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Metal Hammer

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Korn+P.o.d.

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Lange hatten wir auf den Besuch der amerikanischen New Metal-Superstars warten müssen. Doch unsere Geduld sollte an diesem Abend mehr als ausreichend belohnt werden. Korn seien “gut in Form”, wurden erste Stimmen nach dem Auftritt Mitte Mai in Böblingen laut, und so konnten wir der zweiten Show der Mannen um Jon Davis Anfang Juni mit Freude entgegen sehen. Doch der Reihe nach. P.O.D., die mit ihrer aktuellen Crossover-Wuchtbrumme THE FUNDAMENTAL ELEMENTS OF SOUTHTOWN in den Staaten schon Edelmetall abräumen konnten, mussten sich hierzulande noch die Sporen verdienen. Doch war es eine sehr weise Entscheidung, das Quartett das Vorprogramm der Kömer bestreiten zu lassen, denn in nur dreißig Minuten konnten Sänger Sonny und seine Mitstreiter die eher skeptischen Korn-Fans auf ihre Seite bringen. Heißt im Klartext, dass P.O.D. die Bühne unter ernstgemeinten Applausstürmen und vereinzelten “Zugabe”-Rufen der, zum Teil weit angereisten, Zuschauer die Bühne verließen. Kurzer Umbau, und um Punkt 21 Uhr hieß es Showdown in Düsseldorf. Sirenengeheul, Gefängniswärter-Kommandos vom Band, die dem ‘The First Day In School’-Intro des Ice Cube-Klassikers THE PREDATOR entnommen waren, und das einsetzende Licht bot uns ein gigantisches Bühnenbild: ein Gefängnis. Hinter dem Schlagzeugpodest waren zwei Stockwerke metallener Zellen errichtet worden, in die cirka 70 vorher ausgewählte Fans unter dem kollektiven Aufschrei der Zuschauer Einmarsch hielten und das ganze Konzert über verharren mussten. Die Türen fielen ins Schloss, die Fans waren hinter Gitter. Hatte was von einer Armee der Verlierer, obwohl sie hautnah an der Band sein und ihren Part zur Show beitragen konnten. Jailhouse Rock? Mitnichten, denn Jon Davis, in eine labberige schwarze Sportkutte gehüllt, begrüßte das ausverkaufte Haus, als sei er niemals lange fort gewesen und mit ‘Falling Away From Me’ wurden auf der Stelle keine (weiteren) Gefangenen gemacht. Die Philipshalle – inklusive der Protagonisten in den Zellen – stand Kopf. Mit dem Einsatz von wenigen Kunststückchen auf der Bühne – Davis setzte hier und da mal zu abgehackten Körperbewegungen an, um den Stop-and-go-Sound auch optisch darzustellen – konnten die Fünf vor allen Dingen durch eines glänzen: perfektes Spiel an den Instrumenten und optimales Timing, das bei den verschachtelten Sounds der vier Korn-Alben höchste Konzentration voraussetzt. Mit Puffy Bordin, der schon im Dienste von Ozzy Osbourne und Faith No More stand, hatten sie auch noch den besten Aushilfsschlagzeuger, den sie sich wünschen konnten. Da war es fast eine Randerscheinung, dass der Sound der brillanteste war, den ich je in der Philipshalle erleben durfte. Allen Zweiflern zum Trotz präsentierten sich Korn wie ein perfekt geschmiertes Uhrwerk, nicht mehr steigerungsfähig in der Leistung. Es gab die ganze Breitseite an Hits -‘Children Of The Korn’, ‘It’s On’, ‘A.D.I.D.A.S.’ und natürlich ‘Blind’ in der Zugabe – um nur einige zu nennen. Das mehrminütige Dudelsack-Solo, das Davis im klassischen Schottengewand vortrug, durfte auch in Düsseldorf nicht fehlen – ist es immerhin fast Standard jeder Korn-Show. Dass der Korn-Feldzug durch die großen Hallen Deutschland sich als eine solch perfekte Sache entpuppen würde, hätte wirklich auch der größte Fan nicht geglaubt. Das kompakt geschnürte Programm fand nach kurzen 70 Minuten ein Ende, doch das Leuchten in unseren Augen blieb noch bis zum nächsten Tag. Superb.

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