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No Man’s Sky: Test-Tagebuch. Jetzt mit Teil 2 und Wertung!

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Bruchlandung am Rande des Universums

Eine weite Ebene des in wunderschönen Pastellfarben erstrahlenden Planet “Sunray” liegt vor mir. Ja, ich habe diesen einmaligen Ort zwischen den Sternen so getauft. Ein simples, gegensätzliches Wortspiel, denn hier herrschen Temperaturen von bis zu 40 Grad unter Null, was meinem Raumanzug ganz schön zusetzt. Mein kleines, klobiges Raumschiffchen ist ziemlich mitgenommen: Impulsantrieb und Start-Booster sind zerstört, mein Scanner und meine Anzeigen funktionieren nicht richtig. Nur eine merkwürdige rötlich-pulsierende Kugel aktiviert sich nach meinem Erwachen irgendwo am Rande des Universums. ‘Atlas’ spricht zu mir. Fordert mich auf, mein Raumschiff zu reparieren und mich zu den Sternen aufzumachen. Es lässt mir die Wahl: Folge ich ihm, oder verlasse ich mich auf mein eigenes Gespür?

No Mans Sky 1
Der Start in ein Weltraum-Abenteuer

Die Technologie hinter der in ihrer Gesamtheit atemberaubenden Pastellkulisse ist dabei mehr als nur beeindruckend: Mit schierer Mathematik hat das kleine Studio Hello Games mal eben das größte Spiel-Universum aller Zeiten geschaffen, das in seiner Gesamtheit sogar die Ausdehnung des von den Menschen beobachtbaren Bereichs des realen Universums übertrifft. Kurz: Das ist verdammt groß. Ähnlich wie bei Minecraft wurden die Welten durch eine Formel berechnet, der eine sogenannter „Seed“ zugrundeliegt, der – reproduzierbar – für die Verteilung der einzelnen Elemente sorgt. Dabei sind Flora, Fauna, Position und Art der Planeten zwar gefühlt zufallsgeneriert, das Universum an sich ist aber persistent und vor allem berechenbar. Kehrt man zu einem Himmelskörper zurück ist er so, wie man ihn zurückgelassen hat. Inklusive aller Veränderungen. Für das kleine 15-Mann-Team eine unglaubliche Leistung.

Wandern, Sammeln, Bauen, Entdecken

Zurück zu “Sunray”: Ich folge der außerirdischen Macht – so fühle ich mich immerhin nicht ganz so alleine hier draußen. Doch bevor an die Sterne zu denken ist, muss erstmal ganz bodenständig zum Multitool gegriffen werden: Mit dem Bergbaulaser schneide ich mich durch Felsen und Bäume, durch rote Kristalle und dunkle Monolithen. Ich sammle Plutonium, Iridium, Platin und Kohlenstoff, repariere meinen Scanner und entdecke immer mehr kleine und große interessante Orte. Was ist denn das für ein Monolith? Hier ist noch eine Kiste – und was hat es mit diesen Sendemasten auf sich? Bei meinem Trip entferne ich mich immer weiter von meinem Raumschiff – und stehe plötzlich in einer kleinen Basis, in der mich ein fremdartiges Alien empfängt, das einer Krieger-Rasse zu entspringen scheint. Ich verstehe kein Wort, handele aber mit der Übergabe von Ressourcen instinktiv richtig. Zur Belohnung erhalte ich eine Blaupause. Zudem finde ich eine Konsole, an der ich ein neues Wort der Alien-Sprache erlernen kann.

Jetzt schnell zurück zum Raumschiff – aber war da vorne nicht noch ein Tier, dass ich noch nicht per Scan in meiner Datenbank festgehalten und mit “NasenBärchenMon” festgehalten habe? Dank der unheimlich atmosphärischen Umgebungen mit ihrem sich im Wind wiegenden, purpurnen Gräsern, ihren herumtollenden, kleinen Viechern (auf “Sunray” gibt es keine Carnivoren) und dem hervorragenden, erstaunlicherweise ebenfalls prozedural generierten Soundtrack der Post-Rocker von 65DaysOfStatic, fühlt man sich wie in einem Cover eines Sci-Fi-Romanes der 60er oder 70er Jahre. Ärgerlich sind auf der PS4 dabei deutlich zu spät aufploppende Details, Gebäude und Berge, sowie das sichtbare „streamen“ der Umgebung, wenn man im Raumschiff unterwegs ist. Dynamisches Wetter und sehenswerte Tag-Nacht-Wechsel bieten aber einen schönen Ausgleich für diese Schwächen.

Der Weg ist das Ziel

No Man’s Sky ist definitiv kein Spiel für den Liebhaber hektischer Shooter oder epischer Erzählungen. Stattdessen ist die Ressourcen-Sammelei, das Aufladen der Lebenserhaltungssysteme, das umfangreiche Crafting und vor allem das Untersuchen der fremdartigen Lebensformen der zentrale Spielinhalt. So streift man vor der Reparatur seines Raumschiffs gut und zwei bis drei Stunden über den Startplaneten, der nur einer von 18 Trillionen prozedural generierten Himmelskörpern in diesem schier unendlichen Spieluniversum ist. Dabei wird man immer wieder von den Wachdrohnen attackiert, wenn man sich deutlich zu offensiv an den natürlichen Ressourcen der Umgebung vergreift. Naturschutz in Rabiat. Space Shepherd, sozusagen.

In der Ruhe dieser weiten Landschaft liegt die Weltraum-Kraft.
In der Ruhe dieser weiten Landschaft liegt die Weltraum-Kraft.

Man verbringt währenddessen viel Zeit im Inventar, sortiert, organisiert, bastelt, verwirft, verbessert und verschiebt. Man scannt, läuft, sammelt und entdeckt. Nur selten spricht man mit anderen intelligenten Lebensformen, die einem in rudimentären Gesprächen Hintergründe ihrer Zivilisation offenbaren – so man denn zuvor an Monumenten und Steelen genug Worte der fremdartigen Sprachen gelernt hat, um in dem Kauderwelsch Sinn zu erkennen. Oder man handelt an Terminals, verkauft seltene Gegenstände oder ersteht Rohstoffe, um endlich diese Starttriebwerke reparieren zu können. Zudem gibt es ab und zu kleine Zahlenrätsel, die einem die Entdeckung neuer, interessanter Bereiche ermöglichen.

Der Start in den Weltraum

Hat man dann nach ein paar Stunden alles beisammen, das Raumschiff mit Plutonium und Thamium-9 betriebsfertig gemacht und hinter dem Steuerknüppel platzgenommen, kommt der erhabenste Moment des Spiels: Auf Knopfdruck steigt der kleine Flitzer in die Luft und mit einem kräftigen Schub des Boost-Antriebs verlässt man nahtlos und ohne Ladezeit die Atmosphäre. Hier bekomme ich erstmals vor Augen geführt, wie unglaublich gigantisch die Größenverhältnisse in No Man’s Sky sind: Der Planet, von dessen Oberfläche ich nur einen winzigen Bruchteil erkundet habe, verschwindet schnell hinter mir, erst recht nachdem ich den Sublicht-Antrieb anschmeiße und mich zur nächsten Raumstation aufmache. Mit einem Druck auf das Steuerkreuz kann ich zudem eine Sternenkarte öffnen, die die wirkliche Größe dieses Universums offenbart: Eine unvorstellbare Zahl von Sternen erwartet mich und nur ein dünnes Band zeigt in die Richtung, in der, nach einer Reise von 175.000 Lichtjahren, das Zentrum auf mich wartet. Man kann das Gefühl, das einen beim Anblick dieser Größe beschleicht, kaum beschreiben.

Spätestens nachdem man sich einen Warpantrieb gebastelt und ihn mit einer Warpzelle sprungbereit gemacht hat, ist es dann Zeit sich für immer von “Sunray”, “Coldburn Vektar” und all den anderen Planeten im Startsystem zu verabschieden. Auf meiner Reise werde ich unzählige Sternensysteme besuchen, hunderte Planeten sehen und tausende Tier- und Pflanzenarten dokumentieren (und dabei möglichst dämliche Namen zu verteilen, die nicht vom Schimpfwort-Filter aussortiert werden.)

Der lange Grind

Nach einigen Stunden stellt sich allerdings langsam aber sicher Routine ein: Neue Planeten entdecken, erkunden, Ressourcen abbauen und verkaufen. Obwohl alles zufällig generiert ist, findet man – ähnlich wie im realen Universum – überall die selben Grundbausteine, die man ja auch für Antriebe, Schilde und Waffen braucht. Dummerweise sind aber auch die Raumstationen, Handelsstationen und Fabriken überall sehr ähnlich und belohnen die Entdeckung im späteren Spiel immer spärlicher. Kann man zu Beginn noch viele der gefundenen Technologien gut gebrauchen, findet man später immer öfter Blaupausen, die man bereits besitzt, was den Erkundungsreiz empfindlich dämpft. Ja, die Atlas-Pässe sind eine gute Idee um im Standard-Layout der Stationen im späteren Spielverlauf um neue Räume zu erweitern, letztlich ist die Zahl der Möglichkeiten aber begrenzt.

Zudem rücken immer mehr dramaturgische Probleme in der Vordergrund – da man der prozeduralen Generierung große Teile der Regie überlässt und nur eine sehr lose erzählte Handlung in das gigantische Universum eingewoben hat (deren Auflösung zudem nicht so richtig toll sein soll, Vorsicht: massiver Spoiler!), führt man schnell immer wieder die gleichen belanglosen Dreizeiler-Gespräche mit immer nur minimal anders ausstaffierten Aliens. Nicht missverstehen: No Man’s Sky war nie als Spiel angekündigt worden, was überhaupt eine Handlung mitbringt. Dennoch bin ich dieser Platzhalter-Gespräche schnell überdrüssig, zumal sie nie wirklich Konsequenzen für den weiteren Spielverlauf haben.

„Kein Platz im Inventar”

Ein richtiges Ärgernis ist schnell der viel zu knappe Platz im Raumanzug und –Schiff: Das Inventar ist in rasender Geschwindigkeit gefüllt, sodass man ständig irgendwelchen Kram an Verkaufsstationen abliefert, einfach um überhaupt wieder die Möglichkeit zu haben Dinge aufzuheben. Die Erweiterung ist mühselig, kostspielig und erst nach dem Erhalt des ersten Atlas-Passes wirklich sinnvoll möglich. Dazu kommt, dass neue Raumschiffe unglaublich teuer sind und man stundenlang Ressourcen Grinden muss, um sich einen neuen fliegenden Untersatz besorgen zu können. Immerhin: Hier ist, wie schon erwähnt, der Weg das Ziel, denn meist wird man mit spektakulärem Blick über die Planeten belohnt.

Nervig sind aber die technischen Fehler, von denen vor allem die Abstürze mit zunehmender Spielzeit gefühlt häufiger werden – und in den ungünstigsten Momenten passieren. Vor allem bei dem Warp in ein neues System schmiert die PS4 trotz des initialen Updates auf Version 1.03 gerne ab. Ein technisches No-Go, da sich teilweise nicht nur das Spiel, sondern die gesamte Konsole mit einem eingefrorenen Bildschirm verabschiedet. Hier werden Erinnerungen an das PC-Gaming unter Windows 95 wach. Indie hin, 15-Mann Team her: Da wurde schlicht und ergreifend unsauber gearbeitet.

Dennoch keine Katastrophe

Trotz der Routine und der Abstürze macht No Man’s Sky aber auch nach dutzenden Stunden noch Spaß. Dann nämlich, wenn es seine entspannende Stärke als Erkundungs- und Wandersimulator ausspielt und mich über wunderschöne Planetenoberflächen streifen lässt. Wenn es mich nach Feierabend aus dem Alltag herauszieht und mir bizarre Riesen-Dinos, kleine fluffige Miniviecher (die man auch noch füttern kann, wie herzallerliebst!) oder absurde, hüpfende Halb-Würmer in einer purpurfarbenen Landschaft unter grünem Himmel vorsetzt. Wenn es mich durch Höhlen streifen, oder mit meinem Raumschiff durch riesige Asteroidenfelder rasen lässt. Und, sind wir ehrlich: Mehr wurde uns auch nicht versprochen

Fazit

Der Einstieg von No Man’s Sky ist herausragend: Das angenehm entschleunigte Sammeln, die langen Spaziergänge, die tolle Aussicht – all das macht Lust auf mehr. Auch das Ressourcen- und Platzmanagement, das Suchen nach neuen Sprachfetzen der Alien-Rassen, das finden von Upgrades und Teilen motiviert. Doch eine Frage stellt sich trotzdem: Wie lange kann diese Spirale aus Landen-Entdecken-Basteln-Fliegen wirklich motivieren? Wie entwickelt sich No Man’s Sky, wenn man endlich einen der notwendigen Atlas-Pässe gefunden hat, um auf weitere Technologien zugreifen zu können? Wie schnell stellt sich trotz prozeduraler Generierung das Gefühl ein, immer nur das gleich zu sehen? Und was hat es mit diesen unheimlichen, gottgleichen Wesen eigentlich auf sich? Doch mit der Zeit stellt sich die erwartete Routine ein: Immer die gleichen Ressourcen müssen immer wieder auf die gleiche Art abgebaut werden, immer wieder muss das zu kleine Inventar geleert und immer wieder die gleichen Gesprächsfetzen angeklickt werden. Immerhin bieten Atlaspass und Co. Neue Räume in alten Stations-Layouts, doch Abstürze und technische Probleme nerven gleichzeitig immer mehr. Es steckt viel Potential in diesen unendlichen Weiten, die auch nach dutzenden Stunden noch durch ihr Flair, ihren Look und ihre mitunter zum Schneiden dichte Atmosphäre begeistern. Dennoch wäre hier mehr drin gewesen.

Screenshot // PS4
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