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Couch: Wolfgang „Wölfi“ Wendland (Die Kassierer)

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Welche Erinnerungen verbindest du am ehesten mit deiner Kindheit?

Weil ich den Geruch von Teer mochte, hat mir mein liebevoller Vater zu Weihnachten eine Teermaschine aus Holz gebastelt, wie sie bei Straßenbauarbeiten verwendet wird. Mit einer batteriebetriebenen Lampe drin. Das muss vor 1967 gewesen sein.

Was war der skurrilste Job, den du jemals ausgeübt hast?

Das Bizarrste war in einem soziokulturellen Zentrum in Bochum. Irgendwann wurde ich dazu verdonnert, bei einer S/M-Party am Tresen zu arbeiten. Ein Kunde bestellte sich einen Kaffee und beschwerte sich darüber, dass auf seinem Löffel Flecken seien. Das wäre alles noch in Ordnung gewesen, wenn er währenddessen nicht einer Frau mit einer Reitpeitsche die Brüste gegeißelt hätte.

Welchen Job hättest du, wenn du nicht Musiker geworden wärst?

Ich ärgere mich eigentlich darüber, Musiker zu sein. Ich fände es schöner, Beamter zu sein. Man hat ausgesorgt, mehr Geld, mehr Macht. Ich könnte mir Steuerprüfer im Finanzamt vorstellen, das würde auch besser zu meiner Figur passen. Heute werden die Leute erst gewogen, bevor sie Beamte werden dürfen, da hätte ich eine Chance.

Welche war für dich die schlimmste Erfahrung in Sachen Liebe/Beziehung – und welche die schönste?

Eigentlich gar keine schlechte, wir haben uns immer einvernehmlich getrennt. Das Schönste waren immer die einvernehmlichen Trennungen.

Wen würdest du als dein Idol bezeichnen?

Rolf Thiele. Gott sei Dank durfte ich ihn noch kennenlernen. Er hatte nach dem Krieg festgestellt, dass sich die Leute nur noch um ihr tägliches Dasein kümmern und fing an, für Kultur zu sorgen. Mit der Filmaufbau GmbH hat er Wolfgang Borcherts ‚Draußen vor der Tür‘ als ‚Liebe 47‘ verfilmt. Von diesen hochgeistigen Dingen ist er über Thomas Mann-Verfilmungen zu intellektuellen Softpornos gekommen. Sowas wie ‚Grimms Märchen vom lüsternen Pärchen‘ oder ‚Frisch, fromm, fröhlich, frei‘. Im Prinzip versuche ich das mit meinem Lebenswerk fortzusetzen – wirkliche Kultur.

Letzte Platte, die du dir gekauft/besorgt hast?

Das neue Heino-Album. Ich bin weit davon entfernt, Heino-Fan zu sein. Heino ist jemand, bei dem es nur ums Geld geht. Er hat auch selbst keine Ideen. Heino ist nur eine Kreatur des wesentlich besseren Sängers Ralf Bendix, der zwanzig Jahre lang sein Manager war. Er hat sich einfach so ’nen debilen Deppen genommen. Bendix selbst hatte immer sehr schöne Lieder, wie etwa den ‚Babysitter-Boogie‘ (Fünfziger Jahre-Schlager). Das wäre vielleicht auch gut für mich, so einen Heino zu haben; ein Medium, mit dem ich Geld verdienen kann.

Lieblingsplatte aller Zeiten?

Die Doppel-LP mit der Musik der ‚Dreigroschenoper‘, auf der Lotte Lenya singt. Sie höre ich unheimlich gerne. Und ich habe mal mit der Behauptung, dass Lotte Lenya – die Frau von Bertolt Brecht – einen Bösewicht in einem James Bond-Film gespielt hat, einen Kasten Bier gewonnen. Das kommt erschwerend hinzu.

Wann warst du das letzte Mal betrunken?

Außer heute? Nee, dann jetzt.

METAL HAMMER spendiert dir ein Getränk. Was bestellst du?

Am liebsten würde ich jetzt ein Gold Ochsen Original nehmen.

Wann hast du das letzte Mal in einem Club/einer Disco getanzt?

Noch nie.

Welches Buch hast du als letztes gelesen?

Götz Aly ‚Unser Kampf. 1968‘. Darin geht es um die Entzauberung der angeblichen 68er-Generation. Er lästert so stark, dass er sich schämt, mitgemacht zu haben. Es wird eine gewisse Ähnlichkeit zur Generation 1933 hergestellt. (lacht)

Wolltest du schon einmal jemanden töten?

Nö.

Hast du schon einmal an Selbstmord gedacht?

Ständig. Ich bin dauerdepressiv. Tja, wenn du solche Fragen stellst, darfst du dich nicht über die Antworten wundern.

Wo hast du deinen letzten Urlaub verbracht?

In Jessern am Schwielochsee. Das war Mitte der Neunziger.

Bei dir zu Hause brennt’s. Welche drei Dinge rettest du?

Nichts. Ich bin froh, wenn die Scheiße weg ist.

Dein größter, bis dato unerfüllter Lebenswunsch?

Einen Spielfilm mit einen Etat von einer Million Euro zu machen.

Hast du vor Live-Auftritten Lampenfieber?

Nein, aber darunter leide ich.

Wie sieht’s in der Hölle aus?

Ungefähr so wie im Ruhrgebiet.

Nenne einen Höhepunkt und einen Tiefpunkt deiner Karriere!

Ich würde das, was meine Tätigkeit als Sänger in dieser Band betrifft, nicht unbedingt als Karriere bezeichnen. Höhepunkt waren die Verhandlungen bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, welche wir immer gewannen. Dass man sich mal seriös mit Leuten über Kunst unterhalten konnte. Tiefpunkte gibt es keine. Es ist eher ein gleichmäßiges Bergauf.

Gibt es einen Song, von dem du dir wünscht, ihn niemals geschrieben zu haben?

Nö.

Wie würdest du die Welt verändern, wenn du die Gelegenheit dazu hättest?

Wenn ich in Deutschland Gesetzgeber wäre, würde ich damit anfangen, dass darauf geachtet wird, dass man sich an die bestehenden Gesetze hält – an das Grundgesetz oder Arbeitszeitgesetz. Zu viele Überstunden sind strafbar für den Arbeitgeber. Das würde schon ausreichen.

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Ein Ornithologe deckt auf: Die Wahrheit hinter King Diamond, Randy Blythe & Co.
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In der Heavy Metal-Talkshow ‘Two Minutes To Late Night’ von Jordan Olds und Drew Kaufman widmete sich ein Beitrag über den Vergleich von Metal- mit Vogel-Gesang. Dazu wurde mit Tom Stephenson ein anerkannter Ornithologe eingeladen. Jenem tapfer und äußerst humorvoll mitspielenden Wissenschaftler wurden Songs von unter anderem Converge, King Diamond und Lamb Of God vorgespielt, wozu dieser dann die passenden Vogel-Stimmen raussuchte – die (teilweise) wirklich frappierende Ähnlichkeit haben. So singe Jacob Bannon wie ein Nyctibius jamaicensis (Tagschläfer), King Diamonds Gesang ähnele stark dem des Anhima cornuta (Hornwehrvogel), und Randy Blythes Organ gleiche dem des Cygnus olor (Höckerschwan). Vögel furzen…
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