Achtung, Überlastung! Das giftige Grund-Riff des Openers und Titel-Songs könnte locker von FAR BEYOND DRIVEN (1994) stammen. Diese kantige, fast stoisch vorwärtsdrückende Wucht trägt INTO OBLIVION von der ersten Sekunde an. Grundsätzlich gefallen mir Lamb Of God dann am besten, wenn sie wie einst auf SACRAMENT (2006) den lässigen Dime-Vibe mit rassigen Hochgeschwindigkeitsspitzen paaren. Genau von diesem Kraftfutter gibt es hier eine gehörige Ladung. ‘The Killing Floor’ walzt mit kompromissloser Präzision alles nieder, ‘Blunt Force Blues’ fährt mit einem schlicht mörderischen Grund-Riff auf und ‘Parasocial Christ’ schraubt unentwegt an den Nervenenden, während ‘Sepsis’ als krank schleichende Psychonummer beginnt und schließlich in ein Slayer-Geschoss mutiert. Die vielleicht größte Überraschung – und damit größte Perle – ist die Power-Ballade ‘El Vacío’. So vielschichtig, dynamisch und mit mehreren Härtegraden ausgestattet, dass sie Erinnerungen an Alice In Chains in ihrer Hochphase weckt. Auch ‘A Thousand Years’ lebt von emotionalen Abstufungen und variierenden Gesangsansätzen. Frontmann Randy Blythe liefert ohnehin absolute Spitzenklasse ab. Zwischen kontrollierter Raserei und eindringlicher Intensität bewegt er sich auf höchstem Scream- und Gesangsniveau. Wenn man nach diesen 40 Minuten metallischer Achterbahnfahrt verschwitzt von INTO OBLIVION ausgekotzt wird, weiß man wieder, warum man einst dem Metal verfallen ist. Mit seinen rassigen Riffs, überbordender Härte, emotionalen Untiefen und technischen Finessen trägt dieses Album die Essenz des Genres kraftvoll weiter.
Lamb Of God brennt es mal wieder unter den Nägeln, wie INTO OBLIVION fraglos beweist. Mit gewohntem Furor steigert sich die Band um Frontmann Randy Blythe sowohl lyrisch als auch musikalisch in ihren markanten Groove rein. Blythe lässt seiner Frustration über die aktuelle politische Lage lautstark fauchend freien Lauf und spricht damit manch einem aus der Seele. Angemessen wütend, bemerkenswert mitreißend und unverkennbar Lamb Of God. Helen Lindenmann (5,5 Punkte)
Erstaunlich, wie es den US-Amerikanern gelingt, technischen Anspruch und komplexe Strukturen in eingängig dahingroovende bis packend in den Nacken fahrende Songs umzusetzen! INTO OBLIVION macht Lust auf die Sommerauftritte bei Wacken und Summer Breeze Open Air. Dass Lamb Of God darüber hinaus kein Blatt vor den Mund nehmen, spricht zusätzlich für sie. Katrin Riedl (5 Punkte)
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