Joel Hoekstra ist vermutlich ohnehin einer der umtriebigsten Gitarristen im Business. Doch nun – mit dem endgültigen Ende seiner Haupt-Band Whitesnake – hat der US-Saitenflitzer und Melodieexperte noch mehr Zeit. So viel Zeit, dass er sogar ganz und gar frischgebackene Newcomer wie Austen Starr unter seine Fittiche nimmt. Die aus Boston stammende Sängerin legt mit I AM THE ENEMY ihr Debütalbum vor, das sie komplett in Zusammenarbeit mit Hoekstra geschrieben hat. Das hört man allerdings kaum heraus: Wer hier ausladenden, hymnisch-melodischen Hard Rock mit seiner unverkennbaren Handschrift erwartet, wird vermutlich recht enttäuscht sein. Wenn man sich die dünnen Gitarren-Riffs von den „schnelleren“ Songs wie ‘Running Out Of Time’ der Platte wegdenken würde, bekäme man ein ganz klassisches modernes Pop-Album. Der Gesang ist im Grunde perfekt inszeniert, aber durchweg seelenlos. Auch wenn Starr in den meisten Songs irgendwie über ihre Gefühle singt – richtig fühlen will man sie nie. Zwar entsteht durch die Nähe zum Pop eine Art ohrwurmige Eingängigkeit, die besonders in fröhlichen Liedern wie dem Avril Lavigne-artigen ‘All Alone’ hervorkommt, aber eher die Art, für die man sich am Ende schämt. Wie wenn man heimlich bei einem Britney Spears-Song mitsummt. Klar, das ist Unterhaltung, aber keine gute Rock-Musik. Man sollte sich also nicht von Starrs Leder-Lady-Look auf dem Cover täuschen lassen.
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