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Machine Head beim Soundcheck

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Mit ihrem aktuellen Album UNTO THE LOCUST haben Machine Head Metal-Geschichte geschrieben: Wohl kein anderes Metal-Album des Jahres 2011 hat Fans wie Medien dermaßen begeistert und so viele Siegerplätze in Leser-Polls und Redaktions-Charts nach sich gezogen. Jetzt haben unsere Oktober-Titelhelden den METAL HAMMER exklusiv dazu eingeladen, beim Soundcheck in der Hamburger Großen Freiheit 36 mit auf die Bühne zu kommen und ihre kleinen Tricks zu dokumentieren.

15:30 Uhr:

Die Crew hat im berühmten Kiez-Live-Club soeben die Aufbauphase des Machine Head-Equipments beendet, Bühnentechniker Larry Clubb und seine Kollegen warten auf ihre Arbeitgeber. Gitarrist Phil Demmel taucht als erster auf, checkt seine vier Gitarren und stöpselt sich sein In-Ear-Monitorsystem in die Ohren. Drummer Dave McClain ist der zweite, er stimmt noch kurz die Snare nach und justiert das Mikro der Hi-Hat. Seine ersten Schläge lassen erahnen, welches Gewitter hier gleich losschlagen wird. Als dritter erscheint Bassist Adam Duce, der noch ein wenig verschlafen ist und etwas von dem “Scheiß-Telefon” murmelt, das ihn heute Morgen schon um zehn zum ersten Mal geweckt hat. Doch sein praller Sound weckt in ihm die letzten müden Zellen. Als nur wenig später Robb Flynn erscheint, nehmen Machine Head erstmals Fahrt auf.

15:45 Uhr:

Obwohl sich Dave die Seele aus dem Leib trommelt, ist der Sound auf der Bühne erstaunlich moderat. Der Grund: Weder Demmel noch Duce oder Flynn benutzen reguläre Gitarrenverstärker plus Boxen, sondern setzen auf sogenannte Amp-Modeller (die wichtigsten haben wir euch in unserer Serie vorgestellt) und speisen deren Sound direkt in Mischpult und In-Ear-Monitoring ein. Dadurch hört man auf der Bühne außer Drums rein gar nichts. Wenn also der FOH-Mischer die Regler auf Null zieht, sieht man zwar drei Saitendehner, die wie wild in ihre Instrumente dreschen, man hört jedoch nur Dave bei der Arbeit. Really strange.

16:10 Uhr:

Während sich die Band zunehmend besser eingroovt, ruft Demmel seinem Techniker Larry ständig irgendwelche Zahlen zu. Des Rätsels Lösung: Sowohl Demmel als auch Larry haben ein Pedalboard vor sich liegen, auf denen die unterschiedlichen Gitarrensounds, die Demmel benötigt, abgespeichert und jeweils zum entsprechenden Song abgerufen werden. Also sieht man Demmel kurz vor einem Solo seinem Techniker die Nummer 13-3 zurufen, zum Solo plötzlich die Nummer 13-4, später bei einem langen Rhythmuspart dann die Nummer 13-1. Magie? Nein, sondern Technik, die auf einem ausgeklügelten Pedalsystem des Rack-Papstes Bob Bradshaw basiert.

16:20 Uhr:

Dave unterbricht den Soundcheck. “Im Mittelpart passt etwas nicht”, erklärt er Robb nach dem Anstimmen von ‘Locust’. “Phil und du seid da nie ganz synchron, und ich kann deswegen die erste und letzte Note nicht genau heraushören. Gestern Abend in Kopenhagen wusste ich kurzzeitig überhaupt nicht mehr, was ich trommeln soll.” Flynn hat sofort eine plausible Erklärung parat: “Gestern in Dänemark habe ich mich verschaltet, da hatte ich plötzlich diesen spacigen Fuzz-Sound und konnte selbst keine einzelnen Töne mehr hören.” Aber McClain bleibt hartnäckig: “Es liegt nicht nur am Sound, ihr spielt diese Passage mit einem unterschiedlichen Rhythmusgefühl. Ich habe ständig den Eindruck, dass du auf Eins, Phil jedoch auf Eins- und anfängt. Bitte überprüft das.” Gesagt, getan: Demmel und Flynn klären die erforderliche Zählzeit, und die besagte Stelle wird anschließend noch zweimal geprobt.

16:30 Uhr:

Robb steht mittlerweile mit seiner Gitarre neben dem Mann am Mischpult, um den Sound zu kontrollieren – ohne dass Machine Head die Probe unterbrochen haben: Auch Flynn spielt munter weiter. Unterdessen erscheint sein Roadie auf der Bühne und bedient nicht nur die Kanalumschaltung, sondern bewegt gekonnt auch das Pedal des Wahwahs zu einem Flynn-Solo. Kein Zweifel, auch sein Techniker hat Metal im Blut! Chapeau! Dann testet Demmel erstmals seine Akustikgitarre: Zunächst kommt kein Ton heraus, doch dann bemerkt Larry den Fehler: Der Lautstärkeregler war nicht aufgedreht. Kurzes Grinsen aller Beteiligten – so etwas passiert also auch Profis!

16:45 Uhr:

Der Soundcheck ist beendet. Machine Head haben fünf Nummern vollständig durchgespielt, allerdings: komplett ohne Gesang! Robb will seine Stimme schonen, zumal ihm die feuchtkalte Luft in Hamburg etwas Sorgen macht und er überdies noch zwei Interviews geben muss. Aber Demmel ist jetzt für ein paar Fragen zur Machine Head-Technik bereit.

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