Das ist ja fast schon ein bisschen langweilig: Zum mittlerweile dritten Mal in Folge nehmen Soen den Soundcheck-Sieg mit nach Schweden. Nach IMPERIAL (2021) und MEMORIAL (2023) ist jetzt auch RELIANCE unser Album des Monats – der Hattrick ist komplett, und das natürlich mal wieder vollkommen verdient. Irgendwie schaffen es Schwedens Prog Metal-Wunderkinder, die Ästhetik und den Anspruch von Opeth mit einem unfassbaren Gespür für Hooks und musikgewordener Emotion zu verbinden, was Katatonias besten Momenten Konkurrenz macht. Moment mal, das sind ja alles Schweden. Hm. Dadurch entstehen jedenfalls strahlende, bewegende Prog Metal-Nordlichter, die größer sind als Musik selbst. Das geht. Es gelingt aber eben nur, wenn Individuen zusammenfinden, die auf unsichtbaren Kanälen kommunizieren, die den innersten Geist der Musik anzapfen können. Soen können das. Und sie beweisen mit diesem mittlerweile siebten Album, dass diese Quelle einfach nicht versiegt. Der Opener ‘Primal’ reißt mit berstender Härte und kaum im Zaum gehaltener Verzweiflung mit, und das folgende ‘Mercenary’ zeigt eindrucksvoll, wieso Frontmann Joel Ekelöf längst zu den besten Sängern des Genres zählt. Was für eine Stimme!
Überhaupt ist der Song eine überwältigende Hymne, die man direkt danach noch mal hören möchte. Das geht aber nicht, denn Soen schreiben keine Songs, sie erzählen Geschichten. RELIANCE ist mehr Narrativ als Rock-Platte – ein ungefilterter Einblick in das Seelenleben seiner Schöpfer. Daran hat natürlich auch das expressive, elegante, durchgehend eindrucksvolle Schlagzeugspiel von Band-Gründer Martin Lopez großen Anteil. Und dafür sorgen auch Keyboarder Lars Enok Åhlund, Gitarrist Cody Lee Ford und Basser Stefan Stenberg. Soen bestehen aus Musikern, die alle unfassbar viel können, das aber nicht durchgehend zeigen müssen. Dadurch verkommt RELIANCE nicht zur Nabelschau, sondern wird zu einem weltbewegenden Moment; einem Kunstwerk, das die besten Momente von Opeth, Anathema und Katatonia zitiert, dabei dennoch dezidiert modern und zeitgeistig klingt und die ehrenvolle Geschichte des Genres mit viel Gefühl und eigener Note weitererzählt. Denn auch davon zeugen Songs wie ‘Discordia’ oder das ahnungsvolle ‘Huntress’, die zwischen anmutiger Schönheit und grabestiefer Härte oszillieren: Soen klingen wie niemand anderer. Und das sollte ihnen auch in Zukunft Soundcheck-Siege sichern.
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