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Inspiration durch Trauer

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Das Geheimnis ist wie so oft einfach: Es gibt keins – zumindest keins, das Gitarrist und Sänger Manuel Munoz benennen könnte. “Ich stelle immer wieder fest, dass es für mich unmöglich ist, Kompositionen nach Vorga ben zu machen”, erzählt er. “Es passiert einfach – ich kann es nicht kontrollieren.” Die vor allem auf dem neuen Album deutlich hörbaren Prog-Einflüsse sind – kalkuliert man Manuels musikalische Vorlieben von Pink Floyd bis Porcupine Tree mit ein – wenig überraschend. Aber: “Das war zwar unser Ziel, aber es wird auch weiterhin unser Ziel bleiben müssen, da unsere musikalischen Fähigkeiten – ehrlich gesagt – der Sache noch nicht wirklich gewachsen sind”, so Manuel.

Offene Worte, die aber nicht so interpretiert werden dürfen, dass bei The Old Dead Tree größenwahnsinnige Stümper am Werk sind: Die Herren stehen allesamt mitten im Leben, haben feste Jobs und größtenteils auch Familie. Insofern, so Manuel, wird technische Finesse wohl ein Wunschtraum bleiben. “Leider spielen wir nur selten gemeinsam im Proberaum”, bedauert Manuel. “Ich fände es toll, wenn wir beim gemeinsamen Jammen Songs entwerfen könnten, aber das ist illusorisch.” So arbeitet die Band meist in kleinen, kreativen Zellen, die in der Regel aus Manuel plus einem weiteren Musi ker bestehen. “Ich sehe mich als eine Art Koordinator für die kreative Arbeit, aber wir diskutieren alle Details untereinander”, erläutert er. “Wobei ich in der Regel das letzte Wort habe, da die anderen Jungs ausufernde Diskussionen scheuen.”

Ein Lichtblick für Manuel – denn ansonsten war die Entstehungsphase von THE WATER FIELDS geprägt von Irritationen: “Sowohl ich als auch unser Bassist Vincent (Danhier – Anm.d.A.) wurden Väter, unser Management ließ uns im Stich: Es gab also genug Dinge, die uns von der Musik abhielten.” Persönliche Umstände färben bei The Old Dead Tree traditionell ab – so auch auf ihrem Debüt THE NAMELESS DISEASE, das sie ihrem ehemaligen Schlagzeuger Frederic Guillemot widmeten, der 1999 Selbstmord verübte: “Ich denke, man kann die Anspannung der letzten zwölf Monate hören”, meint Manuel. “Das neue Album ist kompakter, düsterer, manchmal auch dissonanter. Was die Texte betrifft, so nahm ich mir vor, über die Leute aus meiner Umgebung zu schreiben. Doch als das Album fertig war, merkte ich, dass fast alle beschriebenen Gefühle aus meinem Inneren stammen. Da ist die Abscheu, die ich empfunden habe, als unser Management uns verließ, und der Schmerz, als die Geburt unseres Kindes nicht glücklich vonstatten ging.”

Man ist verleitet, die titelgebenden Wasserfelder also mit echten Tränen zu assoziieren. “Die meisten Menschen rennen davon, wenn sie der Schmerz zu übermannen droht”, führt Manuel aus. ” Nur wenige stellen sich ohne großes Nachdenken – ich gehöre nicht dazu, und die Wasserfelder sind der Ort, an den ich mich zurückziehe.”

www.theolddeadtree.com

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