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Lantlôs – Liebesbedürftig

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Aber welche Erwartungshaltungen soll AGAPE, das neue Album, erfüllen? Die Antwort ist, wenn es nach Markus geht, klar: keine. Seine Musik klingt im besten Sinn introvertiert, ihm zu folgen fällt tatsächlich schwerer als noch auf dem Vorgänger .NEON. AGAPE ist rücksichtslos, denn es steckt wahnsinnig viel drin: Doom, Stille, pure Schönheit. “Es ist kein Album, das man einfach so mal hört”, erklärt Markus. “Es funktioniert nur, wenn man völlig dicht und fertig ist. Erst dann ergeben die Andeutungen, die Gefühle, die ich verarbeitet habe, Sinn.” Das konsequente Trimmen auf eine Geisteshaltung geschah nach Plan. Markus nutzte konsequent eben die Phasen, wo er nach Hause kam und “dicht”, wie er das nennt, war, um peu à peu die Riffs, Ideen und Arrangements von AGAPE zu entwerfen.

Insofern sieht er auch die Musik und ihre Botschaft nicht als etwas Überhöhtes, idealisiert im Elfenbeinturm Entworfenes, sondern als Blaupause der Realität: “Wenn ich schreibe, ist das wie ein trancehafter, losgelöster Bericht von dem, was mich beschäftigt”, erklärt er. Katharsis inbegriffen: “Es war eine rauschhafte Stimmung, als ich diese Songs schrieb!”

Was letztlich auch die Brücke baut zu dem inhaltlichen Konzept: Denn hinter dem Wort AGAPE verbirgt sich keine Düsternis, es ist vielmehr eines der vielen Worte, welche die alten Griechen für die Liebe hatten. Agape, im Gegensatz zu Eros, ist nicht von Lust getrieben, sondern das tief verwurzelte Gefühl der Zuneigung, wie von der Mutter zu ihrem Kind. Oder umgekehrt: “Es geht darum, dass du nichts bist, wenn du niemanden hast”, sagt Herbst. “In den Texten versuche ich, das in extremen Bildern wiederzugeben. Der erste Song etwa, ‘Intrauterin’, handelt von jemandem, der sich im Bauch seiner Mutter so sehr zu ihr hingezogen fühlt, dass er sich degeneriert, wieder in einzelne Zellen auflöst, um immer bei ihr zu bleiben. In ‘Eribo’ geht es um den Sohn einer Art Gott, des kosmischen Überwachers. Der sammelt das Licht der Sterne in einem Kristallpavillon, um seinem Vater näher zu sein. Dann schneidet er sich die Zunge ab und hält sie gen Himmel, damit sein Vater zu ihm sprechen kann, dann die Ohren, damit er ihn immer hören kann.”

Klingt nach Wahnsinn? Den meint Markus auch, ohne es so zu nennen: die Kraft der Liebe, die verzehrt – nicht als Trieb, sondern als existenzielles Bedürfnis nach Zuneigung. “Der wahre Wahnsinn lauert nicht da, wo jemand keinen Sex bekommt”, ist Markus überzeugt, “sondern wo die platonische Liebe, wo ehrliche, offene Zuneigung fehlt.” Darf man es dann mutig nennen, dass er als nächstes plant, Lantlôs auf die Bühne zu bringen? Eher im Gegenteil: Ehrlichkeit und Verletzlichkeit toppen jede inszenierte Show. Das gilt auch für Black Metal, sobald er sich von seinen prosaischen Wurzeln emanzipiert.

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