Toggle menu

Metal Hammer

Search

Geisterbahn

von
teilen
teilen
twittern
teilen
mailen

Vor das Vergnügen, den neuen Songs der Schweden lauschen zu dürfen, hat ihre Plattenfirma die Arbeit gesetzt: einen Besuch im Hamburger Dungeon. Vor dem Portal der Touristenattraktion verkündet ein Plakat fröhlich: “Jetzt neu – die Cholera!” Wäre es doch die Pest gewesen! So hingegen entwickelt sich der Haufen Schwarzmetaller für die geplagten Schauspieler zur Seuche. “Wen wollen die eigentlich erschrecken?”, knurrt Sänger Emperor Caligula genervt nach den ersten gescheiterten Versuchen, dieser Meute etwas Angst einzujagen. Zum Fürchten ist höchstens das holprige Englisch der Akteure. Zumindest haben alle etwas zu lachen. Außer den Angestellten, denn ihre Komik ist eher unfreiwillig.

Den Vogel schießt der “Inquisitor” ab: “Jetzt bereut eure Sünden und bittet Gott um Vergebung”, donnert der Darsteller von seiner Kanzel herab. Nach drei ungläubigen Schrecksekunden schallt dem armen Kerl brüllendes Gelächter entgegen, der damit sichtlich überfordert ist.

Die Dungeon-Wärter sind vermutlich heilfroh, als sich die rüde Horde schließlich in die angegliederte Grusel-Spelunke entfernt. Dort gibt es zum Trost ein hervorragendes Büffet und viel Gerstensaft zum Geleit für den nun endlich stattfindenden Hörtest. “Ihr bekommt leider nur die Demo-Gitarren und vier Stücke mit Gesang geboten”, entschuldigt sich Caligula.

Wenn hier bloß Rohversionen ertönen, wie gewaltig soll dann der Endmix klingen? Mit Wucht dröhnt der erste, unglaublich schnelle Song aus den Lautsprechern. Matte Modin ballert von hinten mit einem gnadenlosen Trommelfeuer los, und Caligulas hasserfüllte, getragene Stimme duelliert sich mit surrenden Häcksel-Gitarren. Ein furioser Einstieg in typischer Dark Funeral-Manier. “Es wird unglaublich schwer, diese Dinger später live zu spielen”, murmelt Gitarrist Lord Ahriman aus dem Hintergrund. “Da haben wir zukünftig noch ordentlich dran zu knabbern.” Auch der zweiten Nummer fehlt noch ein Titel, dafür überrascht sie mit Emperor-artigen Strukturen einem geradezu “norwegischen” Sound. Auf frostige Strophen folgt ein brutal gehackter Refrain. ” Der Vergleich mit Emperor wird momentan oft genannt”, merkt Ahriman an. “Aber auch wenn ich die Norweger wirklich liebe, spielen wir doch einen ganz anderen Stil und verwenden Gitarren anstelle des Keyboards.” Die schwedische Black Metal-Schule lässt sich tatsächlich nicht überhören, dennoch sind die Parallelen nicht aus der Luft gegriffen.

Der nächste Brecher rotiert anfangs böse drohend, um dann in einen weiteren Temporausch zu fallen. Aus dem wüsten Tosen wachsen herrlich monotone Hypnosepassagen und vorsichtige Soloansätze, wobei sich unter dem Gebolze an der Oberfläche einmal mehr eingängige Melodien verbergen. “Zum ersten Mal in der Geschichte von Dark Funeral haben wir in den Stücken unterschiedliche Anschlagzahlen (,,bpm”-Anm.d.A.)”, grinst Gitarrist Chaq Mol mit sanfter Selbstironie. Als Viertes stellen die Stockholmer eine Neuaufnahme ihres Klassikers ‘Open The Gates’ vor, die für eine Veröffentlichung in Japan vorgesehen ist. Es spricht für den Gassenhauer, dass er selbst in verschärfter Turbofassung seinen Mitgröhl-Charakter bewahren kann. Die übrigen, noch stimmlosen Kracher bestätigen danach den ersten Eindruck: Anno 2005 klingen Dark Funeral schneller, technisch versierter und härter denn je zuvor. “Wir haben hart an uns gearbeitet und uns bis an die Grenzen getrieben”, berichtet Ahriman stolz. Aus dem rasanten Dauergeschredder ragt dann aber doch noch ein Song hervor: die geplante Single ‘Atrum Regina’ – von Chaq Mol als “unsere Ballade” angekündigt. Wogend, episch und nur halb so schnell wie der Rest, liefert das Mid-Tempo-Prachtstück eine willkommene Abwechslung.

Mit ihrem vorläufigen Titel steht die “Ballade” derzeit allerdings völlig alleine auf der weitgehend unfertigen Album-Flur. Für die unangenehme Verzögerung macht Ahriman eine veränderte Arbeitsweise verantwortlich. “Wir nahmen dieses Mal lediglich einen Haufen Riffs und Ideen mit ins Studio”, erklärt der Band-Kopf. “Erst im Dug-Out-Studio begannen wir mit dem Arrangieren. Unsere Produzenten Daniel Bergström und Örjan Örnkloo machen aber mächtig Druck, so dass wir bald fertig sein sollten.” Diese Ankündigung freut nicht nur Label-Chef Per, denn das vorgestellte Material erwies sich als äußerst vielversprechend.

teilen
teilen
twittern
teilen
mailen