Wo die meisten Musiker krampfhaft nach der nächsten Hookline suchen, geht es Corrosion Of Conformity seit jeher um Ausdruck, Haltung und ein Lebensgefühl, das sich nicht glattbügeln lässt. Nach den jüngsten Ereignissen ist genau das spürbarer denn je. Der Tod von Drummer Reed Mullin im Jahr 2020 und der anschließende Ausstieg von Bassist Mike Dean hätten die Band auch lähmen können. Stattdessen scheint das Songwriter-Duo Pepper Keenan und Woody Weatherman noch motivierter, die ureigene Corrosion Of Conformity-Seele freizulegen. Und diese Seele pulsiert weit weg vom Glamour. Mögen andere Bands wie ein saftiges, wohltemperiertes Steak wirken, stellen Corrosion Of Conformity eher den beinharten Pansen dar. Daran kann man sich die Zähne aus- oder eben beherzt reinbeißen. Bei GOOD GOD / BAAD MAN empfiehlt sich Letzteres. Die Songs knurren, rocken schlammig und drehen derb auf, grooven mitunter auch mal eingängig, nehmen den Hörer aber überwiegend in den Schwitzkasten. Hier geht es nicht um radiotaugliche Hooks, sondern eine Haltung, die aus Punk, Southern Rock, Doom und Hard Rock gleichermaßen gespeist wird. Diese Platte lebt von Ecken, Kanten und einem Sound, der bewusst nicht geschniegelt daherkommt. Dieses Album wirkt wie ein rauer Liebesbrief an alles, was Rock’n’Roll einmal war und heute kaum noch sein darf. Hits darf man aber keine erwarten.
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