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Exklusives Powerwolf-Album nur in METAL HAMMER 07/2021

Evolve im Test: Willkommener Monster-Streichelzoo!

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Das Spielejahr 2015 hat noch gar nicht richtig begonnen, schon macht ein potenzieller Monster-Blockbuster die Spieler heiß. Das Team der Turtle Rock Studios aus dem sonnigen Kalifornien hatte in der Vergangenheit mit „Counter-Strike – Source“ und der „Left 4 Dead“-Serie Erfolg. Nun wagen sie mit „Evolve“ ein neues Spieleexperiment: Acht bis an die Zähne bewaffnete Testosteron-Brocken, drei mit Hightech-Gadgets ausgerüstete Damen und ein kopfloser Roboter hocken in einem in die Jahre gekommenen Raumschiff. Die illustre Truppe muss mal eben einen Planeten retten – gegen schier übermächtige Monster, die unschuldige Bewohner bedrohen.

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Fünf ist immer einer zu viel

Was sich wie ein schlecht erzählter Witz anhört, ist in Wahrheit die Hintergrundgeschichte des Vier-gegen-eins-Mehrspieler-Geballers. Pilot Cabot wirft kurzerhand vier der insgesamt zwölf Jäger über dem futuristischen Krisen-Planeten Shear ab. Hier soll es das von vier menschlichen Online-Kriegern gespielte Helden-Quartett zunächst mit dem von einem fünften Netz-Mitstreiter gesteuerten Monster Goliath aufnehmen. Die Steinzeit-Echse sieht Furcht einflößend aus, ist etwas launisch und extrem gefährlich. Deshalb hat sich jeder der vier Akteure spezialisiert: Ein Fallenleger soll das flüchtige Monster aufspüren, nach erfolgreicher Suche errichtet er kurzzeitig ein mobiles Gefängnis. Dann schlägt die Stunde des Angreifers: Mit schwerem Geschütz fügt er den größten Schaden zu.

Der Unterstützer springt für das Team unter anderem mit Raketenbeschuss auf Abruf oder dem atomaren Chemie-Baukasten in die Bresche. Der Sanitäter hält die Action-Runde mit allerhand Arzneimitteln so lange wie möglich am Leben. Gelingt ihm das nicht, sind „getötete“ Teammitglieder für zwei Minuten außer Gefecht gesetzt. Jeder Charakter hat seine Stärken und spielt sich auf seine eigene Weise. Dank cooler Soldatensprüche wächst Ihnen die Truppe schnell ans Herz. Es lohnt sich also, für hilflose Kolonialisten und Bit-Gefährten zu kämpfen! Doch tanzt auch nur einer Ihrer Freunde oder vermittelten Online-Bekanntschaften aus der Reihe, wirft er Sie dem Monster zum Fraß vor! Oder nicht?!

Ein Best-of in der Dauerschleife

Zum Verkaufsstart erwarten Sie zunächst fünf Spielmodi: Die „Evakuierung“ der verbliebenen Bewohner vereint Einzel- und Mehrspieler- Kampagne. Im zufällig kombinierten Best-of-Modus retten Sie und Ihre Mitspieler in fünf verschiedenen und teilweise selbst auswählbaren Missionen so viele Einwohner wie möglich. Der Ausgang hat stets Auswirkungen auf Ihre nächsten Heldentaten. Im „Nest“ hat es das Killerkommando mit einer Horde von Ungeheuer-Brutstätten zu tun, die es innerhalb eines Zeitlimits von zehn Minuten zu vernichten gilt. Denn wenn der grimmige Nachwuchs erst mal das Licht der Monsterwelt erblickt hat, sorgt er für reichlich Unruhe. Bei der „Rettung“, einer weiteren Spielvariante, sind überall Menschen verstreut. Die sollen Sie in sichere Teleportationszonen eskortieren. In der „Verteidigung“ bedarf ein strategisch wichtiges Ziel für mehrere Minuten Ihres Schutzes vor einem vollständig ausgewachsenen Ungeheuer und seinen Gehilfen.

Mehr Schein als Monster sein

Computer Bild SpieleDas Highlight ist jedoch die „Jagd“: Das schwachbrüstige Monster startet unterlegen, dafür mit einem kleinen Vorsprung auf der Flucht vor den Jägern. Die haben mit ihren Waffen einen Stärkevorteil, sollen das Ungeheuer töten und ein lebenswichtiges Ziel sichern, etwa einen Stromgenerator. Goliath oder eines der anderen Monster (siehe Kasten rechte Seite) gewinnen mit dem vorzeitigen Tod der Krieger. Alternativ zerstören die wandlungsfähigen Monster in der dritten und zugleich stärksten Entwicklungsstufe das Objekt der Begierde. Für die Verwandlung in höhere Evolutionsstufen brauchen sie Futter, orten mithilfe des Geruchssinns auf Knopfdruck wichtige Mahlzeiten: Mini-Dinos, Uhrzeit-Affen und seltene Elite-Geschöpfe mit der Extraportion Stärkevorteil.

Je mehr Fleisch die potenziellen Opfer auf den Rippen haben, desto näher rücken Maximalstufe drei und komplett veränderte Stärkeverhältnisse. Dafür sorgen auch vier Monster-Spezialattacken. Die aktivieren Sie in jeder Stufe mit jeweils drei Stärkepunkten, womit der verursachte Schaden und der Verwüstungsradius Ihrer Bestie ansteigen. Bis dahin schleicht die wilde Kreatur über eine der bislang zwölf spielbaren Karten. Sie muss aufgeschreckten Vogelscharen und Aasgeiern ausweichen – bloß nicht auffallen ist mit wenig Panzerung und überschaubarer Schlagkraft ihre Devise. Das für ein Monster unwürdige Versteckspiel erzeugt in beiden Lagern eine beklemmende Atmosphäre, Spannung liegt in der Luft. Bis zur vom Monster ersehnten Verwandlung gegen taktisch clevere Jäger ist es ein steiniger Weg. Dafür sorgen die etwas zu klein geratenen, düsteren und damit wenig abwechslungsreichen Landstriche.

Anstrengendes Shooter-Leben

Die von den Machern gewollte, jedoch bislang zu unausgeglichene Spielbalance führte immer wieder zum vorzeitigen Ausstieg von entnervten Monster-Spielern. Das Ungeheuer mutiert zum Schreckgespenst. Dazu kommt ein generelles Problem von „Evolve“: Jede Rolle wird pro Spiel nur einmal vergeben. Obwohl Sie das System vor einer Partie in abstufender Reihenfolge nach der Lieblingsklasse befragt, bekommen Sie auch mal die persönlich unbeliebteste Klasse zugeteilt. Wer sich sonst aus Zeit- und Spaßgründen in der Charakteraufwertung auf bestimmte Klassen spezialisiert, muss sich in „Evolve“ zwangsläufig arrangieren.

Stichwort arrangieren: Die Funktionen und Inhalte der virtuellen Verfolgungsjagd erschlagen zu Beginn wohl die meisten Zocker. Spezialfähigkeiten hier, unübersichtliche Baller-Hektik dort, Entwicklungsprobleme auf der Flucht – das im Grunde simple Spielprinzip mutiert zum komplizierten Monstrum. Sinnvollerweise nehmen Sie die Entwickler mit einem verständlichen Jäger- und Monster-Tutorial an die Hand. Falls Sie nach dem Crashkurs noch nicht für die Online-Welten bereit oder ohnehin lieber als lokaler Einzelkämpfer unterwegs sind, können Sie alle Modi auch gegen KI-Bots bestreiten. Dann ist jederzeit ein Klassenwechsel mit dem Digitalkreuz möglich – eine sinnvolle Funktion! Über drei jederzeit veränderbare Schwierigkeitsgrade sorgen Sie für eine ausgeglichene Begegnung oder geben der Seite Ihrer Wahl einen kleinen Vorteil. Den können Sie gut gebrauchen: Schon bei gleichen Voraussetzungen verlangt „Evolve“ viel Spielgeschick.

Alles eine Frage der Motivation

Stellt sich die Frage, ob vier Spiel-modi und ein Varianten-Medley, zwölf ähnlich aufgebaute Karten, coole Charaktere und drei phasenweise bedauernswert unterlegene Monster einen Vollpreis-Titel für längere Zeit tragen? Klare Antwort: Ja! Das auf dem Papier einfach gehaltene „Evolve“-Prinzip fordert Ihnen viel ab: Zeit und Geduld, Motivation, passende Mehrspieler-Mitstreiter und Allrounder-Fähigkeiten. Können Sie auf ein festes Team mit sinnvollen Strategien und Taktiken zurückgreifen, steigert das die Spielfreude noch einmal deutlich.

Wer auch immer die vergangene Runde gewonnen hat – jeder Teilnehmer fühlt sich danach als kleiner Sieger: Für entscheidende Aktionen und den Einsatz von bestimmten Attacken oder Waffen erhalten Sie Erfahrungspunkte. So verbessern Sie die Spezialfähigkeiten Ihrer Monster, schalten neue Startvorteile (das Monster frisst zum Beispiel schneller, Jäger springen höher) und Erscheinungsbilder frei. Auch Ihr Charakter-Schaufenster erweitert sich dadurch. Zum Start stehen Ihnen nämlich nur vier Jäger (Fallenleger Maggie, Angreifer Markov, Sanitäterin Val und Hank als Unterstützer) und Goliath als Monster zur Verfügung. Die restlichen Protagonisten schalten Sie mühsam mit zunehmendem Spielerfolg frei.

Düsteres Grafik-Panorama

Optisch ist „Evolve“ ein zweischneidiges Schwert: Aufgrund der überwiegend düster gehaltenen Planetenlandschaft kommen die gelungenen Texturen und feinen Charakterdetails nicht vollends zur Geltung. Dafür beeindrucken die Superkräfte der Monster. Wenn der Geist seine brachiale Supernova auf Feinde loslässt, lenkt das effektreiche Blitzlichtgewitter zum Wohle der Jäger schon mal vom eigentlichen Spielgeschehen ab. Umso bedauerlicher ist es, dass sich die Monsterriege nach der vielversprechenden Entwicklungs-Animation in der höheren Gefährlichkeitsstufe kaum von den Vorgängern unterscheidet. Dafür sorgen bedrohliche Monster-Geräusche und der gelungene Action-Sound für Gänsehaut. Auch technisch leistet sich „Evolve“ keine Fehler: Während des Test-Zeitraums hielten die Server der Jagd ohne Probleme stand, weder Ruckler noch Verbidungsabbrüche standen den fünf Spielern im Weg.

Vorläufiges Fazit: Evolve

Experimente sind ein wahrer Segen für die Spielergemeinde. Das beweist auch „Evolve“ – zumindest teilweise: Das Vier-gegen-eins-Spielprinzip ist erfrischend anders. Die zwölf markanten Charaktere haben nicht nur unterschiedliche Vorzüge, jeder steuert sich auch auf seine eigene Art. Gerade in den ersten Spielstunden erzeugt die Mehrspieler-Jagd nach einem großen Ungeheuer auf beiden Seiten eine beklemmende Atmosphäre. Wer dann mit geeigneten Teammitgliedern unterwegs ist und nach etwas Übung taktisch besser agiert, erlebt außergewöhnliche Spielmomente.Allerdings gestaltet sich die Monster-Hatz zunächst wenig einsteigerfreundlich, das Kampfgeschehen wirkt phasenweise viel zu hektisch und überladen. Wenn man dann als Monster auch noch panische Angst vor vier kleinen Kriegern haben muss, sollte die Spielbalance dringend justiert werden. Neben dem unheimlich motivierenden Teamgefühl steht und fällt damit die Langzeitmotivation.

Erscheinungstermin „Evolve“: 10. Februar 2015 für PC, PS4, Xbox One.

Quelle: Computer Bild Spiele. Mehr bei computerbild.de

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