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25 Jahre FEAR OF THE DARK

FEAR OF THE DARK: Track By Track des Iron Maiden-Meisterwerks (Teil 1)

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FEAR OF THE DARK (11.05.1992) ist ein bemerkenswertes Album in der an Meilensteinen nicht armen Diskografie von IRON MAIDEN. Auf der einen Seite produziert es einen der stimmgewaltigsten Metal-Klassiker aller Zeiten, auf der anderen Seite wird es bereits zur Zeit seiner Veröffentlichung kontrovers diskutiert und läutet als negativen Höhepunkt den überraschenden Abschied von Sänger Bruce Dickinson ein.

‘Be Quick Or Be Dead’

Für Iron Maiden-Verhältnisse ein fast schon überfall­artiger Einstieg. Nicht nur, was Riffs und Rhythmen betrifft, sondern auch bezüglich des hohen Schreis von Bruce Dickinson. ‘Be Quick Or Be Dead’ besitzt einen vergleichsweise rüden und ruppigen Stil, thematisch setzt sich Dickinson kritisch mit damals aktuellen Skandalen wie der Pensionsfondsaffäre um den britischen Geschäftsmann Robert Maxwell, die Verwicklung der Großbank BCCI in Geldwäsche, Bestechung und Waffenhandel sowie dem Zusammenbruch der Börsen auseinander. Das Lied wurde einen Monat vor Veröffentlichung von FEAR OF THE DARK als erste Single ausgekoppelt und erreichte Platz zwei der heimischen Charts. Auf dem Cover packt Eddie sinnbildlich das Establishment am Kragen. Janick Gers gab mit ‘Be Quick Or Be Dead’ quasi seine erste kreative Visitenkarte bei den Fans ab, nachdem er auf dem Vorgänger NO PRAYER FOR THE DYING (1990) bezüglich Songcredits noch leer ausgegangen war.

‘From Here To Eternity’

Die zweite Single von FEAR OF THE DARK, musikalisch ein Gegenentwurf zum Opener. ‘From Here To ­Eternity’ läuft von vorne bis hinten gut rein, ist in der Iron Maiden-Welt fast schon „easy listening“ und kommt in knackigen drei Minuten und 39 Sekunden zum Ende. Das Mitsingpotenzial ist enorm. Die Nummer von Steve Harris greift die Geschichte der Prostituierten Charlotte auf, welche die Band zuvor bereits mit ‘Charlotte The Harlot’ oder ‘22 Acacia Avenue’ thematisiert hatte. Der Text, in dem es auf einem Motorrad zwischen Charlotte und dem Fahrer heiß hergeht, ist vollgespickt mit Anzüglichkeiten, welche im Vorfeld beim Management die Verunsicherung aufbrachte, ob das Lied von den Radiostationen überhaupt gespielt werden würde. Passend fällt der Videoclip aus, der bezüglich der Fülle an Klischees auch gut und gerne von einer Glam Rock-Band aus den Achtziger Jahren hätte stammen können.

‘Afraid To Shoot Strangers’

Wem bei zwei Minuten und 43 Sekunden nicht das Herz aufgeht, hat weder diese Band noch Heavy Metal je verstanden. Was Steve Harris in diesen Momenten an Harmonielehre präsentiert, darf von jeder Musikschule in den Grundunterricht aufgenommen werden. Die Konzeption von ‘Afraid To Shoot Strangers’ ist band-typisch, durchläuft verschiedene Phasen, in denen die Stimmungen ebenso wechseln wie die Geschwindigkeiten. Inhaltlich geht es um die grundlegende Absurdität des Kriegs, in dem Soldaten Menschen töten sollen, die sie nicht kennen. ‘Afraid To Shoot Strangers’ nimmt den Gegnern die Anonymität und offenbart aufkommende Zweifel an der Sinnhaftigkeit der militärischen Auseinandersetzung. Hierfür dürfte der zweite Golfkrieg von 1990 und 1991 eine traurig reale Inspirationsquelle geboten haben. Das Lied ist ein absolutes Highlight von FEAR OF THE DARK und gehört damit bis heute zu Recht neben dem Titel-Song zum Kandidatenkreis für die Setlist.

‘Fear Is The Key’

Eine weitere Nummer des eingespielten Songwriting-Duos Dickinson/Gers. Inhalt ist der Umgang der Öffentlichkeit mit der Immunschwächekrankheit AIDS. „Sex ist mittlerweile eine Metapher für Angst“, erläuterte Dickinson in einem Interview damals den Ursprung des Texts. „Während des Songwritings erfuhren wir, dass Freddie Mercury verstorben war. In den USA hat AIDS erst Aufsehen erregt, als Magic Johnson öffentlich erklärte, dass er infiziert sei. So lange das nur Homosexuelle oder Drogenabhängige betraf, hat sich keine Sau dafür interessiert.“ Die Epik des Lieds erinnert an Led Zeppelin, insgesamt ist das musikalische Grundgerüst progressiver Natur. Der vorgegebene Takt ist nicht leicht zu „besingen“, selbst von einem Profi wie Dickinson nicht, zumal es im hinteren Teil noch ein bisschen verwirrender zugeht. ‘Fear Is The Key’ hinterlässt abseits der gewichtigen Aussage einen eher zwiespältigen Eindruck.

‘Childhood’s End’

Vielleicht die unterschätzteste Nummer aus FEAR OF THE DARK. Den Old School-Fans mag das Lied zu luftig konzipiert sein, aber im Prinzip schlägt ‘Childhood’s End’ eine ähnliche Richtung ein, wie sie Iron Maiden auf SOMEWHERE IN TIME (1986) verfolgten. Angetrieben von einer eingängigen Harmoniefolge gehorcht der Song einer vergleichsweise simplen Logik, dreht jedoch ab dem Mittelteil ordentlich auf. Für die einen ist das zu repetitiv, für die anderen genau die richtige Mischung aus klassischem Metal und offenen Türen zu neuen Hörerschichten. Und, klar: Über den Zwillingsgitarren schwebt auch hier der Genius von Komponist Steve Harris.

‘Wasting Love’

1991 und 1992 waren große Jahre der Rock-Balladen. Auf MTV rotierten ‘Don’t Cry’, ‘November Rain’, ‘Nothing Else Matters’ oder ‘To Be With You’ praktisch in Endlosschleife. Dennoch dürften sich die Die Hard-Fans verwundert die Ohren gerieben haben, als ihnen ihre Helden ‘Wasting Love’ präsentierten. Akustische Gitarren und Lieder mit extrem hohem Melodieanteil waren zwar schon immer ein Kernmerkmal von Iron Maiden, allerdings hatten es die Briten noch nie gewagt, eine Ballade ohne jeden Tempowechsel einzuspielen. ‘Wasting Love’ stammte ursprünglich aus den Songwritingsessions zwischen Janick Gers und Bruce Dickinson für dessen Soloalbum, ist also auch in dieser Hinsicht ein bisschen artfremd. Das Lied fügt sich dem klassischen Aufbau einer Power-Ballade. Dennoch gibt es die band-typischen Spannungswechsel und grandiose Harmonien zu hören. Der Song wurde im September 1992 als dritte Single veröffentlicht; das Cover zeigt nicht Eddie, sondern eine Szene aus dem Videoclip, der stilistisch stark an Skid Rows ‘Wasted Time’ erinnert.

Alles zum 25. Jubiläum von FEAR OF THE DARK könnt ihr in unserer Mai-Ausgabe 2017 lesen.
Das Heft kann einzeln und innerhalb von Deutschland für 8,90 Euro (inkl. Porto) per Post bestellt werden. Einfach eine Mail mit dem Betreff „Einzelheft Metal Hammer 05/17“ an einzelheft@metal-hammer.de schicken.
Generell können natürlich alle Hefte auch einzeln nachbestellt werden – alle Infos dazu findet ihr unter www.metal-hammer.de/einzelheft.

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