Tiamat: Interview mit Sänger Johan Edlund

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Die Stimmung im Tiamat-Camp ist gedrückt. Die aktuelle Tour ist schlecht organisiert, der Publikumsandrang hält sich in Grenzen und die meisten Besucher kommen wegen des Co-Headliners The 69 Eyes. Zu allem Überfluss ist es arschkalt, was Tiamat-Frontmann Johan Edlund wehmütig an sein Domizil in Griechenland denken lässt: „Ich wohne seit einigen Jahren in Thessaloniki, was sich natürlich auf die lange Wartezeit zu unserem letzten Album AMANETHES ausgewirkt hat. Verständlicherweise hatte ich dort Besseres zu tun. Im Olivenbaumgarten meiner Freundin zu dösen, beispielsweise.“

In seiner Wahlheimat bekommt Johan jedoch nicht nur die Sonnenseiten mit. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände im letzten Herbst hat er hautnah erlebt: „Ich komme zwar aus dem Ausland, verstehe aber, warum sich der Zorn auf die Politik so heftig entladen hat – auch, wenn Gewalt keine Lösung für die vielen Probleme dieses Landes ist.“

Vergleichsweise heftig ist auch das letzte Tiamat-Album AMANETHESJohan ist sich dessen zwar bewusst, aber: „Wir schreiben nur Songs, die uns gefallen. Über das wie und warum denke ich nicht sehr viel nach. Ich lese auch keine Reviews oder Forumseinträge. So was interessiert mich nicht. Das ist aber keine Arroganz, sondern reiner Selbstschutz, um diese Band überhaupt am Laufen zu halten.“

Ob und wie die Formation allerdings weitermacht, scheint momentan fraglich, denn übermäßig optimistisch blicken die Schweden nicht in die Zukunft: „Ob es irgendwann wieder ein Tiamat-Album geben wird, und unter welchen Umständen es erscheint, wissen wir momentan schlicht und ergreifend nicht. Es ist auch nicht wichtig, was in der Zukunft passiert, wir konzentrieren uns lieber auf das Hier und Jetzt. “

Daher genießen die Schweden zumindest das aktuelle Privileg, dank des Supports von The 69 Eyes jede Menge hübscher Mädchen im Publikum zu haben, was speziell seinen Kollegen Lars Sköld freut: „Wir haben eigentlich immer viele Frauen unter unseren Fans – wenigstens ein Vorteil, wenn man in dieser Band spielt, hähä…“ Und der Chef ergänzt: „Naja, unser Publikum ist eigentlich ziemlich gemischt, da kommen auch viele ältere Leute und Hippies, die auf unser experimentelles Zeug abfahren. Die sind uns wohl noch übrig geblieben aus der Zeit, in der wir mit Black Sabbath getourt sind. Diese Tour war übrigens der größte Fehler meiner bisherigen Karriere. Damals habe ich zu viel auf andere Leute gehört – und prompt haben wir viel Geld verloren.“

Die Erwähnung dieser (Tor-)tour weckt jedoch Erinnerungen an das ambitionierteste – und wohl vielleicht beste – Tiamat-Album A DEEPER KIND OF SLUMBER. Angesprochen auf den Geniestreich meint Johan bescheiden: „Das Album selbst halte ich nicht für besonders, aber die Zeit, in der es erschienen ist, war es. In dieser Ära erschienen auf unserem damaligen Label Alben wie HOW TO MEASURE A PLANET? von The Gathering, PASSAGE von Samael oder IRRELIGIOUS von Moonspell. Damals herrschte ein anderer Spirit in der Musikszene, es ging darum, neue Dinge auszuprobieren und Spaß zu haben – und genau das ist es doch, worum es bei Musik eigentlich gehen sollte.“

Sprach’s und schenkt dem Interviewer einen letzten, durchdringend-traurigen Blick. Spaß geht anders.

 

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