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Post von Scott lan

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Hammerheads, wie ihr ja spätestens seit der Oktober-Ausgabe wisst, hat sich am 27. September der Todestag von Cliff Burton zum 20, Mal gejährt. Ich habe Ctiff drei Jahre vor seinem Tod kennen gelernt. Er, Kirk Hammett und ich wurden in dieser Zeit gute Freunde. Es war ein bisschen so wie bei den Drei Musketieren, wenn wir zusammen abhingen. Warum? Weil wir zur gleichen Zeit unsere Liebe zum Metal entdeckt haben. Bei unseren Gesprächen ging’s ständig über neue Bands, die Heavy-Szene und das Leben als Rocker. Metal war einfach alles für uns! Das ist nur eine der vielen tollen Erinnerungen, die ich an Cliff habe. Und es gibt natürlich auch ein paar grandiose Momente, die wir zusammen erlebt haben. Eine dieser Geschichten will ich euch heute erzählen. Also schnappt euch ein Bier und habt Spaß! Im März 1984 flog ich nach London, um Interviews für unser Album FISTFUL OF METAL zu geben. Metallica waren ebenfalls in der Stadt denn sie sollten mit The Rods und Exciter einige Shows in Großbritannien zocken. Doch die Tour wurde abgesagt. Für die Band war das doppelt ärgerlich. Denn einerseits entging ihnen das Geld für die Gigs, und zudem mussten sie in Europa abhängen. Metallica waren nämlich gerade dabei, in Dänemark RIDETHE LIGHTNING einzuspielen. Wegen der geplanten Tour hatten sie die Aufnahmen unterbrochen, konnten nun aber nicht sofort dorthin zurückkehren, weil das Studio in der Zwischenzeit von einer anderen Band gebucht worden war. Also blieben Metallica in London-die Plattenfirma Music For Nations hatte der Truppe dort ein Appartement besorgt. Ich kam bei ihnen unter. Ihr könnt euch vorstellen, dass die Dinge schnell aus dem Ruder gelaufen sind. Viel zu viel Alkohol. Eigentlich viel zu viel von allem. Logisch, wenn ein Rudel 20-Jähriger zusammen eine Weltstadt unsicher macht und seinen Traum vom Rock-Star-Dasein auslebt. Wir hatten eine Wahnsinnszeit! Ich erinnere mich noch genau an einen Tag, an dem Cliff und ich losgezogen sind, um einen Walkman für ihn zu kaufen. In der U-Bahn sprachen uns zwei Polizisten an und fragten, ob wir Drogen dabei hätten. Wir schüttelten natürlich unsere Köpfe. Und das war noch nicht mal gelogen – wir hatten wirklich nichts am Start. Die Bullen glaubten uns allerdings nicht, sondern redeten die ganze Zeit auf uns ein. Wir sollten es doch einfach zugeben, das würde die Sache für uns erleichtern und so weiter. Der übliche Mist eben. Wir betonten ständig, dass bei uns nichts zu holen wäre. Das Ende vom Lied: Sie haben nicht geglaubt, dass zwei langhaarige Freaks wie wir ganz ohne Drogen durch die Stadt laufen können – und uns prompt verhaftet. Wir mussten unsere Klamotten ausziehen und wurden in getrennte Zellen verfrachtet. Meine Zelle hatte keine Gitter, sondern war einer dieser Räume mit einer kleinen Klappe in der Tür. Da saß ich also. Inmitten von kalten Betonwänden. Bewegungsspielraum: zwei auf zwei Meter. In Unterhosen. Sechs Stunden lang. Mutterseelenallein. Dann hörte ich plötzlich Cliffs Stimme. Ich sprang auf, hämmerte mit den Fäusten gegen die Tür und schrie, dass mir endlich jemand sagen sollte, was da draußen abgeht. Ein Unformierter öffnete die Türklappe und antwortete kurz und knapp: “Dein Kumpel wird uns zu eurem Appartement bringen, weil wir es durchsuchen wollen!” Offenbar hatten die Beamten bei der Durchsuchung unserer Klamotten Cliffs Grippemittel gefunden und für Drogen gehalten. Damals kannte wohl noch niemand Sudafed in Großbritannien… Jedenfalls schicken sie die Pillen zur Analyse ins Labor und schleppen Cliff zur Band-Wohnung, um nach illegalen Substanzen zu fahnden. Mir ging derweil der Arsch auf Grundeis, denn ich wusste, dass Cliff Gras in der Bude versteckt hatte. Denn eines war mir sonnenklar: Wenn die Bullen das finden würden, wäre das der Super-GAU für uns. Da saß ich nun in meiner Zelle und konnte nicht aufhören, an den Film “Midnight Express” zu denken.Darin geht’s um einen Typen, der wegen Drogenschmuggels in der Türkei verhaftet und in einem dortigen Gefängnis jahrelang gefoltert wird, bis er schließlich fliehen kann. Jedenfalls war mir alles andere als wohl bei der Vorstellung, dass uns etwas Ähnliches passieren könnte. Einfach weggepackt zu werden, ohne dass jemand auch nur ein Wort über unseren Verbleib erfährt. Okay, klingt übertrieben. Aber wenn man in einem fremden Land in einer engen, kalten, kahlen Zelle eingesperrt ist, neigt man schon mal zu Überreaktionen. Nach einer weiteren Ewigkeit – im Nachhinein erfuhr ich, dass es zwei Stunden waren – öffnete sich die Zellentür. Ich bekam meine Kleidung zurück und wurde zum Büro des Chefs eskortiert. In meinem Kopf spukten die wildesten Dinge herum: “Bin ich gerade auf dem Weg zum Arschfick?”, fragte ich mich. Die Antwort darauf seht ihr in der nächsten Folge von “Scott & Cliff – Britain’s most wanted”. Nein, Spaß beiseite.Als ich im Büro des Diensthabenden eintraf, saß dort, zu meiner großen Überraschung, Cliff in einem Sessel. Mit einem dicken Grinsen auf dem Gesicht. Da war mir klar, dass die Polizei nichts gefunden hatte. Allerdings konnte ich nicht begreifen, wie sie das Gras übersehen konnten. Doch zum Nachdenken blieb mir keine Zeit, denn der Bullen-Boss setzte zu einer Rede an, dass ihm unsere vorübergehende Festnahme sehr Leid tue. Alles sei ein Versehen gewesen und so weiter und so fort. Ich habe ihm daraufhin geantwortet: “Davon kann ich mir jetzt auch nichts kaufen. Nur weil wir lange Haare haben, sind wir doch keine Kriminellen! ” Er entgegnete, dass die Polizei New York City ebenso gehandelt hätte. Meine Antwort: “Ich glaube, dass die Beamten dort Besseres zu tun haben, als zwei Unschuldige einzuknasten, nur weil ihre Frisur etwas anders aussieht!” Ich redete mich total in Rage und wurde laut. Cliff sah mich nur mit großen Augen an und schlug mir zwei Mal auf den Oberschenkel, um mich wieder zur Besinnung zu bringen. Es war vielleicht auch keine so gute Idee, einen ranghohen Polizeibeamten anzuschreien, der uns gut und gerne wieder zurück in die Zelle verfrachten hätte können. Nun ja, einige Zeit später hatte ich mich einigermaßen unter Kontrolle, und wir durften gehen. Ich erinnere mich noch daran, dass der Chef uns hinterher rief, dass er es bedauere, wenn wir uns nun schlecht behandelt fühlten. Sobald wir das Gebäude verlassen hatten, fragte ich Cliff, was zum Teufel im Appartement vorgefallen wäre. Er erzählte mir, dass er in Begleitung von sechs Polizisten in die Wohnung gekommen sei. Kirk saß im Wohnzimmer und spielte Gitarre. Ihn traf fast der Schlag, als er das Aufgebot sah. Die Bullen durchsuchten die Bude eine geschlagene Stunde lang – und fanden nichts, fch guckte Cliff nur entgeistert an und fragte ihn, an was für einem supergeheimen Megaplatz er sein Gras denn versteckt hätte. Er fing zu Lachen an und wollte von mir wissen, wo ich als Erstes danach gesucht hätte. Ich überlegte einige Sekunden und sagte dann: “Unter der Matratze!” Genau dort war es auch. Die Cops hatten 60 Minuten in dem Appartement rumgewühlt und keinen Blick unter die Matratze geworfen. Unfassbar. Ich konnte es kaum glauben. Eines ist sicher: Die Metal-Götter haben an diesem Tag ihre schützende Hand über Cliff und mich ausgebreitet Ihr könnt euch vorstellen, dass wir mehr als glücklich darüber waren, heil aus der Sache rausgekommen zu sein. Und natürlich haben wir unsere wieder gewonnene Freiheit sofort gebührend gefeiert. Viel Alkohol, die ganze Nacht lang. In den frühen Morgenstunden bekam dann noch ein nichtsahnender Brite Besuch auf seinem Grundstück: Wir sind nämlich bei einem Wrestling-Versuch durch eine Hecke gekracht und auf dem Rasen gelandet. Cliff hat seinen Walkman übrigens nie bekommen. RIP, mein Freund. Cheers,

…SCOTT IAN

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