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Bericht – Desertfest 2012

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Das Desertfest bringt mit drei Tagen voll dröhnender Retro-Riffs und omnipräsentem Green-Geruch sattes Roadburn-Feeling nach Berlin. Zum Auftakt geht es am Donnerstag in den schwarz-rot ausgehängten Festsaal Kreuzberg, der nicht nur wie die Bong zum Stoner Rock passt, sondern auch deutlich zu klein für den Besucherandrang ist. Ausverkauft. Im Hof wird noch in den Bart geraucht, während mit Ancestors der erste Höhepunkt des Festivals beginnt. Nach einem technischen Fehlstart geht das Schwarz-Weiß-Kino in die Vollen: Zu Projektionen von massiven Uraltmaschinen, Wäldern und weiter Fläche schieben die Amerikaner einen Sound-Teppich an die Bühnenkante, der deutlich fetter ist als auf ihren drei Alben. Dazu heult die Orgel, die Songs elegieren weiter und weiter, die Stimmung gleitet in schönste Selbstmordgedanken, bis entfesselter Applaus das Ruder doch wieder auf Party stellt. Diese wird anschließend von den Schweden Greenleaf ideal bedient. Mit alten Black Sabbath im Regal und unbändiger Spielfreude zeigt sich der Archetyp einer Desertfest-Band: geile Riffs, schwer nach vorne geschraubt, Spaß in den Backen und unerlaubte Hässlichkeit zu bester Stimmung vereint. Wo Ancestors noch große Geste zum langen Hall gegeben haben, ziehen Greenleaf das Tempo an und beweisen mit einem blinden Bassisten, dass genügend Herzblut fast alles erreichen kann. Als Headliner bringen Orange Goblin sämtliche Erfahrung auf die Bühne, die sie in 17 Jahren Bandbestehen angesammelt haben. Vor allem ‚The Fog‘ vom aktuellen Album punktet sofort und beweist, warum diese Band Headliner ist: Sie animiert bestens zum Trinken, Bangen und Schreien. Ihre Gigs nicht gut zu finden, hat meistens einen von zwei möglichen Gründen: zu wenig Bier getrunken oder zu wenig Whisky. Wer daran arbeitet, hat auch heute mit bestem Stoner Rock eine großartige Zeit.

Von Freitag an verlagert sich das Desertfest-Geschehen ins Astra, inklusive kleinem Markt, wo man T-Shirts, Vinyl, kunstvoll gestaltete Poster und Effektgeräte für den perfekten Stoner Rock-Gitarrensound erstehen kann. Als echtes Schmankerl offenbaren sich Mars Red Sky: Ein durchdringender, wabernder Bass und bluesige Riffs ergeben zusammen psychedelische Grooves, die sich hier und da in deftigen Doom Metal-Ausbrüchen entladen. Zwischendrin weht des Öfteren eine Krautschwade vorbei, die Meute im Astra ist also bestens aufgelegt und feiert das Trio ordentlich ab. Zu Recht: tighter Gig von den Polen! Der Abend lässt sich gut an, so kann es weitergehen – und das tut es auch: mit Amplifier. Das Quartett aus Manchester setzt auf mehr Rock, mehr Songstrukturen und (da sie nicht nur eine, sondern zwei Gitarren bearbeiten) auch auf mehr Druck. Quasi: Queens Of The Stone Age in Prog. Auf Platte nicht immer überzeugend, aber live wirklich nicht das schlechteste Rezept. Ein bisschen wilder, dreckiger und roher gehen kurz danach die schwedischen Truckfighters zu Werke. Unüberhörbar: Die drei verstehen sich als Erben von Fu Manchu und Kyuss. Ozo, Dango und Pezo ziehen derbe vom Leder und bringen mit ihrem Schweine-Stoner am Freitag den meisten Spaß – und das, obwohl Motorpsycho als nächste dran sind, die ihr aktuelles Album THE DEATH DEFYING UNICORN aufführen. Musikalisch sind die Norweger wohl die beste Band des Festivals. Das von Keyboarder Ståle Storløkken unterstützte Trio zeigt sofort, was es auf dem Kasten hat: Basser/Sänger Bent Sæther und Gitarrist Hans Magnus „Snah“ Ryan improvisieren viel und lassen die Songs gerne mal zu Livejams auswachsen. Wer nichts geraucht hat, kann dem nicht immer folgen, woran auch die grandiosen Hammondorgel-Soli von Storløkken nichts ändern.

Viel direkter rocken Ufomammut am Samstag alles in Grund und Boden. So muss sich ein Sturm auf hoher See anfühlen: Die Italiener lullen das Auditorium diverse Male ein, schichten immer wieder langsam ihre Wall Of Sound auf, nur um dann brachialste Riff-Breitseiten losbrechen zu lassen. Die pure Naturgewalt – inklusive vereinzelter Doublebass-Attacken. Besser kann es eigentlich nicht werden, doch sofort im Anschluss legen Red Fang los. Stets das Gaspedal durchgedrückt, nehmen die US-Amerikaner das Astra im Sturm ein. Aber wer in seinem High Energy-Rock’n’Roll Mastodon so elegant vom Prog entschlackt, erntet verdientermaßen einhelliges Kopfnicken, rhythmisch zuckende Leiber und gereckte Fäuste. Danach braucht der Stoner-Fan gezwungenermaßen etwas zum Runterkommen, und erhält das in Form von Colour Haze. Die Münchner Szene-Institution bietet insgesamt ein bisschen zu viel Gedudel, doch zum Glück bricht der Dreier um Frontmann Stefan Koglek regelmäßig daraus aus und zeigt den Konzertbesuchern, was eine anständige Dröhnung ist. Nach einer soliden zweistündigen Show neigt sich die dritte Auflage des Desertfest dem Ende entgegen – METAL HAMMER freut sich auf nächstes Jahr.

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