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Belphegor: Rückkehr aus der Hölle

Interview aus der Juli-Ausgabe 2012

Belphegor-Chef Helmuth Lehner hat sich vergangenen September auf einer Südamerika-Tournee mit Typhus infiziert und die Erkrankung verschleppt. Mit fatalen Folgen: Er musste mehrere Wochen um sein Leben kämpfen und ist auch heute noch nicht vollständig genesen. Wie er die schwere Zeit durchgestanden hat und was sich fortan für ihn und die Band ändert, erläutert er ausführlich im METAL HAMMER-Interview.

Die Meldung, die am 21. Oktober vergangenen Jahres auf der Belphegor-Website erscheint, liest sich nüchtern: „Frontmann und Gründungsmitglied Helmuth Lehner hat sich vor 16 Tagen direkt im Anschluss an die Südamerika-Tour einer ernsten und komplizierten Operation unterziehen müssen. Daher ist die Band gezwungen, alle Shows bis Juni 2012 zu canceln.“ Ein Schock für die Fans – denn wer Helmuth kennt, der weiß: Eine mehrmonatige Pause legt der Österreicher nur dann ein, wenn es ganz schlimm wird. Und in der Tat steht es im Herbst 2011 denkbar schlecht um den Sänger und Gitarristen der Black-Deather.

Er hat sich Typhus eingefangen, eine Infektionskrankheit, die auch tödlich verlaufen kann. Jährlich erkranken weltweit über 30 Millionen Menschen daran, die meisten davon in Entwicklungsländern, denn Verunreinigungen im Wasser oder in Lebensmitteln sind die häufigsten Ansteckungsgründe.

Tappen im Dunkeln

Schon der erste Teil von Belphegors Südamerika-Rundreise ist für Helmuth eine Qual. Während der acht Brasilien-Gigs mit Ragnarok und zum Teil auch Morbid Angel, die Anfang September stattfinden, plagen ihn erste Beschwerden. Er fühlt sich matt, hat keine Energie. Doch zu diesem Zeitpunkt weiß er noch nicht, was ihm fehlt – er denkt nur: „Weitermachen, das wird schon wieder...“. Vor dem Gig in Venezuelas Hauptstadt Caracas am 15.9.2011 geht es ihm aber noch schlechter, daher sucht er schließlich zum ersten Mal einen Arzt auf.

„Die Zustände, die dort im Krankenhaus herrschten, kann man sich fast nicht vorstellen: Überall lagen kranke, verletzte, fertige Menschen in den Gängen herum, bei 40 Grad im Schatten – und ich war natürlich auch total am Ende und habe noch dazu kein Wort verstanden“, berichtet er.

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Drastische Diagnose

Als die Band gelandet ist, wird sie vom ehemaligen Belphegor-Basser Barth Resch am Flughafen abgeholt, welcher beim Anblick des Freundes erschrickt. Er überzeugt ihn davon, direkt ins Krankenhaus zu fahren. Dort wird er stationär aufgenommen, und sein Zustand ist lebensbedrohlich. Erst nach etlichen Untersuchungen ist klar, dass Helmuth Typhus hat – das Bakterium hat sich in der Lunge festgesetzt, dort vermehrt und dann weiter im Körper ausgebreitet. Als die Diagnose steht, wird mit der Behandlung begonnen, die auch gut anschlägt. Jedoch stellt sich heraus, dass eine Herzklappe geschädigt worden ist. Der Sänger muss in den OP.

„Jetzt habe ich eine künstliche Herzklappe – und bin damit noch mehr Metal als vorher“, erzählt Helmuth lachend über sein neues Metall-Ersatzteil im Körper.

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Doktoren als Fans

Doch es geht langsam aufwärts. Er kann die Intensivstation verlassen und erobert sich sein Leben wieder Schritt für Schritt zurück. Dabei bekommt er viel Unterstützung von den Ärzten und Pflegern im Spital – von denen etliche in ihrer Freizeit headbangen gehen, wie Helmuth schnell feststellt: „Viele haben mich erkannt – das ging im Krankenhaus herum wie ein Lauffeuer. Klar, ein paar waren skeptisch, aber doch erstaunlich wenige. Mir ist bis dahin gar nicht klar gewesen, wie viele Leute im medizinischen Bereich Metal hören – so viel also zu dem Gerücht, dass Metaller alle nix in der Birne hätten...“, widerlegt Helmuth ein weitverbreitetes Klischee und legt noch eine Anekdote nach:

„Ein Oberarzt der Herzchirugie fragte mich eines Tages: ’Kann ich bei Ihnen auch CDs kaufen – also, signierte?’ Ich darauf: ’Natürlich, welche soll’s denn sein?’ Er nur: ’Die, wo der Teufel die Nonnen fickt...’ Genial, oder? Er hat übrigens Wort gehalten und mir sogar gleich drei Platten abgenommen!“

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Leben ohne Laster

Ab 5. Juli sind Belphegor im Rahmen der Extremefest-Open Airs erstmals seit der Erkrankung live zu sehen. Ein Kraftakt, den der Riff-Chef unbedingt meistern will – selbst wenn die Ärzte skeptisch sind, ob er schon körperliche Höchstleistungen vollbringen kann. „Sie meinten, dass ich erst nach einem Jahr komplett wiederhergestellt sein würde, aber meine Devise war immer: no risk, no fun. Und im Grunde ist auch klar: Der ’suicide & excess lifestyle’, wie Sigurd ihn immer genannt hat, fordert irgendwann seinen Tribut. Doch ich bin ein Kämpfer, habe sehr viel Disziplin und einen starken Willen. Natürlich sind wochenlange Sauf- und Drogengelage jetzt nicht mehr drin. "

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Mehr von Belphegor und der Krankheits- und Genesungsgeschichte Helmuths könnt in unserer Juli-Ausgabe lesen.

Das Heft kann einzeln und innerhalb von Deutschland für 5,90 Euro (inkl. Porto) per Post bestellt werden. Einfach eine Mail mit dem Betreff „Einzelheft Metal Hammer 07/12“ an einzelheft@metal-hammer.de schicken.

Generell können natürlich alle Hefte auch einzeln nachbestellt werden - alle Infos dazu findet ihr unter www.metal-hammer.de/einzelheft.

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