Schätze

Kiss - Rock History - Teil 1: Die Gründerjahre

Der größte Rock'n'Roll Zirkus der Welt

Zum Tag des Kusses (06.07.2012) graben wir aus unserem Archiv aus: Den ersten Teil der Kiss-History aus dem METAL HAMMER 01/1986!

Foto:
METAL HAMMER
Kiss im METAL HAMMER 01/1986

"Wir wußten von Anfang an, daß wir mal berühmt sein würden. Wie berühmt genau, wußten wir nicht, aber es war uns klar, daß wir einmal irgendwo zu den ganz Großen gehören würden."

Minderwertigkeitskomplexe scheint er nicht zu haben, der Hüne mit der großen Sonnenbrille. Überheblich lächelnd sitzt er mir in einem Garderobenraum gegenüber und blättert selbstgefällig in reichlich bebilderten Artikeln über sich und seine Band. Und wie schon seit Jahren kommt es eine Stunde später aus der P.A.: "You wanted the best, you got the best: the hottest band in the world" Jeder weiß was jetzt kommt!

Dies ist die Geschichte von Kiss, eine History, die sich in Superlativen schreibt. Dreizehn Jahre Erfolg im Rockbusiness, weltweit fast 60 Mio. LP-Einheiten verkauft, Auftritte insgesamt vor mehr Publikum als die Beatles oder die Rolling Stones.

Kiss setzten Maßstäbe für folgende Heavy-Rock Generationen in Sachen Show und Promotion, aber im selben Maße bereiteten sie auch anderen den Weg. Van Halen wurde von ihnen entdeckt, die Liste der Bands, die im Kiss-Vorprogramm aufgrund absoluter Fairness den Grundstein für ihre Karriere legen konnten, liest sich wie ein Who's Who des Heavy Metal: Scorpions, Judas Priest und Iron Maiden sind nur einige der Namen einer Reihe von absoluten Top-Acts dieser Zeit. Das Erfolgsrezept von Kiss bringt der eingangs zitierte Gene Simmons auf einen simplen Nenner: "Wir hatten das Glück zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein." So sehr dies den Kern der Sache trifft, es steckt noch mehr hinter dem wohl größten Rock'n' Roll-Zirkus aller Zeiten. METAL HAMMER forschte in den Archiven, sprach mit den Hauptakteuren und hier ist das Ergebnis: Eine ausführliche History der selbsternannten "hottest band in the world".

Zwei Personen des ursprünglichen Kiss-Stammes sind auch 1986 noch mit von der Partie und dies sind mit Paul Stanley und Gene Simmons auch die eigentlichen Köpfe und Begründer dieses Rock Acts. Umso verwunderlicher sind die Parallelen in der Jugendzeit beider Musiker (oder waren diese vielleicht Grundstein des gegenseitigen Verständnisses und Erfolges?).

Gene Simmons wurde am 25.08.1949 in Haifa im Staat Israel geboren. Unter seinem bürgerlichen Namen Gene Klein wuchs er dort auf und genoß eine jüdische Erziehung. Erst später wanderten seine Eltern nach Amerika aus. Schwierigkeiten mit der Umgewöhnung bekam Gene eigentlich nicht: "Schon in Israel verbrachte ich die meiste Zeit vor dem Fernseher, in den USA wurde ich zum totalen Einzelgänger, anstatt mit Gleichaltrigen durch die Gegend zu streunen, befaßte ich mich lieber mit Comics und der Flimmerkiste." Der einzige Sproß der Kleins wog zu dieser Zeit über zwei Zentner, wurde von den anderen verspottet und gibt heute freimütig zu: "Eigentlich hatte ich nie richtig Lust Musik zu machen, ich stieg nur in Bands ein, um mich zu profilieren und etwas Besonders zu sein. Ich war eher für billige Effekte, große Sprüche und ausgefallenes Auftreten zu haben, als für lange Proben. Ich wollte nie als Musiker ernstgenommen, sondern einfach von den anderen anerkannt werden."

Damals hörte man Musik von Chubby Checker und weil Gene in der Schule Twist-Champion geworden war, bekam er ein Angebot, als Leadsänger bei der Rock'n' Roll Band "The Long Island Sounds" einzusteigen. Dort versuchte er sich am gerade modischen Falsetto-Gesang mit näselndem englischen Akzent. Dies war die erste Station einer Reihe von Bands, die den korpulenten Sänger mit der Zeit zu lokalem Bekanntheitsgrad verhalfen. Nach "The Long Island Sounds" ging es weiter mit "The Missing Link", "Rising Sun" und der von vielen wohl bekanntesten Gruppe "Bullfrog Beer". 1968 während seines Studiums gegründet, sammelte er bei dieser Formation erste Erfahrungen als Bassist und Songwriter; einige Bullfrog Beer-Titel erscheinen auch noch auf den ersten Kiss-LP's und Simmons' Soloplatte. Auf anderen Gebieten war der Musiker allerdings weniger erfolgreich. 1970 hatte er sein Studium abgeschlossen und trat eine Stelle als Lehrer an. Simmons bekam den in späteren Songs gepriesenen Generationskonflikt am eigenen Leib zu spüren. "Die Kids waren 12-13 Jahre alt, also genau in der Phase, in der sie gegen alles rebellieren, besonders gegen Eltern und Lehrer." Nach wenigen Wochen schmiß er total entnervt den Job, bestärkt jedoch in dem Willen, Rockmusiker zu werden. Bullfrog Beer wurde auf örtlicher Ebene zu einer bekannten Band, so daß es von Zeit zu Zeit auch finanziell lukrative Auftrittsangebote gab. Vor einem dieser gutbezahlten Gigs erkrankte jedoch der Leadgitarrist so schwer, daß Gene sich kurzfristig nach einem Ersatzmann umsehen mußte. In seiner Not fiel ihm der ehemalige Leadgitarrist von Long Island Sounds Steve Coronel ein, dem er es zutraute, das Programm schnell einzustudieren. Er machte sich auf den Weg zu Steve und traf in dessen Wohnung dann einen Jungen, der ihm als Stanley Eisen vorgestellt wurde...

Dieser Stanley Eisen (ja genau, später nannte er sich Paul Stanley) hatte in seiner Kindheit ähnliche Schwierigkeiten wie sein späterer Mitstreiter. Am 20.01.1950 geboren, wuchs er in Queens, New York, in jüdischen Mittelklasse-Verhältnissen auf. Als einziges jüdisches Kind in der Nachbarschaft mußte Paul sich einiges gefallen lassen, "zudem mußt Du Dir vorstellen, daß ich so ein richtiger Pummel war, mit fettigen Haaren und Pickeln im Gesicht, einer von der Sorte, die nie auf Partys eingeladen werden." Eine ganze Zeit lang besuchte Paul die "Music and Art School", aber nicht die Musik- sondern die Kunstklasse (Paul zeichnete später u.a. das Backcover der "Asylum"-LP).

Wie viele andere Musiker wurde er jedoch von der englischen Invasion, den Beatles, Stones und Yardbirds mitgerissen. Und wieder ist man an Simmons Geschichte erinnert: "Als ich die ganzen Rocksendungen im Fernsehen sah, wollte ich auch so einer werden, dem die Mädchen zu Füßen liegen und dem man das Frühstück an's Bett bringt. Da ich schon immer eine starke Willenskraft besaß, nahm ich radikal ab und belegte einen Gitarrenkurs. Dort wurde jedoch mehr Klassik unterrichtet und nicht die Riffs von den Who, wie ich mir das gedacht hatte, also brachte ich mir das Spielen selbst bei."

Damals verfaßte Paul Protestsongs und trat mit Gitarre und Mundharmonika auf. Danach stieg er mit 15 Jahren, immer als jüngstes Mitglied, in verschiedene Bands ein, die er jedoch meist schnell wieder verließ: "Die wollten lieber in ihren Kellern hocken und üben, ich wollte aber raus auf die Bühnen."

Nach dem Schulabschluß konzentrierte der ehrgeizige Paul seine ganze Energie auf eine Drei-Mann-Kapelle namens "Uncle Joe", jedoch feuerte er bald den Gitarristen. "Ich wollte echten Rock'n' Roll spielen, er Blues. Also holten unser Drummer und ich einen neuen Mann namens Steve Coronel. Eines Tages war ich bei ihm zu Besuch, um ihm einige neue Nummern von mir vorzuspielen. Plötzlich klingelte es, und ein fetter Typ mit Bart trat ein und blickte überheblich in die Runde. Er brauchte Steve für einen Gig, weil sein Gitarrist krank war. Steve stellte mich dem Fettsack vor und sagte: 'Das ist mein Freund Stanley; er schreibt auch Songs'. - 'Ja? Du schreibst Songs?

Dann spiel mir doch mal ein paar vor.'

Ich hatte gerade den Song "Sugar Driver" komponiert, der auf dem ersten Kiss Album unter dem Titel "Let Me Know" erschien und war sehr stolz auf die Nummer. Nach dem letzten Akkord sagte der Dicke: 'Tja, das hast Du nicht schlecht gemacht Stanley. Das kommt fast an mein eigenes Material heran.' Der Typ war Gene Simmons. Und ich haßte ihn."

Nachdem die ersten Treffen dieser beiden also von gegenseitiger Abneigung gezeichnet waren, denn Gene war eifersüchtig auf Pauls Talent, der wiederum hielt den anderen für arrogant, raufte man sich letzten Endes doch noch zusammen. "Ich begriff schnell, daß Gene sehr talentiert, und sein Verhalten nur gekünstelt war. Er ist ein sehr intelligenter Typ, der mit mir zusammen ein phantastisches Team bildete." Anfang 1972 hatte man viele Stücke zusammen geschrieben und Paul bedrängte Ron Johnson, einen Toningenieur der bekannten "Electric Ladyland Studios" so vehement, daß sich dieser eines Tages im Proberaum der Band, in Chinatown, blicken ließ. Von dem Zusammentreffen mit den beiden Musikern war Johnson dann aber wohl so beeindruckt, daß er der Gruppe erlaubte, in dem riesigen Studiokomplex einige Aufnahmen zu machen - ohne Bezahlung. Gene: "Das Ergebnis war nicht gerade umwerfend, aber die CBS kaufte uns das Band ab. Zum Glück ist es nie veröffentlicht worden, und wir haben sie auch nie wissen lassen, daß sie ein paar Kiss-Aufnahmen im Archiv haben."

Damals nannte die Gruppe sich noch "Wicked Lester und nach einer Umbenennung in Rainbow bekam man später auch ein Angebot des kleinen Buddha-Labels, bei dem man sich mit dem Band beworben hatte. Zur Produktion kam es jedoch nie, weil Rainbow sich einfach auflösten. Chef von Buddha war übrigens ein gewisser Neil Bogart, von dem wir später mehr hören werden. Nun war die Gruppe also aufgelöst und das Duo machte sich auf die Suche nach neuen Musikern. Gene fiel eine Kleinanzeige im "Rolling Stone" auf: "Drummer, 11 Jahre Erfahrung, ist bereit, alles zu machen, um an die Spitze zu kommen." Sofort rief er diesen Peter Crisscoula an, der wirklich schon eine ansehnliche Musikerlaufbahn vorweisen konnte. Am 20.12.1945 geboren, wuchs er in Brooklyn auf, hörte Big Band-Musik und war Mitglied in diversen Straßengangs und Kellerbands ohne Zukunft. Nach Schlagzeugstunden von Gene Kruppa, dem Jazz-Drum-Mastermind persönlich, spielte Peter jahrelang in der Formation Chelsea, die sogar auf dem DECCA-Label eine Platte veröffentlichten. Aber auch diese Gruppe löste sich irgendwann auf und Peter verheiratete sich erst einmal (ist das vielleicht der Grund für das frühzeitige Ergrauen seiner Haare?) Als er plötzlich wieder Lust dazu hatte weiterzuspielen, setzte er die bekannte Anzeige in den "Rolling Stone". So bekam er noch am Erscheinungstag der Zeitung von Gene einen Telefonanruf, bei dem die erste Frage war: "Bist Du dick?" Gene Simmons später dazu: "Wir setzten von Anfang an voraus, daß musikalisch alles stimmte. Paul und mir war es viel wichtiger, daß es in Sachen Optik keine Probleme gibt." Überheblich, wie es seine Art ist, bestellte Gene den Drummer gleich in die Ladyland-Studios.

Peter: "Ich dachte wer weiß, was für Supermusiker mich dort erwarteten und als ich ankam, saßen dort zwei absolut verrückte Vögel, die ihre Instrumente dazu noch ziemlich schlecht spielten. Sie waren auf dem Led Zeppelin-Trip, ich stand auf die Stones. Wir brachten zusammen eigentlich nichts Vernünftiges zustande. Trotzdem beschlossen wir, es mit Geduld und Proben zu versuchen." Bis zu 13 Stunden täglich verbrachte das Trio in den Räumen in Chinatown damit zu üben und immer neue Maskeraden zu testen, denn der Gedanke, sich nur geschminkt zu zeigen, reifte schon damals. Peter machte sich als Katze zurecht, Gene zauberte sich etwas Ausgefallenes. Vampirähnliches ins Gesicht. Paul schminkte sich weiß und hatte im Gegensatz zu dem späteren Stern eine Art Larve über das Gesicht gemalt. Am Neujahrsabend 1973 hatte dieses Makeup Premiere; vor einigen Freunden wollte man die Reaktion auf die neue Show testen. Am Ende erkannten die drei ihren Schwachpunkt, entschlossen sich, Ausschau nach einem weiteren Gitarristen zu halten und gaben in der "Village Voice" einfach das Inserat auf: "Hardrock-Band mit Plattenvertrag sucht Gitarristen". Die Rechnung ging auf. Paul erzählt später: "Die Leute rannten uns die Bude ein, nur war leider nichts Gescheites darunter." Am Ende entschied man sich für den heutigen Meatloaf-Gitarristen Bob Kulick. dessen Bruder Bruce derzeit den Posten des Kiss-Leadgitarristen besetzt. Man hatte schon einige Proben mit Bob durchgezogen, als eines Tages ein gewisser Paul David Frehley verspätet in den Proberaum schneite. "Er trug am rechten Fuß einen orangefarbenen Turnschuh und am linken einen roten. Und im Gesicht hatte er einen orangegetönten Schnurbart." Paul erinnert sich: "Bob stand noch mit umgehängter Gitarre im Raum als Ace hereinkam. Dieser Ausgeflippte war sehr unhöflich, setzte seine Gitarre in Gang und bretterte los, bevor er überhaupt einen Ton gesagt hatte. Dennoch beeindruckte uns sein Spiel so sehr, daß wir gar nicht anders konnten, als mitzujammen. Von da an war alles klar."

Mit Ace Frehley, wie er sich später nannte, hatte das Quartett nun einen Rock'n' Roller aus dem Bilderbuch in ihrer Band. Am 27.4.1950 geboren, zeugt sein Gesicht noch heute von seiner Bronx-Herkunft, tiefe Narben, die ihm ein Jugendbandenrivale mit einer zerbrochenen Flasche ins Gesicht schlug, konnten bis heute nicht chirurgisch beseitigt werden. Ace Frehley war ein Strolch, der, früh straffällig geworden, schnell zum Stammgast des Polizeireviers in seinem District avancierte. Seinen Vorbildern Clapton, Page, Townshend und Richards nacheifernd, diente er sich durch zahlreiche Untergrundbands, deren auf der Szene bekannteste wohl die Rolling Stones-Kopie "The Four Roses" war. Nebenbei machte er seine Lizenz als Taxifahrer, um so auf den Straßen New Yorks zu Geld zu kommen. Nur einen Namen brauchte das nun komplettierte Quartett noch. "Eine Woche lang nannten wir uns Lips", erinnert sich Paul, "bald gefiel mir dieser Name jedoch nicht mehr. Ich traf die anderen und schlug den Namen Kiss vor. Keiner widersprach oder lachte, so einfach war das!"

Später gab es immer wieder Versuche, den Namen und die Form der Symbole zu deuten. Außer einem Punkt auf dem i unterschied sich das damalige Logo nicht vom heutigen. Die Anlehnung des SS in diesem Logo an das deutsche Nazi-SS-Symbol streitet der "Erfinder" Ace jedoch ab. "Ich wollte irgendetwas haben, das schneidig aussieht, aber so einfach ist, daß es Kids auf Schulbänke ritzen oder sich mit Nieten auf Jacken nachmachen konnten." Nebenbei wurde in Deutschland, wo das Logo in dieser Form verboten wurde (Plattencover wurden neugestaltet, für Deutschlandtourneen lagert ein "entschärftes" Kiss-Logo das ganze Jahr über in einem deutschen Kaufhauslager), vielleicht die jüdische Abstammung Stanleys und Simmons' vergessen, die somit wohl kaum Interesse an dieser Art von Schleichwerbung oder politischer Stellungnahme hatten. Zu Annahmen solcher Art trugen auch die in dieser Zeit entworfenen, schwarzen, mit Silber beschlagenen, Kiss-Kostüme bei, die der begabte Paul selbst schneiderte.

Der erste echte Livegig von Kiss sollte am 28. Januar 1973 in einem Laden namens "Popcorn" in Queens stattfinden. Zwar rührte man groß die Werbetrommel, aber irreführenderweise benannte sich der Club kurze Zeit vor dem Auftritt in "Coventry" um, und war am großen Tag fast leer. Auch die zwei weiteren Coventry-Gigs waren nur mäßig besucht, so daß man immer mehr in Finanznot geriet. Gene war der einzige, der als Mitarbeiter des Modemagazins "Vogue" einen festen Job hatte, Ace lieferte von Zeit zu Zeit Flaschen für einen Schnapsladen aus, Paul und Peter machten ihre Taxifahrerlizenz. Trotzdem erspielten Kiss sich in diesen Clubtagen einen immer größeren Bekanntheitsgrad, nicht zuletzt durch eine irrwitzige Eigenwerbung, für die mehr Geld ausgegeben wurde, als für das gesamte Equipment. Vor jedem noch so kleinen Auftritt wurden Infos und Fotos an alle Presseleute geschickt. Plattenfirmen mit selbstgedruckten Freikarten regelrecht bepflastert.

Hatte die Gruppe bislang nur in den Vororten New Yorks gespielt, machte sie jetzt den Sprung in die City. Am 4. Mai 1973 erschien rund 300 Zuschauer in einer Fabriketage an der Bleecker-Street. Viele bekannte Musiker und Leute aus der Branche waren da z.B. Debby Harry, die damals noch bei den "Stilettos" sang, oder die New York Dolls, die in ihren letzten Tagen auch mal einen Bassisten namens Blackie Lawless beschäftigten.

Obwohl der Wendopunkt in der Kiss-Karriere noch nicht gekommen war, wurde die New Yorker Insiderszene immer neugieriger auf diese schrille, unverschämte Newcomerband. Trotzdem (oder gerade deshalb) engagierte auch niemand Kiss für Auftritte in den wirklich wichtigen New Yorker Clubs - also engagierten sie sich einfach selbst. Hier ein kleines Beispiel, welches Gene Simmons als Meister der Selbstpromotion ausweist: Um auch einmal vor größerem Publikum zu spielen, trat er einfach als Veranstalter auf und engagierte die bekannte Band "The Brats". Nach deren Zusage mietete er den "Crystal Room" des "Diplomat Hotels" und ließ Plakate drucken, auf denen der Name Kiss genauso groß gedruckt war, wie der Name Brats. Nachdem man sich also selbst als ebenbürtige Sensation ausgegeben hatte, luden alle Pressekarten nur zur Premiere der KissShow. Die Rechnung ging auf, 1000 Leute kamen und zahlten 3,50 Dollar. Simmons selbst hatte 1000 Dollar investiert und damit neben der Eigenwerbung auch noch einen ordentlichen Verdienst erwirtschaftet.

Schon das zweite Konzert dieser Art leitete die Band auf den endgültigen Erfolgskurs. Im Publikum saß Bill Aucoin, der im Film- und Fernsehgeschäft schon sehr erfolgreich tätig war. Er suchte nach einem neuen, lukrativen Beschäftigungsfeld und das Management einer aufsehenerregenden Rockgruppe wie Kiss schien ihm da genau das Richtige zu sein. Aber auch für solche Fälle waren die vier bestens gerüstet. Paul hatte seine Schwester Donna mit einem halben Dutzend Freundinnen bestellt, die sich, auf die Anweisung des Bruders hin, um Aucoin herum postierten. Beim Konzert führten sie das reinste Affentheater auf, sprangen auf den Sitzen auf und ab, kreischten und schrien: "Sind sie nicht riesig?" Aucoin imponierte das, nach dem Konzert lud er die zu Band einem Treffen ein. Gene: "Er wollte uns nicht sofort Verträge aufzwingen, sondern versprach, innerhalb von 14 Tagen einen Plattendeal zu besorgen. Wir hatten eine mündliche Absprache, das war alles." Und Aucoin: "Irgendwie witterte ich, daß bei dem ganzen Zirkus um diese Band etwas nicht stimmte. Und trotzdem, selbst wenn an ihrem Erfolg etwas faul war, zeigte mir das auch, daß Kiss hundertprozentig hinter ihrer Sache standen und wie verrückt bereit waren, für den Erfolg zu arbeiten. Ich schickte Neil Bogart (erinnert ihr euch noch?), den ich kannnte, und von dem ich wußte, daß er einen Label eröffnen wollte, ein Band. Telefonisch sicherte ich ihm zu, daß ich gedächte, diese Band in jeglicher Form zu unterstützen. Wir vereinbarten ein Treffen mit den vieren in seinem Büro."

Dort schloß man einen Vertrag ab, jedes Kiss-Mitglied hatte nun ein wöchentliches Einkommen von 75 Dollar und konnte somit den Job an den Nagel hängen. Und noch ein zweiter, für das Showbusiness sensationeller Kontrakt wurde von der Gruppe unterzeichnet. Auf Aucoin's Anraten hin verpflichtete man sich zur Aufteilung aller Einnahmen aus Schallplattenverkäufen, Komponistentantiemen, Filmen etc in vier gleiche Teile. Da nach Aucoins Ansicht jedes Bandmitglied verschiedene Stärken aufwies, wollte er nicht, daß Kiss eines Tages wegen finanzieller Schwierigkeiten auseinanderbrechen könnten. Dor Kiss-Zug kam in's Rollen: Am laufenden Band hatte die Gruppe nun Auftritte. nahm Demos auf und wurde von Fachleuten choreographisch bis in's letzte gestylt. Die Musikkritiker mokierten sich zwar über mangelnde musikalische Fähigkeiten des Quartetts, aber das Zuschauerinteresse wuchs stetig an. Die verrückt geschminkte Band mit ihrer harten Rockmusik und der wilden, effektgespickten Show traf voll den Publikumsnerv. Zur Jahreswende bereiteten sich die vier auf die Produktion des ersten Albums vor, aber davon mehr in Teil 2 dieser History Für weitere Informationen kann man an die europäische Kiss-Fanclub-Zentrale schreiben:

Kiss Explorer Army

P.O. Box 448

NL-6900 AK Zevenaar (Holland)

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