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Festivalbericht: So wars beim Metalfest 2014

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Fotos: Nicole Volz

Rund eine Stunde vor den Toren Kölns, im schönen Mittelrheintal, liegt der sagenumwobene Loreley-Felsen. Der Legende nach sitzt auf diesem Felsen eine Nixe mit langem goldenen Haar, die mit ihrem Gesang die Schiffer anzieht, verzaubert und damit die Schiffe in den Untergang treibt.

In Wahrheit ist diese Nixe aber eine waschechte Metallerin. Einmal im Jahr tauscht sie Gesang mit moshen und lockt somit scharenweise die Metal-Fans nach St. Goarshausen.

Bereits am Mittwoch öffnet der Camping Ground hoch oben auf dem Loreley-Felsen. Leider gibt es direkt bei der Anreise ein kleines Manko: 15€ Parkgebühr sind für einen einfachen Acker, der zudem noch gute zehn Minuten Fußweg vom Camping Ground entfernt ist, definitiv zu hoch. Noch vor einigen Jahren war diese Gebühr deutlich günstiger.

Leider gibt es in der Organisation ein weiteres Problem. Jeder Festivalbesucher zahlt zu Beginn 10€ Müllpfand und erhält dafür einen Müllsack. Der Super-Gau: Nur wer seinen Müllsack zu mindestens ¾ füllt erhält das Pfand zurück. Dass das Müllpfand richtig und auch sinnvoll ist, steht außer Frage. Doch mit der  ¾-voll-Mentalität wird jeder abgestraft, der müllsparend campt. Zudem führt dieses System dazu, dass einige Festival-Besucher am letzten Tag anfangen unnötigerweise Äste von Bäumen zu reißen nur um ihren Müllsack voll zu bekommen. Dieses System muss dringend noch einmal überdacht werden.

Auch bei der Second-Stage gibt es einige Ungereimtheiten. Diese befindet sich nämlich außerhalb des Festivals-Geländes und kann somit von jedem, auch ohne Ticket, betreten werden. Ärgerlich vor allem für alle Newcomer-Bands, die ihre Tickets teils selbst unters Volk gebracht haben.

Danach geht es aber problemlos weiter. Vor allem das Amphitheater überzeugt auch in diesem Jahr wieder durch einen sehr guten Sound und Atmosphäre. Nettes Gimmick: Auf dem Gelände befindet sich eine Sommerrodelbahn. Witzig – wenn auch gänzlich unmetallisch.

Bericht vom Metalfest am Donnerstag, 19.06.2014

Der erste Festival-Tag beginnt mit bestem Wetter und lockt schon am frühen Mittag viele Headbanger ins Amphitheater. Das erste Highlight sind die Münsteraner von Zodiac. Mit ihrem Blues/Hard-Rock geleiten sie die Zuhörer entspannt in den Tag. Dass ihre aktuelle Platte A HIDING PLACE zu Recht mit guten Kritiken belohnt wurde, wird bei ihrem Live-Auftritt deutlich.

Die erste Party-Stimmung kommt bei den Schweden von Battle Beast auf. Sängerin Noora Louhimo schmettert die 80s-lastigen Songs wie ´Let it roar´ (BATTLE BEAST, 2013) oder ´Enter the Metal World´ (STEEL) mit gewohnter Power in die Menge. Mitgröhl-Garantie!

Mit dem ehemaligen Pantera-Sänger Philip Anselmo gibt es am ersten Festival-Abend ein weiteres Highlight. Mit am Start hat der US-Amerikaner seine Band The Illegals. Neben einigen neuen Songs werden auch Pantera Klassiker zum Besten gebracht. Stimmlich ist Anselmo zwar nicht mehr so stark wie in früheren Tagen aber immer noch eine enorm imposante Erscheinung.

Im Anschluss nehmen die “Swedish Pagans” von Sabaton die Bühne auseinander. Wer die Schweden kennt, der weiß, dass sie immer eine gute und vor allem explosive Show präsentieren. Doch heute legen Joakim Bróden und Co noch eine Schippe drauf. Mehr Feuer, mehr Songs, mehr Spielfreude & ein waschechter Panzer auf der Bühne! Aus ´Gott mit uns´  (CAROLUS REX) wird kurzerhand ´Noch ein Bier´, Fans werden auf die Bühne geholt und Kutten werden getauscht. Daneben funktionieren die typischen Sabaton Hits wie ´Primo Victoria´ (PRIMO VICTORIA) oder ´Ghost Division´ (THE ART OF WAR) wie immer bombig. Pure Unterhaltung!

Ein wirklich gelungener Abschluss des ersten Festival-Tages.

Bericht vom Metalfest am Freitag, 20.06.2014

Auch der zweite Tag hat wieder einige Highlights auf Lager. Insbesondere Grave Digger ziehen die Metal Heads scharenweise an. Das Amphitheater ist am Nachmittag bereits gut gefüllt. Kein Wunder, die Band um Chris Boltendahl liefert einen sehr guten Auftritt ab. Spätestens beim Song ´Rebellion´ (TUNES OF WAR, 1996) hat sich die Metal-Masse in Ektase gemosht.

Am frühen Abend sollen dann die Schweizer von Eluveitie mit ihrem Folk-Death-Metal begeistern. Doch bevor die Band auf die Bühne kann, vergehen geschlagene 40 Minuten. „Stromausfall“, erklärt Fronter Chrigel. Zum Glück bleibt dies der einzige Sound-Fauxpas des Festivals. Trotzdem ärgerlich für Eluveitie, die kurzerhand ihr Set stutzen müssen. Trotz allem bleibt allerdings Zeit um den neuen Song ´King´ vom kommenden Album ORIGINS zum präsentieren. Dieser klingt gewohnt gut und macht Bock auf mehr!

Freunde von Stoner-Rock kommen bei Monster Magnet voll auf ihre Kosten. Bei  Songs wie ´Space Lord´ (POWERTRIP) grooved die Menge vor sich hin, bevor es mit Powerwolf spirituell wird. Die Power-Metal-Überflieger feiern in diesem Jahr ihr 10-Jähriges Jubiläum. Die Metal-Messe startet mit ´Coleus Sanctus´ (PREACHERS OF THE NIGHT, 2013) und weil ein Song über das männliche Zentrum nicht genug ist, wird direkt noch ´Resurrection by Errection´ (BIBLE OF THE BEAST) hinterher geschmettert. Powerwolf bieten wie immer eine visuell enorm gute Show. Aber auch musikalisch ist der Gig top! In diesem Sinne: Raise your fist, Evangelist!

Tag zwei beenden die Mittelalter-Rocker In Extremo. Die sieben Berliner stehen mittlerweile seit fast 20 Jahren auf der Bühne, sind aber kein bisschen müde. Im Gegenteil:  Sänger Michael Rhein aka Das Letzte Einhorn hüpft, springt und gröhlt sich noch energischer als sonst über die Stage. Die Festival-erprobten Sieben zeigen abermals welche musikalische Bandbreite zu ihrem Repertoire gehört. Ob Klassiker wie ´Herr Mannelig´ oder Songs wie ´Rasend Herz´ (MEIN RASEND HERZ, 2005) kennt jeder und so wird Rhein bei allen Silben tatkräftig vom Publikum unterstützt. Und weil das Song-umdichten schon am Vorabend bei Sabaton so gut geklappt hat wird aus ´Viva la Vida´(STERNENEISEN) mal eben ´Viva la Wodka´. Na sdorowje!

Bericht vom Metalfest am Samstag, 21.06.2014

Am dritten und letzten Festival Tag beginnt die Party schon am frühen Nachmittag. Die Alcoholic Metaller von Tankard bringen die Menge trotz Enge und Treppenstufen zum moshen. Songs wie ´A Girl called Cerveza´ oder ´R.I.B´ vom neuen Album R.I.B. – Rest in Beer animieren die Fans zu spontanen Circle Pits und natürlich – zum Trinken.

Im Vergleich schlagen im Anschluss die Doom-Rocker von Grand Magus riff-orientierte Töne an. Der Auftritt ist vor allem durch Sänger Janne „JB“ Christofferssons Stimme spektakulär. Insbesondere die Songs ´Hooves of Gold´ & ´Steel vs Steel´ vom aktuellen Album TRIUMPH AND POWER kommen gut an.

Zeit für Death Metal! Wer bis dato noch keine Nackenschmerzen hat, hat sie definitiv nach Kataklysm. Laut, schnell, geil!  Ruhiger wird es auch im Anschluss bei Ensiferum nicht. Aber das will auch heute niemand. Am letzten Festival-Tag werden noch einmal alle Kräfte mobilisiert und sämtliche Nackenmuskeln strapaziert.

Als wäre dieser Tag noch nicht Party-reich genug, stürmen danach Steel Panther die Bühne. Die 4 Kalifornier sind für ihre schlüpfrige, nicht ganz ernst gemeinte Show berühmt-berüchtigt. Barbusige Mädels, obszöne Gesten. Steel Panther wissen: Sex sells! Dass sie damit Recht behalten sollen zeigt dieser Auftritt. Sowohl Männlein als auch Weiblein:  Ausnahmslos jeder kreischt Songs wie ´Gloryhole´(ALL YOU CAN EAT) oder ´Asian Hooker´(FEEL THE STEEL) mit, schwingt das Tanzbein oder entledigt sich seiner Klamotten. Party hard!

Danach leert sich das Amphitheater deutlich. Blöd für Black Label Society: Exakt zur selben Uhrzeit wird auf der Second Stage das Fußballspiel Deutschland : Ghana übertragen. Zack Wylde und Kumpane geben trotzdem alles und überzeugen die anwesenden Fans maßlos.

Den Abschluss des Metalfest 2014 bieten die Thrasher von Kreator. Auch zwei Jahre nach Veröffentlichung funktioniert ´Phantom Antichrist´ bestens. Mille und Co lassen es sich aber auch nicht nehmen Klassiker wie ´Pleasure to kill´(PLEASURE TO KILL, 1986) oder ´Enemy of God´ (ENEMY OF GOD, 2005) zu zocken. Vollkommenes Unverständnis gilt den Leuten, die Mille mehrfach(!) Knicklichter an den Kopf schmeißen. Das ist weder cool, noch in irgendeiner Art und weise Metal. Fronter Mille bleibt davon allerdings unbeirrt. ´Flag of Hate´ beendet nicht nur den Kreator Gig sondern auch das diesjährige Metal Fest auf der Loreley.

Fazit: So war das Metalfest 2014

Abschließend kann man sagen: Gelungenes Festival. Wenn auch leider wieder mit einigen Organisationsschwierigkeiten. Man kann nur hoffen, dass diese im nächsten Jahr ausgemerzt sind, denn die Location über den Dächern des Mittelrheintals ist und bleibt unschlagbar. 

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