Mit fortschreitender Reife wächst bei den Paten des Drone auch der Überbau. Das Interesse an den Zusammenhängen der Welt, Überlegungen zu bildender Kunst, der Übersetzbarkeit einer Kunstform in eine andere – bei SUNN O))) haben solche Aspekte mittlerweile großen Raum eingenommen. Klar kann man weiter in den Sound stürzen, sich die Organe von tiefen Frequenzen in Zeitlupe neu arrangieren lassen – aber ein völlig unbeschwertes Bällebad im Lava-Flow ist das nicht mehr. SUNN O)))-Platten sind mittlerweile eine intellektuelle Spurensuche. Los geht’s mit dem über 18-minütigen ‘XXANN’ und mächtiger, sägender Dissonanz. Nach zwei Minuten stolpert man über einen Akkordwechsel, im Hintergrund: Plätschern. Während seiner letzten Minuten scheint das Stück dann elendig zu verenden, wie ein vergifteter Fluss. Auch ‘Mindrolling’ und das tieftraurige ‘Glory Black’ mit seinen Klaviersprenkeln werden diesen Klang des Wassers wieder aufnehmen. Dazu passt, dass die Linernotes von Reise- und Wissenschaftsautor Robert MacFarlane stammen, dessen prämiertes Buch ‘Sind Flüsse Lebewesen?’ das Album mitinspirierte. Dass zwei Gemälde von Mark Rothko auf der Platte strahlen, wird, wer so disponiert ist, gern in die Riffs und Details einiger Titel übertragen, als ein rot-blaues Gleißen im schwarzen Raum. Greg Anderson und Stephen O’Malley haben alle Instrumente selbst eingespielt, im Duoformat. Ihr zehntes Album bietet vielleicht keinen großen Wandel, aber ein paar starke neue Impulse – und Gedankentiefe.
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