Seit dem für die Nintendo 64 erschienenen ‘GoldenEye 007’ (1997) gibt es in der Videospiellandschaft immer wieder den beinahe verzweifelt wirkenden Ruf, das James Bond-Franchise erneut mit einem derartigen Meisterstück zu ehren. Und jeder neue Ableger stößt die altbekannte Debatte wieder an: Wird es so gut wie damals? Was ‘007 First Light’ betrifft, ist die Antwort klar: Nein. Aber es ist anders gut. Statt auf First Person-Gefechte im Couch-Koop setzt Entwickler IO Interactive einen anderen Schwerpunkt und zeichnet die jungen Jahre von James Bond nach, der von der Royal Marine zum MI6 wechselt – weniger als unfehlbare Ikone, sondern als Agent im Werden. Wie aus den Filmen gewohnt führt die Geschichte durch diverse Schauplätze in der ganzen Welt: mal leise schleichend durch Gegnerhorden, mal im offenen Feuergefecht mit lauten Explosionen, aber immer mit reichlich Spionage-Pathos. Dabei orientiert man sich bei ‘007 First Light’ Gameplay-technisch offenkundig an anderen Agentenspektakeln wie der ‘Hitman’-Reihe.
IO Interactive, die mit ‘HITMAN World Of Assassination’ (2016) bereits Erfahrung mit dem Franchise gesammelt haben, gestalten vor allem die hektischen Schusswechsel – von denen es glücklicherweise mehr gibt als im spielerischen Vorbild – deutlich flüssiger. Doch genau darin liegt auch die größte Irritation. ‘007 First Light’ ist kein kompromissloser Shooter. Wer großen Wert auf flotte Schießereien legt, könnte deshalb von der Umsetzung enttäuscht sein. Doch auf jeden Fall gelingt eine solide Umsetzung der Marke James Bond, die spielerisch überzeugt – nicht als nostalgische Wiederholung von ‘Golden Eye 007’, sondern als moderne Neuinterpretation eines Mythos.
