So präsent wie derzeit war Metal im Kino lange nicht mehr. Zwischen Band-Dokumentationen über Kreator oder Iron Maiden und humoristischen Exzessen wie ‘Studio 666’ (2022) oder ‘Spinal Tap II: The End Continues’ (2025) wird die Szene meist entweder nostalgisch verklärt oder selbstironisch gebrochen. ‘Wolves’ geht einen anderen Weg. Für Luana (Selma Kopp) wird Black Metal zur Gegenwelt eines Lebens, das längst in emotionaler Reglosigkeit erstarrt ist. Während ihr Vater todkrank ist und sie sich als Erzieherin zunehmend eingeengt fühlt, findet sie über ihren Cousin Domi (Fabian Künzli) Anschluss an dessen Band Wolves. Sie übernimmt Merchandise und Social Media, kommt Sänger Wiktor (Bartosz Bielenia) näher – und gerät dabei immer tiefer in ein Umfeld, dessen Nähe zur NSBM-Szene nicht als plötzlicher Tabubruch erscheint, sondern allmähliche Gewöhnung ans Abgründige. Gerade darin liegt die eigentliche Verstörung des Films.
Untermalt mit der von Manuel Gagneux (Zeal & Ardor) komponierten Musik, einem Gastauftritt von Amenra sowie einer authentischen Underground-Ästhetik gelingt ‘Wolves’ ein Szeneporträt, das weit über bloße Insider-Referenzen hinaus funktioniert. Für solche bleibt allerdings vieles im Dunkeln. Warum Luana ihr Seelen(un-)heil ausgerechnet im Black Metal sucht und was sie darin findet, wird nicht explizit deutlich. Ebenso wenig, warum sie sich trotz fundamentaler Gewissenskonflikte nicht von Wiktor lossagt. So wird sie teilweise (wenn auch stilistisch gewollt) zur Statistin ihrer eigenen Erzählung und überlässt vieles der Fantasie. Am Ende zerfällt ‘Wolves’ teilweise an derselben Leerstelle, die seine Figuren umtreibt: der Sehnsucht nach Bedeutung in einem Kosmos, dessen Dunkelheit nur noch dort wirklich erschreckt, wo sie nicht mehr gespielt, sondern gewöhnlich wirkt.
