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Cannibal Corpse: Wendepunkt KILL ist 20 Jahre alt

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Wenn eine Band wie Cannibal Corpse ihr zehntes Studioalbum veröffentlicht, könnte man meinen, sie würde sich auf Routine ausruhen. Doch als die US‑Amerikaner aus Florida im März 2006 über Metal Blade Records ihr Werk KILL losließen, war schnell klar: Hier passiert etwas, das die Diskografie der Death-Metaller nachhaltig verändern würde.

Die Rückkehr von Rob Barrett

Ein entscheidender Faktor für diesen Wendepunkt war die Rückkehr von Gitarrist Rob Barrett. Er hatte die Band bereits zwischen 1993 und 1997 geprägt und war auf Klassikern wie THE BLEEDING (1994) und VILE (1996) zu hören. 2005 kehrte er zurück, und KILL wurde das erste Studioalbum seit einem Jahrzehnt, auf dem seine Handschrift wieder präsent war.

Bassist Alex Webster brachte es im Interview mit Chronicles Of Chaos auf den Punkt. Er erklärte, dass der Weggang von Gründungsgitarrist Jack Owen zwar menschlich schade, musikalisch aber eine Art Befreiungsschlag gewesen sei. Owen habe großartige Songs geschrieben, doch seine Motivation sei zuletzt geschwunden, sein Material immer geradliniger und langsamer geworden. Webster sagte:

„Wir wussten, dass wir dieses Mal eine enorme Verbesserung erzielen würden. Wir wussten, dass das neue Album schneller und komplexer werden würde als alles, was wir auf den letzten paar Alben gemacht haben.“

Mit Barrett zurück im Line‑up und einem frischen Fokus entstand ein Album, das technisch anspruchsvoller, aggressiver und energiegeladener war als vieles, was Cannibal Corpse in den Jahren zuvor veröffentlicht hatten.

Erik Rutan am Steuer

Produziert wurde KILL von Erik Rutan, bekannt durch seine Arbeit mit Hate Eternal und später selbst Gitarrist bei Cannibal Corpse. Rutan ist berüchtigt für seinen kompromisslosen Sound – und genau das hört man. KILL klingt schärfer, brutaler und gleichzeitig klarer als seine Vorgänger. Die Produktion ist ein Schlag ins Gesicht – aber einer, der präzise geführt wird.

Musikalische Neuerungen: Tiefer gestimmt, härter getroffen

Ein besonderes Detail: Zum ersten Mal stimmte die Band alle Instrumente auf die Gis-Stimmung. Diese Änderung verleiht dem Album eine zusätzliche Schwere und Bedrohlichkeit. Die Riffs wirken massiver, die Atmosphäre dunkler, die gesamte Klangwand noch gnadenloser. Für eine Band, die ohnehin für Extremität steht, war das ein wirkungsvoller Schritt.

Charts, Erfolge und ein Fan‑Liebling

KILL war das zweite Album der Band, das den Sprung in die Billboard 200 schaffte – wenn auch „nur“ auf Platz 170. In Deutschland erreichte es immerhin Platz 59. Für eine Death Metal‑Band, deren Musik bewusst unkommerziell bleibt, ist das ein beachtliches Zeichen für die Loyalität ihrer Fanbase.

Und diese Fanbase bekam, was sie wollte: rohe Gewalt, technische Präzision und Songs, die bis heute zu den beliebtesten der Band gehören. Allen voran ‘Make Them Suffer’, ein Lied, das live regelmäßig für kollektives Ausrasten sorgt.

Wer die europäische Ausgabe des Albums kaufte, bekam zusätzlich eine DVD mit einem Konzertmitschnitt aus Straßburg (2004). Ein schönes Zeitdokument, das zeigt, wie ungebremst die Band auch in der Phase vor KILL auf der Bühne agierte.

Ein Cover ohne Gore – und warum das wichtig war

Überraschend war das Artwork: Zum ersten Mal verzichtete die Band auf expliziten Gore. Keine Gedärme, keine Leichen, keine Splatter‑Szenen. Nur ein einziges Wort prangt auf dem Cover: „Kill“, in unmissverständlich großen Lettern.

Der Grund dafür war pragmatisch: Die Band konnte sich nicht auf ein Motiv einigen und entschied schließlich, dass die Musik im Mittelpunkt stehen sollte. Sänger George „Corpsegrinder“ Fisher formulierte es einmal so: „Es gibt keine erhängten Babies, kein Folter‑Cover voller Leichen, keine Toten, die Sex haben. Da steht einfach nur ‚Kill‘.“ Ein minimalistisches Statement, das paradoxerweise brutaler wirkt als manches Splatter‑Gemälde.

Ein Wendepunkt in der Diskografie

Rückblickend herrscht weitgehend Einigkeit: KILL markiert einen Neustart. Nach einigen Alben, die von Fans oft als solide, aber nicht herausragend beschrieben wurden, kehrte die rohe Energie der frühen Jahre zurück. Die Band klang wieder hungrig, fokussiert und gefährlich. Mit 13 Liedern und einer Laufzeit von rund 42 Minuten liefert das Quintett ein Album ohne Füllmaterial – ein Werk, das bis heute als eines der stärksten Kapitel in der Geschichte von Cannibal Corpse gilt.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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