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The Devin Townsend Band: 20 Jahre SYNCHESTRA

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Wenn man Devin Townsends Diskografie verstehen will, muss man dazu bereit sein, sich auf ein Labyrinth einzulassen. SYNCHESTRA, erschienen 2006, markiert einen jener seltenen Momente, an denen der kanadische Klangarchitekt kurz innehält – oder zumindest so tut, als würde er es. Ob es sich dabei um sein siebtes oder achtes Album handelt, hängt davon ab, ob man COOKED ON PHONICS (1995) mitzählt – jenes schräge Punky Brüster‑Projekt, das Mitte der Neunziger in Japan und Nordamerika veröffentlicht wurde. Townsend selbst würde vermutlich grinsen und diese Frage als Erbsenzählen abtun.

Die Odyssee von ACCELERATED EVOLUTION (2003) bis SYNCHESTRA (2006)

Klar ist: SYNCHESTRA ist das zweite Werk, das in Zusammenarbeit mit der Devin Townsend Band entstand. Diese feste Formation rief Townsend 2002 ins Leben, nachdem er zuvor vier Soloalben mit wechselnden Musikern eingespielt hatte. Gitarrist Brian Waddell, Mike Young am Bass, Schlagzeuger Ryan Van Poederooyen und Keyboarder Dave Young sollten fortan Stabilität in Townsends kreatives Chaos bringen. Das Debüt dieser Besetzung, ACCELERATED EVOLUTION, erschien 2003 und wurde prompt von einer Tournee begleitet, während parallel bereits die Arbeiten am dritten Album seiner Extreme Metal‑Band Strapping Young Lad liefen.

Was folgte, war ein Strudel aus Arbeit, Schlafmangel und künstlerischem Perfektionismus. 2004 stürzte sich Townsend direkt in die Produktion von ALIEN, dem vierten Strapping Young Lad‑Album, das seinen Vorgänger übertreffen sollte – nicht zuletzt, weil Townsend mit diesem alles andere als zufrieden war. Sein radikaler Ansatz: Er setzte die Medikamente ab, die ihm aufgrund seiner bipolaren Störung verschrieben worden waren. Das Ergebnis war ein brutales, intensives Werk, das 2005 erschien.

Nach diesem emotionalen und kreativen Kraftakt wandte er sich wieder seiner Solo-Band zu. Er begann an einem Album zu schreiben, das als Gegenstück zu ALIEN gedacht war: ein Werk namens HUMAN. Doch wie so oft bei Townsend nahm das Projekt eine Wendung und erschien 2006 unter dem Titel SYNCHESTRA. An dieser Stelle schließt sich der diskografische Kreis und wir kommen zu dem Tag an, der sich heute zum 20. Mal jährt.

Keine Schublade ist Devin Townsend groß genug

SYNCHESTRA ist ein seltsames Biest – und das im besten Sinne. Die Grundidee, die Perspektive eines Wesens einzunehmen, das nach langer Abwesenheit auf die Erde zurückkehrt, erschließt sich für den Ersthörer nicht sofort. Zu sprunghaft, zu verspielt, zu unberechenbar wirkt das Klangbild: Pop‑Metal trifft auf Folk, plötzlich setzt Polka ein, dann schimmern Klänge durch, die an den Mittleren Osten erinnern. Doch wer Devin Townsend kennt, bemerkt sofort, dass SYNCHESTRA eine Art musikalische Verschnaufpause darstellt. Zwischen all den stilistischen Kapriolen entfaltet sich ein atmosphärischer, stellenweise verträumter Charakter, der im Kontrast zu Townsends sonstigen Eskapaden fast meditativ wirkt.

Diese Mischung aus Originalität, Abwechslung und emotionaler Offenheit kam gut an. In Deutschland erreichte das Album immerhin Platz 85 der Charts. Für ein Werk, das sich konsequent weigert, sich in ein Genre pressen zu lassen, ist das ein beachtlicher Erfolg.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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