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Thin Lizzy: 50 Jahre JAILBREAK

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Wenn eine Band mit dem Rücken zur Wand steht, entstehen manchmal die Platten, die alles verändern. Genau so war es 1976 bei Thin Lizzy. JAILBREAK, das sechste Album der irischen Rock-Giganten, feiert sein 50. Jubiläum – und bis heute klingt der Knall nach, der die Band aus einer stagnierenden Karriere schoss und ihr internationalen Ruhm verschaffte.

Ultimatum vom Label, zwei Flops im Gepäck

Nach den kommerziellen Bauchlandungen von NIGHTLIFE (1974) und FIGHTING (1975) war die Stimmung bei Thin Lizzy angespannt. Ihr Label Vertigo Records stellte ein knallhartes Ultimatum: Noch ein Album – und wenn das nicht zündet, war’s das.
Zwar schaffte es FIGHTING erstmals in die britischen Charts, aber Platz 60 reichte nicht aus, um die Alarmglocken beim Label zu beruhigen. Der Druck war enorm, die Nerven lagen blank: Genau daraus entstand ein Album, das heute als Klassiker gilt.

Zähneknirschende Gitarristen

Produzent John Alcock hielt den Zeitplan straff, die Aufnahmen gingen vergleichsweise flott über die Bühne. Doch hinter den Kulissen brodelte es. Vor allem die Gitarristen Scott Gorham und Brian Robertson haderten mit dem Ergebnis: Gorham war unzufrieden mit dem Gitarren-Sound im finalen Mix, Robertson fühlte sich bei mehreren Entscheidungen übergangen. Der größte Zündstoff für die Streitigkeiten: ‘Running Back’.

‘Running Back’: Das Lied, das jahrzehntelang Streit auslöste

Ursprünglich als Single geplant, wurde ‘Running Back’ schließlich zugunsten von ‘The Boys Are Back In Town’ zurückgestellt – aus Angst, der Song könne für manche Radiosender „zu aggressiv“ wirken.

Doch das eigentliche Drama spielte sich im Studio ab: Frontmann Phil Lynott und Produzent Alcock engagierten den damals angesagten Schauspieler Tom Hinkley, um eine Keyboard-Stimme einzuspielen. Robertson hatte bereits eine eigene Pianoversion aufgenommen und war fassungslos, dass man stattdessen Hinkley einfliegen ließ. Sein späteres Statement spricht Bände: „Ich fühlte mich von den Veränderungen stark persönlich angegriffen. Ich konnte einfach nicht verstehen, warum sie diesem Typen ein Vermögen gezahlt haben, um das einzuspielen. Hört es euch selber an und erzählt mir, dass ich nicht verrückt bin.“ Auf der finalen Albumversion spielt Robertson tatsächlich gar nicht. Erst 2011 veröffentlichte er seine eigene Version des Lieds auf DIAMOND AND DIRT, das Thema schien ihm keine Ruhe gelassen zu haben.

Der Hit, der alles veränderte

Dass ‘The Boys Are Back In Town’ zur Single wurde, erwies sich als goldrichtige Entscheidung. Der Song wurde in den USA zum größten Hit der Band und bleibt bis heute ihr Markenzeichen. JAILBREAK ist zudem das einzige Thin Lizzy-Album, das in den USA Goldstatus erreichte. Der internationale Durchbruch war geschafft.

Auch ‘Romeo And The Lonely Girl’ stand kurzzeitig als Single-Idee im Raum – doch wie es im CD-Booklet heißt, „konnte sich niemand so recht dafür begeistern“. Ein Stiefkind des Albums, das bis heute eher im Schatten steht.

Tournee abgebrochen – und trotzdem ein Triumph

Nach der Veröffentlichung starteten Thin Lizzy eine Tournee mit Größen wie Aerosmith und Rush. Doch Phil Lynott erkrankte an Hepatitis, sodass nur ein Teil der geplanten Konzerte gespielt werden konnten. Der geplante Abschnitt mit Rainbow fiel komplett aus. Trotzdem: JAILBREAK schoss in Großbritannien auf Platz 10 der Charts – ein Meilenstein.

Ein Album, das unter Druck zum Diamanten wurde

JAILBREAK ist mehr als nur ein Klassiker. Es ist das Dokument einer Band, die sich in einer Krise neu erfand – und dabei einige ihrer größten Songs schrieb. 50 Jahre später klingt die Platte immer noch frisch, gefährlich und voller Energie. Ein Jubiläum, das man feiern muss.


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Nuria Hochkirchen schreibt freiberuflich unter anderem für METAL HAMMER. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.

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