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Umbra Et Imago

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“Wenn meine Hose platzt, kriegt ihr da vorne was zu sehen. Ich habe nämlich nichts drunter, und ich spiele auch nackt weiter”, verkündet Mozart, Frontmann der Karlsruher Gothic-Band Umbra Et Imago. Doch allen Versprechungen oder Drohungen zum Trotz müssen die Fans feststellen, dass Lack ein sehr dehnbares Material ist. Der Hirsch ist gut besucht und beweist sich mit Allwetter-Biergarten und gemütlicher Kneipe als kultiger Veranstaltungsort. Auf der Bühne findet sich neben Piratenflagge und bekerztem Predigerpult ein übergroßes Stahlkreuz, an dem heute noch manch’ ein Busen im Wind baumeln wird. Wie sich das für die Anhänger der Mephistogarde gehört, erscheint die Band im Wallenebel unter dröhnendem Donnergeheul. Mit Dornenkrone und bösem Schmollmund begrüßt Mozart seine Jünger und gibt uns gleich eine Kostprobe seines volltönenden Basses. Das Schlagzeug erscheint anfangs etwas zu laut, das rollende “r” etwas zu Lindemann-mäßig, und auch die Musiker könnten etwas mehr Körpereinsatz zeigen.

Doch der Beat ist wirklich gut, und schon bei dem zweiten

Song Prinz Vogelfrei’ geht es in der Halle wirklich ab. Obwohl zu diesem Zeitpunkt noch kein hüpfender Busen auf der Bühne gesehen ward. Nur Mozart lässt mehr oder weniger gelungen die lackverpackten Hüften kreisen. Mal verschwörerisch flüsternd, dann wieder hüpfend, bangend und armerudernd bringt er Leben auf die Bühne. Im Publikum allerdings wird es wieder etwas stiller. Stieren und Tanzen ist dann doch etwas zu viel für die armen Franken. Denn während Mozart teuflisch grinsend von “toten Körpern”, “Blut” und anderem Getier singt, reißen sich zwei Pseudo-Nonnen die Kutten vom Leibe und begießen sich mit Wachs und Buttermilch. Oder war es doch Rattensperma? Whoopie Goldberg wäre stolz auf sie, doch sehr glücklich sehen die beiden dabei nicht aus. Sogar Mozart schüttelt sein Haupthaar, grünlich angelaufen, was aber auch an den Lichtverhältnissen liegen kann. Allerdings beweist sich der Frontmann als sehr publikumsfreundlich und sucht immer wieder den Kontakt zu den Fans. Ob er zugibt, gerade “überhaupt nichts zu hören”, einen abgebrochenen Song noch ein zweites Mal spielt, als das Schlagzeug aussetzt, oder im Publikum seinen Pogo zuende tanzt, das alles schafft Sympatien für den verrückten Vogel auf der Bühne. “Was bist du denn eigentlich für eine Nervensäge?” fragt er einen Fotografen, der während der Show zwischen den Musikern herumhoppelt, und spricht damit aus, was alle denken. Doch spätestens als Mozart mit einer seiner Gespielinnen auf seinen nackten Schultern über die Bühne stolziert, beginnen die grauen Zellen zu arbeiten. Wieso wird die Dame erst nach Mozarts Aufforderung mit Applaus bedacht? Macht das Umbra-Publikum nichts ohne Anraten ihres Meisters? Sind die Nürnberger völlig verklemmt und einfach schockiert? Oder sind die meisten Leute vielleicht doch hauptsächlich wegen der Musik gekommen? Anzunehmen wäre es bei dieser Reaktion.

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