Disturbed + Shinedown Konzert Bericht

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Dass sie ihren Namen zu Recht tragen, konnten die Chicagoer Konsens-Metal-Schergen von Disturbed in Hamburg an zwei aufeinander folgenden Abenden beweisen: Da die Karten weggingen wie warme Wecken, hatte der Veranstalter gleich noch mal einen zweiten Gig nachgebucht.

Zwei mal volles Haus – das schaffen nicht viele im Hamburger Docks. Vielleicht lag’s ja auch am namhaften Support Shinedown, dessen zwei Erstlingswerke sich weltweit bereits über zwei Millionen Mal verkauft haben.

Für einen Support fast schon zu schade, doch der Teufel steckt im Detail: Mögen Shinedown im heimischen Amiland Superstars sein, sind die Rock-Heroen hierzulande noch recht undekoriert. Wer nicht tourt, den kennt auch kaum jemand.

Doch als Opener von Disturbed und mit dem neuen Album „The Sound of Madness“ im Gepäck dürften die vier Florida-Rocker auch bei uns bald richtig durchstarten. Zumal sich Shinedown in den ihnen gewährten 45 Minuten als erstklassiger Live-Act erweisen – der zwar nicht unbedingt im Vorprogramm der etwas härter rockenden Gestörten aufgehoben ist, aber als aufheizendes Kontrastprogramm bestens funktioniert.

Mit Schmackes und Spielfreude geben Sänger Brent Smith und Co. von der ersten Minute an Vollgas und ziehen das Publikum mit Ohrwurm-Nummern wie „Devour“ oder „Second Chance“ auf ihre Seite. Fast schon ein wenig zu enthusiastisch versucht Smith, die Massen zu entertainen, doch es sei ihm nachgesehen – normalerweise spielt er als Headliner vor Publikum, das jede einzelne Zeile mitgrölt, und muss sich nicht mit gefühlten drei Quadratmetern der Gesamtbühne begnügen. Andere Länder, andere Sitten.

Eine satte Vorlage, die Shinedown hier auf den eigentlichen Hauptact spielen, doch als dann schließlich Sänger David Draiman angeschnürt und mit Hannibal-Lecter-Beißkorb auf die Bühne gefahren wird, ahnt man schon, dass Disturbed wie immer großartig vollstrecken werden. Als man ihn aus der Zwangsjacke befreit, bricht das Disturbed-Inferno mit „Perfect Insanity“ los – ein programmatischer Opener für einen völlig gestörten Abend.

„My brothers, my sisters, my blood“, schmeichelt Draiman (oder ist es Andre Agassi?) den Fans und reckt die Fäuste in die Höhe, und die Gemeinde folgt brav ihrem Vorbild. Besonders die zwei euphorischen blonden Hüftschwung-Mädels in der ersten Reihe, nach eigenem Bekunden schon am Vortag am Start, scheinen ihren Spaß zu haben.

Und damit wäre dann auch der Begriff „Konsens-Metal“ erklärt. Sei es drum – mit einem wilden Potpourri aus ihren vier durchweg starken Alben (mit dabei: „Voices“, „Deify“ oder „Ten Thousand Fists“) und einem soliden Auftritt verwandeln Disturbed das Docks in einen brodelnden Hexenkessel. Allerdings: Das grenzwertige Genesis-Cover „Land of Confusion“ hätte man auch gerne auslassen können – Geschmackssache.

Als Entschädigung dreschen sie schließlich aber ihren vielleicht besten Gassenhauer unters Volk: „Down with the Sickness“ hallt es von den Wänden und nach zwei intensiven Tagen auf der Reeperbahn verabschieden sich die „Unkaputtbaren“ mit ihrer „Indestructible“-Tour aus der Hansestadt. Rückkehr: erbeten.

Benjamin Foitzik

Fotos von dem Gig findet ihr oben in der Bildergalerie

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