Das Jubiläums-Line-up biegt ein Jahr nach dem 30. Rock im Park-Jubiläum um die Ecke. Logisch, dass der Dutzendteich überquillt – und auch METAL HAMMER vor Ort ist. Wir berichten von den Highlights des Open Air in Nürnberg.
Zum Ankommen auf dem Gelände am Freitag, den 6. Juni 2026 gibt es direkt eine kleine Regendusche. Trotzdem herrscht im Allgemeinen bestes Festivalwetter – nicht zu warm, nicht zu kalt, Temperaturen um die 20 Grad. So kann man das erste Highlight richtig genießen: The Pretty Reckless legen wie gewohnt mit ‘Death By Rock And Roll’ los und beweisen direkt, dass sie in bester Spiellaune sind.
Verstrichene Gelegenheit
Überdies verleiht der zusätzliche Live-Gitarrist der Band mehr Druck. Das macht sich unter anderem bei ‘Only Love Can Save Me Now’ und den neuen Brechern ‘For I Am Death’ sowie ‘When I Wake Up’ bemerkbar. Die dezent geschminkte Frontröhre Taylor Momsen spielt gekonnt und routiniert mit der Meute, während Hauptsongschreiber Ben Phillips seine bluesigen Klänge zelebriert. Zu ‘Witches Burn’ packt Momsen ihre Fledermaus-Biss-Anekdote aus.
Und schöner als bei ‘Heaven Knows’ wird es nur noch im Anschluss bei Tom Morello. Der Bruce Springsteen-Kompagnon erzeugt mit dem Publikum ein „antifaschistisches Erdbeben“. Der neue Track ‘Adjourn It’ läuft auch gut rein, zu ‘Everything Burns’ prangen die Worte „Torches, Pitchforks, Molotovs & Bricks“ (in Anspielung an das berühmte Beatles-Shirt „John & Paul & Ringo & George“) im Hintergrund. Während des Solos von ‘’The Ghost Of Tom Joad’ präsentiert der US-Amerikaner ein „Nazis raus!“-Schild.
Retro-Power
Das Rage Against The Machine-Medley bestehend aus ‘Bombtrack’, ‘Know Your Enemy’, ‘Bulls On Parade’, ‘Sleep Now In The Fire’ und ‘Bullet In The Head’ kann schon mal einiges. Richtig ans Herz geht freilich der Audioslave-Klassiker ‘Like A Stone’. Und bei ‘Killing In The Name’ gibt es kein Halten mehr, wobei das Auditorium merklich beim Text schwächelt. Hinten raus setzt es erneut John Lennon (‘Power To The People’) und eine Runde Kiss (‘Rock and Rock All Nite’). Großes Manko: Weder zuvor bei The Pretty Reckless noch hier taten sich beide Acts zusammen, um den gemeinsamen Track ‘And So It Went’ darzubieten – obwohl sie direkt hintereinander die Utopia Stage geownt haben.
Anschließend macht der Dicke-Hose-Riff-Rock von Three Days Grace (mit dem zurückgekehrten Sänger Adam Gontier und Hits à la ‘The Mountain’ und ‘I Hate Everything About You’) durchaus kurz gute Laune, bis die Metalcore-Überflieger von Landmvrks ihre Klangkunst aufführen. Gitarrist Paul „C. Wilson“ Cordebard hat das Anspielungs-Game ebenfalls verstanden, was sein Shirt mit dem Queens Of The Stone Age-Wink „When You Ask For Champagne Always Say B.R.U.T.“ (in Anlehnung an das „Dare To Keep Kids Off D.R.U.G.S.“-Shirt) eindrucksvoll beweist.
Rock im Park: Volbeat & Ice Nine Kills läuten Festival ein
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1 von 18Electric Callboy @ Rock im Park, 5.6.2026Foto: Florian Stangl. All rights reserved. -
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5 von 18Tom Morello @ Rock im Park, 5.6.2026Foto: Florian Stangl. All rights reserved. -
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Zum Beispiel ‘Sulfur’ donnert brutal über die Köpfe der Menschen hinweg, zwischendurch sprayt Frontmann Florent Salfati traditionell sein kleines Kunstwerk. ‘Scars’ bringt die Menge dann derbe zum Springen, woraufhin die Ballade ‘Suffocate’ angenehm unter die Haut geht.
Hernach stellt sich Running Order-bedingt die Wahl zwischen Electric Callboy und Ice Nine Kills – letztere gewinnen diesmal. Wenn schon Die Toten Hosen nicht auf ihrer Abschiedstour bei Rock im Park Halt machen, liefern immerhin die Anzugträger um Spencer Charnas eine Horrorshow – und was für eine (inklusive reichlich verstörenden Einspielclips in Achtziger-Optik)! Der Frontzampano präsentiert zwei abgehackte Arme bei ‘Wurst Vacation’. Trompeter John Christianson und Saxophonist Matt Appleton von The Real Big Fish veredeln ‘Ex-Mortis’. ‘The Laugh Track’ (zu Ehren der Batman-Figur des Jokers) findet vollumfänglich Anklang beim Publikum, der Klassiker ‘A Grave Mistake’ sogar noch mehr.
Den Übersong von einer Achterbahnfahrt ‘Funeral Derangements’ zockt das Quintett, als wäre es eine leichte Übung. Die ‘Psycho’-Inszenierung zu ‘The Shower Scene’ kommt sowieso immer gut, jedoch geht nichts über das Meisterwerk ‘Stabbing In The Dark’, in der schon wieder ein Messer in unheilvoller Weise zum Einsatz kommt. Bei ‘Twisting The Knife’ gibt die aktuell omnipräsente Alissa White-Gluz (Ex-Arch Enemy, Blue Medusa, Dragonforce) einen Überraschungsauftritt – und wird in bester ‘Scream’-Manier abgestochen. Für das fantastische Ende haben sich Ice Nine Kills unter anderem ‘It’ s Hip To Be Scared’, ‘IT Is The End’ und ‘The American Nightmare’ aufgehoben. Zum Rausschmeißer ‘A Work Of Art’ hat sich der ‘Terrifier 3’-Bösewicht in bayerische Tracht geschmissen.
Hinterher rockt Volbeat-Chef Michael Poulsen im Expulsion-Shirt, was die zum Johnny Cash-Anspieler ‘Ring Of Fire’ aufkommende Verachtung (da hätte man ja später auch zu H-Blockx gehen können) leider nicht wettzumachen vermag – immerhin mündet die Einlage in ’Sad Man’s Tongue’. Wenigstens reißen es die Dänen mit Liedern wie ‘The Devil’s Bleeding Crown’, ‘By A Monster’s Hand’ und dem seit etlichen Jahren nicht mehr live dargebotenen ‘Guitar Gangsters & Cadillac Blood’ raus.
Mehr vom aktuellen Album GOD OF ANGELS TRUST darf gewiss nicht fehlen, daher serviert das Quartett ‘Fucked By Satan’s Phallus In The Frostbitten Chamber Of Unending Misery’ (Props to Raised By Owls) – nee, falsch: ‘In the Barn Of The Goat Giving Birth To Satan’s Spawn In A Dying World Of Doom’ natürlich! Grundsätzlich lässt Poulsen Riffs und Melodien regieren, siehe ‘Shotgun Blues’, ‘Seal The Deal’, ‘Stil Counting’ und das unvergleichliche ‘For Evigt’.
Abschließend stellen die derzeitigen Durchstarter Bad Omens mit einer beeindruckend-bombastischen Show ihre Ambitionen unter Beweis und leiten mit ihrem umarmenden Metalcore in die Nacht über. Doch damit nicht genug: Die Veranstalter haben bereits den ersten Headliner für 2027 offenbart: So geben sich die Pop-Punk-Ikonen Blink-182 im kommenden Jahr die Live-Ehre bei Rock im Park (und natürlich auch bei Rock am Ring)!
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