40 Jahre METAL HAMMER

40 Jahre METAL HAMMER: Teufelsbeschwörungen und Satanskult

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Teufelskulte, Hexen, Schwarze Messen und Blutopfer – das sind Dinge, die man im Heavy Metal seit jeher in Form von Texten und Artworks findet. Die Faszination mit dem Morbiden und Düsteren gibt es schon, seit Iommi die Noten fürs Black Sabbath-Debüt eindreschte. Vor allem in den Achtziger Jahren waren Satanismus und Okkultismus ein großes Thema. Denn während heute fast niemand mehr glaubt, das Metaller heimlich Ziegen zu Ehren des Gehörnten zerteilen, galt damals noch das Gebot der Satanic Panic. Kein Wunder also, dass sich METAL HAMMER deshalb Thema in einem umfangreichen Special annahm.

Seit den Sechzigern in Zeichen des Satan

Los geht es, natürlich ganz dem journalistischen Anspruch entsprechend, mit einem historischen Umriss, was der Teufel bisher in der Rock-Musik verbrochen hat. Jimmy Page und Mick Jagger werden als Vorzeigeburschen erwähnt, wenn es um derartige Dinge geht.

Jagger sei ein Anhänger Kenneth Angers gewesen, der wiederum selbst ein Schüler des Ober-Okkultisten Aleister Crowley gewesen sein will. Jagger hätte sich jedoch fix wieder von der Zauberei abgewendet, nachdem ihr Auftritt auf dem Altamont in ein blutiges Desaster ausartete. Natürlich, während sie ‘Sympathy Of The Devil’ spielten.

„Er hatte zuvor“, so wird Anger diesbezüglich zitiert, „die ganze Magie wohl bloß als Spiel verstanden, aber nun wurde es auf eine Art Wirklichkeit, die die Gruppe zerstören konnte. Er hatte den Film als einen Jux aufgefasst. Nun war er plötzlich zu sehr involviert, um es noch vergnüglich zu finden.“ Auch Black Sabbath bekommen ihr Fett direkt weg. Ein zitierter Beitrag aus einem sogenannten Rock-Lexikon wird den Briten vor, ihre Karriere mit grausigen Bühnenritualen und Prahlereien von Bluttaten begonnen zu haben. Der Autor des METAL HAMMER-Artikels, George Roth, kann das natürlich nicht ganz ernst nehmen.

Black Sabbath kriegen den ersten Platz

„Doch wie sieht es bei der heutigen Generation der sich ach so okkult und satanistisch gebärdenden Kraft-Rocker aus?“, fragt sich dieser, und lässt Mick Box von Uriah Heep antworten: „In diesem Bereich hat Black Sabbath das definitive Statement getroffen, und Ozzy Osbourne führt das weiter. Jeder weitere, der das auch macht, ist so nur zweitklassig oder nur zweitbester!“ Warum speziell Mick als Experte in Sachen Okkultismus im Rock herangezogen wurde, weiß nur noch der Leibhaftige selbst.

„Mit dieser Feststellung von Mick Box könnte man eigentlich das ganze Thema schon abhaken. Wäre es nicht so brisant. drückt sie doch deutlich das Manko, das Fehlen von Originalität vieler aktueller Vertreter dieser Richtung aus.“ Für den Autor sei aber vor allem die Distanzierung vom Thema ein oft gesehenes Phänomen. Bands würden in ihren Texten allerhand satanisches Verzapfen und dann anschließend sagen: „So haben wir das ja gar nicht gemeint.“ 

Ausweichende Black-Metaller

Als Bespiel muss die berühmte „Black Metal“-Band Slayer herhalten. „Wir provozieren überhaupt nichts, wir sagen nicht, ‚macht dieses oder jenes‘, wir behaupten nicht, was Gut und was Böse ist. An gewisse Sachen glauben wir, an andere wiederum nicht. Wie die Leute es dann betrachten oder aufnehmen, ist ihre Sache, das ist ihre Meinung… Ich persönlich denke, dass die Kids ein bisschen mehr Ahnung davon haben sollten, was man machen sollte und was nicht. Wir gehen nicht raus auf die Bühne und sagen ihnen, daß sie das tun sollten. Wenn sie sich beispielsweise den Mund blutig beißen, sich quasi selbst verstümmeln – wenn sie das tun, sind sie krank in ihrem Schädel!“ Kollege Araya sagt: „Im Grunde zählt nur, was der einzelne als Wahrheit ansieht. In dieser Beziehung soll jeder für richtig halten, was er denkt!“ Welch ausweichende Antworten!

Wie sehen Venom das Problem, die für sich selbst sicher in Anspruch nehmen können, Vorreiter einer zweiten Generation von Black- und Okkult-Bands der Achtziger Jahre zu sein. Auf die Frage, welche Rolle bei ihnen okkulte Inhalte spielen, bemerkte Mantas: „Man sollte das nicht überbewerten, da ist schon viel Image dabei.“ Und überhaupt würde sich Cronos intensiver mit der Materie befassen. Man sollte das doch bitte schön nicht ganz so ernst nehmen. Wie könnte man Cronos in seinen Lederhöschen überhaupt für voll nehmen?

Allerhand Unsinn

Die Verantwortung der Musiker und Texter im Black Metal sei laut dem Autor allerdings beträchtlich, da ihre meist jugendlichen Fans sich noch in der geistig-mentalen Entwicklung befänden. Sie seien oft nicht reif genug, um zu wissen, was gut für sie ist. Zudem hätten die Musiker eine Vorbildfunktion, der viele Fans blind folgen. In einer Zeit, die von Schnelllebigkeit und innerer Leere geprägt ist und an geistigen Orientierungspunkten mangelt (ja, das waren eben die Achtziger), bestehe die Gefahr, dass Jugendliche in innere Konflikte geraten und unüberlegt die Inhalte der Musik für bare Münze nehmen. Das könne dann dazu führen, „dass sie an den Unsinn glauben, der ihnen über Black Metal vermittelt wird“.

„Welche konkreten Formen dieser ganze Satans- und Teufelskrempel annehmen kann, zeigt sich nicht zuletzt bei der gerade in letzter Zeit wie Pilze aus dem Boden schießenden deutschen Newcomerbands aus der Hard- and Heavy-Szene“, so Roth. „Einige davon (wohl gemerkt, nicht alle!!!) haben sich hundertprozentig dem Black- oder Okkult-Rock verschrieben; ihre Mitglieder oftmals nicht älter als 20 Jahre. Das folgende Beispiel ist ebenso makaber wie traurig. Es ist aus einem Einladungsschreiben zu dem Konzert irgendeiner Newcomerband aus Deutschland zitiert. ‚Wenn Ihr blutgeil seid, müßt Ihr auf unser nächstes Slaughter in Hell-Konzert kommen. Wir zersägen Kreuze und blutige Köpfe auf der Bühne, erschießen Mönche und Jesus Christus… etc. Bloodlust!‘ Ein Kommentar erübrigt sich wohl!“ Klingt doch aber eigentlich ganz gut!

Bei Metal geht es um Spaß

Es wird anschließend argumentiert, dass im Black Metal allerdings nicht immer unverblümt und dummdreist gesprochen werde. Inhalte würden manchmal in unverfänglichere Phrasen verpackt werden, um den abschreckenden Faktor zu mindern. Ein Beispiel hierfür sei ein Zitat von King Diamond, der über die Kräfte des Unbekannten und der Finsternis spreche und gleichzeitig seine Verantwortung gegenüber den Fans betone, indem er junge Menschen vor einem kritiklosen Glauben an pseudookkulte Inhalte warne.

Zudem werde ein weiteres Problem darin gesehen, dass Außenstehende oft alle Rock-Musiker und -Fans pauschal als Teufelsanbeter betrachteten. Dies zeige sich beispielsweise in der aktuellen Indizierungskampagne in den USA. Zudem werde die Gedankenlosigkeit vieler Musiker kritisiert, die „unreflektiert ins Mikrofon röhren und damit ihrer Glaubwürdigkeit schaden“.

„Gegner des Black Metal sehen das wohl alles weniger eng und halten es da lieber mit einer Bemerkung von Udo Dirkschneider: ‚Ich halte davon überhaupt nichts. Ich stehe nicht auf diese ganzen Blut- und Teufelsbeschreibungen, Satanskrempel, Gewaltverherrlichungen und was weiß ich alles. Bei Heavy Metal geht es doch in erster Linie um die Musik; und die sollte im Vordergrund stehen und Spaß machen.’“

***

METAL HAMMER wird 40 und begeht das härteste Jubiläum 2024 mit Specials, Rückblicken, Podcasts und exklusiven Heftbeilagen. Dabei feiern wir uns nicht nur selbst, sondern die ganze Welt des Heavy Metal von 1984 bis heute: Von Judas Priest bis Volbeat, von Iron Maiden bis Slipknot, von Black Sabbath bis Parkway Drive – 40 Jahre Maximum Metal! Feiert mit unter www.metal-hammer.de/40jahre und im gedruckten Magazin.

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