuen Nachwuchsbühne am Camping-Gelände als auch im Rund des Amphitheaters über das ganze Wochenende hinweg bemerkbar macht. Da fällt es auch nicht mehr weiter auf, wenn METAL HAMMER im Cadillac, Modell Leichenwagen, vorfährt.

DONNERSTAG, 19.6.

Den Soundtrack zur diesjährigen Ersterstürmung des Felsens liefern Winterstorm, die mit Hits der Marke ‘The Stormsons’ die erste etlicher Power Metal-Keulen schwingen. Der andere Trend 2014 ist bluesig angehauchter Rock, den Zodiac aus dem Effeff beherrschen und im Stil internationaler Größen auf die Bretter bringen. Die US-Thrasher Fueled By Fire haben Spaß an Slayer, Death Angel und derlei mehr. Die Songs sind zwar nicht so geil wie die der Vorbilder, aber die Spielfreude stimmt. Trotz gelbem Satan am Firmament lassen Steelwing nichts anbrennen, denn ihr Metal bringt Fäuste in die Luft und Beine zum Wippen. Da singt selbst Strater abends beim Schnitzel noch den Über-Hit ‘Roadkill (… Or Be Killed)’. Hochkreischig geht es mit Battle Beast weiter, die nicht nur das sabatonische “Noch ein Bier” kapern, sondern mit dem launig als ’99 Luftballons’ angekündigten ‘Black Ninja’ die Stimmung oben halten. Billy Milano mosht sich in Spiellaune: Mit guter Band und eigenen M.O.D.-Hits wie ‘No Glove No Love’ startet die Party und gipfelt in einem 50-prozentigen S.O.D.-Set mit jeder Menge Hits wie ‘Kill Yourself’ oder ‘Fuck The Middle East’. Geil!

Die US-amerikanische Chuck Schuldiner-Gedächtnistruppe DEATH (DTA) hat es danach nicht ganz so leicht, das Power Metal-affine Publikum auf seine Seite zu ziehen. Doch Könnern wie DiGiorgio oder den Cynic-Recken beim Spielen der ewigen Death-Hits wie ‘Zombie Ritual’,’Spirit Crusher’ oder ‘Pull The Plug’ zuzuschauen, weckt wehmütige Erinnerungen an den Band-Gründer. Dass hingegen Saltatio Mortis derzeit einen Lauf haben, weiß jeder. Trotzdem ist der Lärm, den die versammelte Menge bereits beim Opener ‘Früher war alles besser’ veranstaltet, beeindruckend. Das Gleiche gilt für den kompletten Auftritt: doppelter Dudelsack, Podest-Posing, kapitaler Körpereinsatz und Mitsing-Parts, die zünden wie Freibier am Tresen – alles richtig gemacht! Das Newcomer Stage-Highlight des Tages stammt von den Dortmundern Orphalis, die überraschend geilen Tech-Death spielen – ein angenehm fettes Gedresche! Dafür stehen auch Phil Anselmo &The Illegals, bei denen recht schnell klar wird, dass die Band selbst viel geiler ist als ihre aktuellen Songs. Insofern feiert die Menge im Rund eher Anselmos krudes, aber sympathisches Stageacting denn die Musik. Dies ändert sich natürlich bei den eingestreuten Pantera-Hits. Nicht ganz so geil wie früher, aber ein Genuss, Anselmo noch einmal die Großtaten seiner eigenen Vergangenheit singen zu hören. Das Fazit vorweg: Ihrer Headliner-Rolle werden Sabaton vollumfänglich gerecht. Publikumsspielchen? Check. Panzer als Drumriser? Check. Alle Hits? Auch. Aber zwischen Gassenhauern wie ‘Ghost Division’,’Carolus Rex’ oder ‘Gott mit uns’ passen drei Songs von HEROES (bei ‘To Hell And Back’ gibt es den härtesten Hüpfeinsatz des Tages) und mindestens “Noch ein Bier” sowie angerissene Covers. Zwar kann selbst das ungeübte Ohr die Ansagen mittlerweile mitsprechen, aber sonst ein grandioser Sieg.

FREITAG, 20.6.

Gloryful liefern die solvente Metal-Kante und machen müde Banger munter. Mit Brettern wie ‘Cradle Of Heroes’ wirkt das Konterbier erst richtig. Gleiches gilt für die sympathischen Bocholter Urgesteine Wizard, denn hier gilt: Epischer Heavy Metal ist episch! Auf der kleinen Bühne empfehlen sich Frigoris mit solidem Schwarzstahl für höhere Aufgaben. Ein Status, den Scorpion Child längst verlassen haben. Wer sich vom leichten Regen nicht vertreiben lässt, erlebt auf der Hauptbühne eine Eins a-Bluesgetränkte Rock-Show. Sänger Aryn nutzt die Feuchtigkeit für lange Laufsteg-Knie-Slides. Zum Flüchten ist das hässliche Banner am Bloodbound-Keyboard, dafür verleitet der melodische Heavy Metal diverse Damen zum Ausdruckstanz, während Sänger Patrik Johansson penetrant seine Liebe zu Deutschland bekundet. Gorguts um Freigeist Luc Lemay sind eine gute Band am falschen Platz, denn ein Großteil der Leute ist von der dystopisch-progressiven Death-Mucke schlichtweg überfordert und flüchtet.

Das einzig Negative am Gig von Grave Digger ist das etwas zu leise Dudelsack-Intro. Danach folgen lauthals mitgegrölte Klassiker vom Schlage ‘Scotland United’ und natürlich ‘Rebellion (The Clans Are Marching)’, die vom wieder sehr agilen Chris Boltendahl unnachahmlich in das gut gefüllte Rund geballert werden. Zu Eluveitie wird es noch voller, aber leider leidet deren Set wegen akutem Stromausfall unter verkürzter Spielzeit. Trotzdem liefern die Eidgenossen im großen Stil ab. Mit ‘Thousandfold’ steigt die Crowdsurf-Frequenz rapide an, bei ‘A Rose For Epona’ kommt Schmusestimmung auf, und das finale ‘King’ vom neuen Album macht Appetit auf mehr. Und mit großen Happen geht es beim Old School-Set von Monster Magnet weiter, die einen Pillenberg mit dem Traktor anschleppen – Fans schnalzen mit der Zunge. Zeremonienmeister Wyndorf und die Fans feiern bis zum tausendfach mitgegrölten ‘Space Lord’, motherfucker.

Hat jemand daran gezweifelt, dass Powerwolf hier und heute abräumen würden? Ergo gerät die Stunde Spielzeit selbst für Zweifler zu einer extrem unterhaltsamen und mit Hits vollgestopften Angelegenheit. Selbst das “Hu-Ha”-Spielchen artet diesmal nicht aus, und als Sänger Attila Dorn das Wort “untenrum” in eine Ansage einflicht, muss sogar Strater grinsen. Geiler Scheiß. Gleiches gilt für In Extremo: Jene haben im Backstage nicht nur ihre eigene Grill-Party veranstaltet (da schmeckt sogar Gemüse), sondern fordern den Fans – allen Trötencore-Unkenrufen zum Trotz – noch einmal alles ab. Mit Feuerfontänen und großen Gesten erweisen sie sich als würdiger Headliner.

SAMSTAG, 21.6.

Der Wachmacher des Tages kommt von Bleeding Red, die einmal mehr ihren Status als Schwarztodhoffnung untermauern. Blues Pills sorgen dann für einen Rekord:

So voll war es um diese Zeit vor der Hauptbühne am ganzen Wochenende nicht. Merke: Classic Rock vertreibt Kater und Sorgen. Es folgt hoher Besuch auf der Newcomer-Stage: Final Depravity liefern nicht nur erstklassigen Thrash, sondern haben mit Kreator-Drummer Ventor einen Star-Gast beim finalen ‘Pleasure To Kill’-Cover. Zurück vor der Hauptbühne fahren Brainstorm ihre gesammelte Routine auf und hauen dem gut gefüllten Halbrund eine astreine Power Metal-Kelle vor den kollektiven Latz. Party-Alarm dann wieder bei Tankard, die mit Hits um sich schmeißen (‘Rectifier’ wird als Blues Rock angedroht) und am Ende ihr neues Album R.I.B. vorstellen. Saubere Vorstellung von Gerres Bembel-Gang.

Komischerweise schaffen es Grand Magus dann nicht, die Leute vor der Bühne zu halten. Ob das an der bratenden Sonne liegt, oder den Leuten nach dem Thrash noch nicht nach Epik ist? Die Schweden zeigen trotzdem ‘Iron Will’ zum bösen Spiel. Auch bei Kataklysm musste man ein Akzeptanzfragezeichen setzen, doch Sänger Maurizio akzeptiert keine Niederlage und schafft es, mit regelmäßigen Anfeuerungen die Fans auf seine Seite zu ziehen und fröhlich ‘Crippled And Broken’ zu hinterlassen. Bei Ensiferum sind dann wieder alle Banger angetreten und servieren ein Folk Metal-Festival erster Kajüte. Mit agiler Stageperformance knallen die Finnen der Loreley die Hits gleich reihenweise um die Ohren.’One More Magic Potion’ und gegen Ende noch das Maiden-Cover ‘Wrathchild’ lassen eine ausgelaugte Meute zurück. Doch die Party geht noch besser: Steel Panther sind im Haus und entertainen maximal! Die Songs von ALL YOU CAN EAT kommen vielleicht einen Tacken schlechter an als Klassiker vom Schlage ‘Asian Hooker’, aber die Zeit wird das richten. Ab knapp der Hälfte des Sets wird die Bühne von Mädels bevölkert, Gitarrist Satchel zählt durch und kommt natürlich auf ’17 Girls In A Row’ – so geht die geilste Party des Wochenendes. Ähnlich gute Stimmung herrscht bei Black Label Society, deren einzige deutsche Festivalshow des Jahres nicht nur vom Deutschland-Chapter gnadenlos abgefeiert wird. Natürlich darf Zakk Wylde mit minutenlangem Solo zeigen, was für ein begnadeter Shredder er ist, allerdings kommen Heavy Rock-Hymnen wie ‘The Blessed Hellride’ bei der Allgemeinheit noch besser an.

Das umjubelte Finale gehört Kreator, und schon ab ‘Phantom Antichrist’ gibt es kein Halten mehr. Es folgt eine echte Best-of-Setlist, die mit Klassikern wie ‘Hordes Of Chaos’ oder ‘Violent Revolution’ diesen Namen verdient hat. Auch schön: die erstklassige Pyroshow. Weniger schön hingegen, dass einige Vollspacken immer wieder Leuchtstäbe auf die Bühne pfeffern. Vor ‘Flag Of Hate’ werden der “King Of Pop” und Judas Priest geehrt, bevor der Felsen endgültig in Konfetti getaucht wird. Wacken, zieh dich warm an! Das Metalfest Loreley macht dank schicker Location, guter Organisation und der bunten Band-Auswahl jetzt schon wieder Lust auf nächstes Jahr! Von den Aftershowpartys im Loreley Weinstübchen (nächtliche Schnitzel und Herrengedecke für den Gewinn) ganz zu schweigen.

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