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Deathstars und Rammstein: Blut, Verdorbenheit, Feuer

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(Bilder und Backstage-Impressionen der unheiligen Tour-Allianz findet ihr oben in der Galerie – alle direkt aus den Kameras der Deathstars!)

02. Februar 2012 – Raus aus Stockholm

07.30 Uhr. Der Bus – den wir Justin Bieber tauften (da wir von hinten in das Fahrzeug einsteigen) – fuhr auf die E20 raus, Stockholm ließen wir hinter uns. Nightmare ging direkt ins Bett, während Whip, Skinny und Vice sich gemütlich im Bauch von Bieber verkrochen und alles von Emperor über N.W.A. und Iggy Pop hörten und nebenbei ein wenig an sinnlosem Zeug arbeiteten.

Whip redete gerade mit dem Chef-Herausgeber im „Kobra“-Office, der schwedischen TV-Show des größten Senders, die sich um Popkultur dreht. Er wollte den Moderator Kristoffer Åström dazu bringen, seine Seele Satan zu verkaufen (wirklich), da sie eine Show über Okkultismus in der Popkultur planten. Der Herausgeber war interessiert, aber Kristoffer nicht wirklich, da sein Vater Priester ist.

Egal, Cat stieg in Trelleborg zu, wo wir mit der Fähre nach Travemünde überfuhren. Auf dem Boot lief Whip im Schlaf über verschiedene Decks. Die Party war ordentlich.

03. Februar 2012 – Hannover (TUI Arena)

Erste Show des zweiten Abschnitts der Tour. Wir trafen Rammstein, kamen auf den neuesten Stand und spielten die großartigste Show nach über anderthalb Monaten auf der Straße. Schön, zurück zu sein.

Bei der Aftershow-Party in der Arena übernahm Skinny das DJ-Pult und herrschte über die Disco. Whip versuchte Fünf-Meter-Powerslides während Cat, Vice und Nightmare herum hängten und mit Leuten redeten. Es war schön, Rammstein und die Crew wieder zu treffen und zurück in der Umwelt aus Industrie, Dunkelheit und Verdorbenheit zu sein. Wir freuen uns auf die ganze Tour, müssen nur sehen, ob die Tour sich auch auf uns freut… Sagen wir es so: eigentlich schätzen wir  unser Unglück – oder schwarzes Glück – als einziges Glück, das wir haben. Mal sehen, wie ungeschickt wir dieses Mal sind. Wir werden sehen, was die Zukunft verbirgt…

04. Februar 2012 – Reisetag, Kiel mit der Fähre verlassen

Und das Unglück kam. Wir wollten nach Berlin, um Vice’s Geburstag auf einer riesigen Party zu feiern, aber irgendwie wurde unsere Route weniger attraktiv. Wir mussten aus verschiedenen Gründen mit der Fähre nach Litauen.

Aber von Anfang an: Der Tag begann sehr ruhig. Keiner machte groß was. Skinny schaute TV-Serien, Vice und Cat spielten den GANZEN Tag Tekken auf Playstation 2– sie schrien wie wilde Kids auf dreckigem Acid. Whip las die Biografie SCAR TISSUE von Anthony Kiedis und ließ immer wieder wissen, wie gut sie ist. Nightmare richtete ein Studio in der hinteren Lounge auf der zweiten Etage von Justin Bieber ein – oder „Just-in-Biber“, wie wir ihn auch nennen – und arbeitete an ein paar musikalischen Skizzen für das kommende Album.

In Kiel wurde uns und der Crew langeweilig – also ging die Party wieder los. Wir hatten Probleme an der Grenze, deshalb mussten Skinny und Martin von der Crew zur Polizei-Station gehen, um sich auszuweisen. Leider sind ihre Pässe in der russischen Botschaft und warten auf Visas. Wie auch immer, es gab ein Chaos auf der Station und die Jungs kamen erst wenige Minuten bevor die Fähre den Hafen verließ zurück – ein Transport, der nur so beschrieben werden kann: Gefangen zwischen dem Teufel und der schwarzen Ostsee.

Mitternacht feierten wir Vice, der 22 wurde, mit brennenden Drinks. Auch wenn wir feierten, war die ganze Situation extrem anders hier auf dem Boot der Hölle zu sein anstatt eine großartige Zeit in Berlin mit unseren Freunden zu haben, aber… Was kanns man schon machen?

05. Februar 2012 – Reisetag, von Kiel mit der Fähre nach Litauen

23 Stunden verschwendete Zeit später rollte die Band in Litauen ein. Vice war der Letzte auf seiner Party. Zur Gesellschaft hatte er Vodka und die Playstation.

06. Februar 2012 – Kaunas (Zalgiris Arena)

Endlich Show-Tag. Es ist lange her, dass wir in Litauen waren. Wir freuen uns wieder zu kommen, da wir große Fans der baltischen Länder sind (und natürlich von Osteuropa generell!). Die Geschichte der Region, die Schönheit der osteuropäischen Ästhetik und vor Allem die Fans wuchsen uns sehr ans Herz – und an die Lenden.

Zalgiris Arena war in nebliges Sonnenlicht getaucht, gepackt in -20°, als der Bus auf das Gelände fuhr. Nightmare, Skinny und Cat waren den ganzen Tag mit Pro-Tool Plug-Ins und musikalischem Nerd-Zeug beschäftigt. Vice und Whip gingen unterdessen los, um exklusiven lokalen Vodka und Chili zu finden, Party-Nerd-Zeug.

Die Show war entspannter und die Band kam wieder in Form. Nach dem Auftritt schauten wir Rammsteins fantastische Performance an. Danach war niemand (außer Skinny) in Party-Laune, aber es dauerte 30 Minuten und die Hölle brach los. Alle waren danach in der Party-Zone. Zu 100%.

Nach allen Shows haben wir Aftershow-Parties in verschiedenen Bereichen der Arenen. Nur ausgewählte Leute – von der Crew handverlesen – dürfen dort hin (also: wunderschöne Mädchen, enge Freunde und Stars). Manchmal haben wir verschiedene Party-Räume für die Bands und die Fans, dann läufst du eigentlich immer hin und her. Also fast wie immer gab es einen üblichen Mädchen- und Band-Bewirtungs-Raum. Rammstein und Deathstars hatten einen kleinen Raum mit einer Menge weiblicher Models und Tonnen von Champagner und Vodka. The damned deal was done. Alles flippte aus und Whip nahm kleine osteuropäische Models auf die Schultern, bis er versehentlich in einen Tisch stürzte – mit dem Kopf voran – und sich seine Nase brach… Yeah, guckt einfach auf das Foto; ihr könnt auch sehen, wo das Mädchen, dass er beim Fall mit zu Boden brachte, ihm Haare aus dem Kopf riss.

Zur gleichen Zeit jammten Vice und Cat mit der Rammstein-Crew Deep Purple.

Jedenfalls wurde die Party nur noch besser dadurch und jeder flippte bis zum Maximum aus. Ein perfektes Ende eines harten Arbeitstages. Im Bus ging die Party weiter und Nightmare, Cat und Skinny schlugen Justin Bieber bis in die frühen Morgenstunden zusammen.

07. Februar 2012 – Riga (Arena)

Befreiung. Ein Mädchen von Warner Sweden kam mit unseren Visas – in letzter Minute, um rechtzeitig nach Russland zu kommen.

Nach der Show versuchten wir uns an Stunts im Umkleideraum, wie springend mit dem Kopf voran in Stühle rennen, um zu sehen, wie der Körper beim Aufschlag reagiert. Manche würden dazu Slap-Stick-Humor sagen, wir würden es als Wissenschaft bezeichnen.

Rammstein mussten zeitig gehen, um nach Moskau zu kommen. Wir feierten in der Umkleide, bis uns die Sicherheitsleute rausschmissen.

08. Februar 2012

Ein Tag, an dem wir in Moskau eintreffen sollten, aber das taten wir nicht. Wir hingen in Lettland fest – noch auf konkrete Gründe wartend. Das Einzige, was den Tag über passierte, war, dass unsere Crew in einer Bar betrunken wurde. Die Bar schenkte nicht mal etwas aus, nicht einmal Wasser. Ein Keyboarder mit Headset spielte ein paar Songs. Der Barmann musste den Typen zu einem Schnapsladen nehmen, um Vodka zu holen, damit die Crew in der Bar abhängen konnte. Toller Ort.

09. Februar 2012 – In Russland einlaufen

Die normal-hysterische Grenzkontrolle in Russland fand statt, wo mit Deathstars-Alben, T-Shirts – und allem Merchandise, was wir dabei haben – bestochen wird. Danach räumt man alles Persönliche auf den Flur der Grenzstation und Hunde suchen im Bus nach Drogen. Immer. Denken die nicht, wir wären klüger?

Auf jeden Fall ein weiterer Tag, an dem wir durch die menschenleere, schwarze, russische Landschaft fuhren. Jeder schaute nur Filme, spielte Video-Spiele, las oder was auch immer.

10. Februar 2012 – Moskau

Endlich zurück zu unseren Wurzeln. Irgendwie zumindest. Wir sind große Fans der Fans aus Russland und natürlich vom Land und der Stadt selbst. Russland war immer die „Mutterzone“ für uns (zusammen mit Skandinavien) – Mutter Russland. Es ist die Schönheit in der Ästhetik, die Geschichte, die Menschen, die Sprache, die Kunst und alles – ganz einfach – ist so gewaltig. Und gewaltige Dinge finden wir immer attraktiv.

Ein sonniges Moskau und Kälte, die den Sportkomplex Olimpijski einbettet. Rammstein und ihre Crew hatten für zwei Tage eine großartige Zeit, während wir mit Papierkram in Lettland festhingen. Aber sie versprachen uns, die Beste aller Zeiten an diesem Abend zu haben. Also zurück zur besseren Stimmung.

Gute Show, auch wenn unsere Backtracks zusammenbrachen und wir ‘Chertograd’ zu zeitig beenden mussten.

Gleich nach Rammstein gingen alle Mitglieder beider Bands in die Stadt zum Nachtclub „Gipsy“, wo wir VIP-Behandlung und eine großartige Zeit hatten – nur herum hängen, reden, essen, trinken.

11. Februar 2012 – Moskau

Jeder war ziemlich müde vom Vortag, also hingen wir tagsüber in der Arena ab. Olimpijski ist massiv – bei voller Auslastung passen 60.000 Leute rein. Normalerweise wird es in der Mitte in zwei Stücke getrennt. Selbst dann ist der Anblick beeindruckend.

Die Aftershow-Party wurde von Skinny am DJ-Pult offiziell eröffnet. Als wir die Arena verließen, hielten wir am Roten Platz, um im Schnee herum zu rennen. Cat and Whip rannten in ein Pärchen, wo der Kerl seiner Freundin gerade einen Antrag machte. Es endete darin, dass alle in Kreisen um den Kreml tanzten. Zur gleichen Zeit, 100 Meter entfernt, kam die Polizei mit Vollgas und erwischte Vice, weil er in der Öffentlichkeit Jägermeister trank.

12. Februar 2012 – St. Petersburg

Wir reisten fast den ganzen Tag und machten auch nicht viel. Parkten außerhalb der Arena.

13. Februar 2012 – St. Petersburg

Superkalt in Russland. Die Kälte in Russland ist viel intensiver als irgendwo sonst in der Welt. Zumindest fühlt es sich so an. Zum Glück war die SCC Arena warm an diesem Tag. Was dort passierte, ist eine lange Geschichte, aber wir machen es kurz…

Unser ganzes Equipment wurde nach Finnland transportiert, also hatten wir nicht unser übliches Zeug, nicht mal die Requisiten. Wir mussten das über mehrere Wege führen, und in Russland bedeuten mehrere Wege oft Mafia. Genug darüber, aber es war sehr kompliziert, diese Situation zu lösen.

Der Gig war cool – die Menge in Russland ist immer unglaublich. Nach dem Gig trafen wir uns mit ein paar Freunden aus der Stadt und starteten die Party. Whip trug wie immer Mädchen herum, Skinny spielte Musik, Cat war überall, Nightmare trank Bier mit dem Cousin von Vladimir Putin und Vice’s Checks platzten.

14. Februar 2012 – Reisetag nach Helsinki

Wir hatten noch nie so viele Reisetage und Day-Offs wie in dieser Periode. Wir versuchten unser Bestes, daraus eine gute Zeit zu machen, auch wenn wir unglaublich ruhelos waren. Immerhin hatten wir einen Hund im Bus.

15. Februar 2012 – Day-Off in Helsinki

Skinny und Whip gingen mit unserem Freund Silke, der Manager ist und mit unserem Album in Finnland handelt, in einen Stadtteil namens Kallio. Kallio ist wie eine finnische Version von Berlin Kreuzberg. Ein Haufen Rock’n’Roll-Bars, Stripshows und so. Echt schön.

Die Anderen kamen später dazu, aber die Nacht war noch jung, als wir gingen. Außer für Skinny, der mit Freunden abhing und in den Tunneln der Nacht verschwand.

16. Februar 2012 – Helsinki 

Skinny wachte in den Vororten Helsinkis auf, ohne zu Wissen, wo er ist. Ohne Geld, ohne Zukunft und ohne Hoffnung fand er ein Taxi. Vice holte ihn aus der Patsche, als er in der Arena erschien.

Vor der Show hatten wir ein Photoshoot mit einem sehr talentierten Mädchen aus New Orleans, Kaylin Idora, und hörten Van Halen. Eine Menge alter Freunde tauchten auf, es war super. Apocalyptica spielten einen Song mit Rammstein, was sehr beeindruckend war.

17. Februar 2012 – Reisetag – Fähre nach Stockholm

Neun Uhr frühs musste jeder aufwachen, um die Fähre zu betreten. Nach ein paar Stunden Schlaf und ein wenig Frühstück betraten wir eine Karaoke-Bar. Außer der ganzen Rammstein- und Deathstars-Entourage war da ein finnisches Junior-Mädchen-Gymnastik-Team. Sie halfen Skinny und Whip als Chor aus, als sie Günther And The Sunshine Girls’ ‘Ding Dong Song’ performten. Ein sehr bizarrer Anblick.

In Stockholm ging jeder seiner Wege nach, außer Whip, der mit Rammstein in einer Hotelbar endete und Vodka und Rotwein bis in den Morgen trank.

17. Februar 2012 – Stockholm

Es ist etwas Besonderes, in unserer Heimatstadt zu spielen. Immer wieder. The Globe ist außerdem eine sehr klassische Arena. Für Rammstein eine der absoluten Favoriten.

Es gab eine Aftershow-Party im „Slakthuset“, welches ein altes Schlachthaus ist, das in einen Nachtclub verwandelt wurde und direkt neben The Globe liegt. Die Party war total voll mit irgendwas um die 1000 Leute und mehreren DJ’s in verschiedenen Räumen. Eigentlich ein wenig wie ein fantastisches Rock’n’Roll-Chaos.

18. Februar 2012 – Day-Off in Karlstad

Gemischte Gefühle in der Band. Cat wollte so schnell es geht Stockholm verlassen, um nach Hause zu kommen. Der Rest der Band wollte in Stockholm in den eigenen Betten bleiben. Nun, Nightmare und Ewilina machten genau das.

Whip, Oscar und unser Gitarren-Techniker Martin haben Familie in Karlstadt, also fuhren sie direkt für gekochtes Essen und saubere Bettdecken nach Hause. Skinny, Saso und Arne begaben sich ins Nachtleben und endeten mit einer Flasche Stroh Rum im Bus.

19. Februar 2012 – Oslo

Wir haben unzählige Freunde in Oslo und viele von ihnen kamen zur Show. Valhall ist ein wirklich verrückter Veranstaltungsort. Es sieht aus wie eine verlassene Hockey-Arena in Polen während der 40er – wie ein antikes Relikt.

Wir waren alle sehr zufrieden mit dem Gig, vielleicht der Beste auf diesem Abschnitt der Tour. Danach waren wir im Party-Raum mit unseren Freunden, wie beispielsweise unserem alten Gitarristen Beast X Electric. Es war der Wahnsinn und Skinny – wie immer – bestimmte die Party-Musik.

20. Februar 2012 – Day-Off in Kopenhagen

Justin Bieber wurde außerhalb der Drogen-Quartiere Christianias geparkt. Also gingen Skinny, Whip und Vice durch die diesige Umgebung spazieren, um ein paar Waren zu checken und kamen dann zurück. Als wir mit Korn auf Tour waren, kamen wir zu diesem wirklich verrückten Ort, der einfach keinen Sinn macht. Es ist Sam’s Bar und eine kleine asiatische Karaoke-Bar, die nie jemand besucht, außer uns. Gut, letztes Mal standen zwei kleine Chinesinen da und sangen stundenlang. Aber diesmal waren nur die Untergang-Jungs da. Trotzdem war es ein guter Abend.

Hungrig und sehnsüchtig nach kulturellem Austausch nahmen wir ein Taxi nach Vesterbro. Wir hatten eigentlich keine Ahnung, wohin wir gehen sollten, aber nach einer halben Stunde fanden wir ein großartiges pakistanisches Restaurant. Nach dem Dinner fanden wir heraus, dass die Mikkeller Bar nur um die Ecke lag. Der Bier-süchtige Skinny schlug sofort vor, dort hin zu gehen. Nachdem wir qualitatives Bier kosteten, gingen wir in mehrere Bars und danach zu Justin und der restlichen Entourage zurück.

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Rammstein: Ihre fünf erfolgreichsten Alben

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